Investor will "ein bisschen Gas rausnehmen"

Kempten und der Hotelturm

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Plan des bisherigen Ergebnisses der Voruntersuchungen wie im Juli 2014 im Kornhaus vorgestellt. Entwurf einer städtebaulich-/stadträumlichen Grundkonzeption für den Bereich des Berliner Platzes. Im roten Kreis mittig die Keck-Kapelle.

Kempten – Für einigen Wirbel hatte Walter Bodenmüller gesorgt, als er kurz vor Pfingsten kund gab, die Keck-Wiese am Berliner Platz mit einem knapp 65 Meter hohen Hotelturm sowie einer Residenz für gehobenes betreutes Wohnen bebauen und sein Vorhaben möglichst noch vor der Sommerpause durch den Stadtrat absegnen lassen zu wollen (der Kreisbote berichtete). Pläne, dort – wenn auch nicht gerade in Form eines 65 Meter hohen Turms – ein Hotel zu bauen, gab es schon vor rund 15 Jahren – bislang ohne sichtbares Ergebnis.

Vielleicht nicht mehr unangefochten auf Platz eins, dürfte das Thema nach wie vor unter den Top-10-Themen der Kemptener rangieren. Die Reaktionen sind vielschichtig, für Unmöglich halten viele Kemptener das Vorhaben nicht, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Von der sportlichen Zielsetzung, das Vorhaben noch vor der Sommerpause in den Stadtrat zu bringen, ist Bodenmüller nach eigenen Angaben inzwischen abgekommen. Er will „ein bisschen Gas rausnehmen“, wie er auf Nachfrage des Kreisboten meinte. Nicht mehr und nicht weniger.

Da derzeit seitens des Amtes für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung noch vorbereitende Untersuchungen zur Entwicklung des Kasernengeländes am Berliner Platz laufen, stellen sich mit der Thematik vertrautere Bürger die Frage, ob ein vorher gefasster Beschluss des Stadtrats für ein Teilgebiet der zu entwickelnden Gesamtfläche sinnvoll ist. Vielmehr macht aus Sicht von Fachleuten, wie unter anderem dem architekturforum allgäu, ein städtebaulicher Wettbewerb Sinn, durch den dem gesamten Bereich um den Berliner Platz Struktur gegeben werden soll, zumal auch die Straßenführungen einem neuen Bedarf angepasst werden müssten. Wie Bodenmüller in einem früheren Gespräch mit dem Kreisboten bereits angemerkt hatte, werde beispielsweise darüber nachgedacht, die Kaufbeurer Straße zu verlegen.

Wie die Leiterin des Stadtplanungsamtes, Antje Schlüter, auf Nachfrage angab, wurde der alte Flächennutzungsplan aus dem Jahr 1987 zwar 2009 bestätigt, aber dadurch werde nur „ein Ziel definiert“ und noch „kein Baurecht“ geschaffen. Sprich, einen Bebauungsplan gebe es nicht, womit die von Bodenmüller anvisierte Fläche zum Außenbereich zähle. Mit Einhaltung der gesetzlichen Fristen vergehe mit Beginn des Bauleitverfahrens mindestens ein Jahr vor weiteren Schritten.

Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann gab auf Nachfrage des Kreisboten an, dass es noch keine konkreten Überlegungen zu künftigen Straßenführungen in diesem Gebiet gebe, aber es gebe immer Lösungen. „Mit politischem Willen ist alles möglich.“

Klare Stellung zu Plänen für einen Hotelturm bezieht Kemptens Stadtheimatpfleger Tilman Ritter: „Man kann darüber reden, aber nicht an dieser Stelle.“ Vielmehr brauche es „eine Gesamtplanung bis hinter zur Ari-Kaserne und auch mit dem Berliner Platz“, sieht auch er den „politischen Willen“ als Schlüssel . Generell müsse man sich die Frage stellen, so Ritter, „ob wir Hochhäuser wollen“ und wenn ja, wo. Am Kemptener Einfahrtstor sei seines Erachtens ja in Ordnung, „aber nicht direkt an der Hangkante“, und auch das Feld davor „sollte frei bleiben“, steht für ihn fest. Wie auch der Halderücken sei die Illerhangkante „eine topographische Landmarke, die unser Stadtbild prägen“.

Kurz nach Redaktionsschluss für die Samstagsausgabe fand eine Pressekonferenz der Kemptener Hoteliers, die das Vorhaben naturgemäß kritisch sehen, statt.

Christine Tröger

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