Musikalischer Ohrenschmaus

Fulminanter Ausklang

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Jazz und Rock in Perfektion: Der Pianist und Bandleader Wolfgang Dauner (vorne l.) mit seinem neunköpfigen United Rock + Jazz Ensemble Second Generation. Im Bild Flo Dauner am Schlagzeug, Frank Kuruc (l) an der Gitarre und daneben Bassist Dave King.

Kempten – Auch die zweite Halbzeit des 31. Kemptener Jazzfrühlings hatte es nochmals in sich und offenbarte einiges an musikalischem Ohrenschmaus.

Am Mittwoch lockte die Jazznacht mit elf recht unterschiedlichen Bands zum kleinen Preis an elf ebenso recht unterschiedlich besuchte Locations. Zu den lohnenswerten Formationen zählte ein wohl eher sechsköpfiger Geheimtipp namens „Karl die Große“ im „Milk & Sugar“. Regen Zulauf hatte unter anderem die letztjährige Gewinnerband des Hansjürg Hensler Jazz-Wettbewerbs, die auch beim Auftritt im „Pane e Vino“ überzeugte. Zu den festen Größen des Jazzfrühlings zählten wieder der beschwingte Auftritt der SeniorenHausBand – einmal mehr unterstützt von der beeindruckenden Stimme von Leonie Leuchtenmüller – im proppenvollen Haus der Senioren sowie das Nachmittagskonzert in der AÜW-Turbinenhalle in der es kaum ein Durchkommen gab. Wer nicht nur akustisch in den Genuss von Sarah Buchner & Band kommen, sondern die Musiker bei ihrem Auftritt auch beobachten wollte, musste entweder früh dran sein oder brauchte Ellbogen. Jazz-„Traditionalisten“ kamen, wie immer, bei Musikerfrühstücken wie Abendveranstaltungen im Stift auf ihre Kosten.

Spannend sind ja auch immer die letzten beiden Abende im großen Saal des Stadttheaters, wo sich erfahrungsgemäß so kurz vor Schluss noch einmal Jazz vom Feinsten zeigt. Als „der“ diesjährige Höhepunkt des Festivals dürfte der Auftritt von Wolfgang Dauner’s United Jazz + Rock Ensemble Second Generation gelten. Das war intellektueller Jazz, ohne abgehoben zu sein, nonchalent dargebotener Bigband-Sound mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Phänomenal! Und da mit Flo Dauner am Schlagzeug nicht nur der Sohn des Bandleaders saß, sondern auch der Schlagzeuger der „Fantastischen 4“, gab es eine eigenwillige „Was geht Up and Dauner“-Version.

Völlig andere Töne gab es zum ebenfalls fulminanten Schlusskonzert mit Brazilian Jazz von Tânia Maria. Zusammen mit Mestre Carneiro, der zwischen seinem Percussions-Instrumentarium Leichtigkeit und Lebensfreude verströmte sowie dem Bassisten Marc Bertaux und Hubert Colau am Schlagzeug entzündete die Pianistin und Sängerin ein klingendes Feuerwerk aus Latin-Rhythmen und Melodien, das Füße und Hüften auch in den Sitzen reihenweise wippen ließ.

Den beiden Abschlusskonzerten hätte man deutlich mehr Zuhörer gewünscht, als ein jeweils etwa halbvolles Haus. Da klafften musikalische Qualität und Publikumsinteresse leider – wie so oft – auseinander.

Christine Tröger

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