Viel ehrenamtliches Engagement für die Kemptener Tafel

"Da kann ich doch auch helfen"

+
Vor der Tafelladen in der Memminger Straße für die Kunden öffnet, bereiten die ehrenamtlichen Mitarbeiter die Waren vor. Unser Bild zeigt (v.l.) Karin Altmann, Rudolf Pfennig und Helga Härter.

Rund 24.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit leisten rund 120 Bürgerinnen und Bürger aus der Region pro Jahr für ihre Mitmenschen – und das allein bei der Kemptener Tafel!

Nur durch diesen unentgeltlichen Einsatz, das Engagement von Tafel-Koordinator Markus Wille und die rund 105 Sponsoren können in Kempten täglich etwa 400 bedürftige Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden. Denn der Organisations- und Arbeitsaufwand, der hinter der Tafel steckt, ist enorm. Davon konnte sich der Kreisbote jetzt vor Ort überzeugen. 

Der Arbeitstag der ehrenamtlichen Tafelmitarbeiter, die zwischen 16 und 82 Jahre alt sind, beginnt montags bis samstags bereits gegen 7.30 Uhr. Bis etwa 11 Uhr werden mit zwei Kleintransportern 25 bis 30 Discounter, Metzgereien, Bäckereien und Tankstellen-Back- shops in Kempten und Umgebung angefahren und die jeweiligen Warenspenden abge- holt. „Alles was wir bekommen, wird ins Lager in die Haubenschloßstraße gebracht und dort vorsortiert“, erläutert Wille. Das, was für den menschlichen Verzehr noch bestens geeignet sei, werde dann von den ehrenamtlichen Fahrern auf die drei Ausgabestellen – Memminger Straße 114, Magnusstraße 16 (beide betrieben vom BRK) und Landwehrstraße 11 (Caritas) – verteilt. 

In den drei Tafelläden packen weitere Ehrenamtliche Brot und Gebäck in Tüten ab, räumen Obst und Gemüse schön in die Regale ein und befüllen die Kühlschränke. Jeden Dienstagnachmittag übernimmt dies beispielsweise in der Memminger Straße ein eingespieltes sechsköpfiges Team. Monika Horn (72 Jahre), Helga Härter (67) und Luise Frey (65) macht es Spaß, Menschen zu helfen. „Man lebt nicht nur für sich selbst und sollte sich daher ein bisschen einbringen“, meint Frey. Sie engagiere sich, da sie die Idee der Tafel gut findet. „So landen nicht so viele Lebensmittel, die noch gut sind, im Müll.“ 

Zum Team gehören auch Rudolf Pfennig (66) und Karin Altmann (82). „Ich habe vor einigen Jahren selber eine Berechtigungskarte für die Tafel bekommen und gesehen, dass die Mitarbeiter sich vor Ladenöffnung immer abmühen. Da hab ich gedacht, da kann ich doch auch helfen“, erzählt Altmann, die mittlerweile seit über sechs Jahren ehrenamtlich hilft. Noch ein bisschen länger dabei ist Margit Fröhlich (70). Sie hat sogar schon im ersten Laden in der Feilbergstraße geholfen. Dieser wurde im April 2004 als „Tischlein deck Dich“ gegründet. Seit 2008 ist die Kemptener Tafel Mitglied im Bundes- verband der Tafeln. Im gleichen Jahr wurde auch die Ausgabestelle in Sankt Mang eröffnet. Wenn die ehrenamtlichen Mitarbeiter mit dem Einräumen der Waren fertig sind, wird das breite Angebot erst deutlich. So gibt es unter anderem Äpfel, Bananen, Erdbeeren, Spargel, Pilze, Gurken, Salate, Paprika, Tomaten, reichlich Toastbrot, Brot und Semmel, Frischkäse, Joghurt, Müsli, Cornflakes, Fertiggerichte, Chips, Säfte, Babynahrung und auch Katzenfutter. Natürlich variiert das Angebot von Tag zu Tag. „Wir sind abhängig von den Spenden“, verdeutlicht Wille. „Die letzten Wochen hatten wir ein sehr großes und reichhaltiges Angebot. Grund hierfür sind Warengroßspenden aus der Lebensmittelindustrie, von Großmolkereien und Speditionen.“ 

Das breite Angebot resultiert auch aus der guten Zusammenarbeit der Kemptener Tafel mit den umliegenden 17 Tafeln zum Beispiel im Montafon in Vorarlberg oder Isny und Wangen in Baden-Württemberg. „Wir fungieren als zentrale Verteilerstelle für Warengroßspenden, da wir große Mengen lagern können.“ Das Kemptener Team fährt daher öfters mit einem LKW zu Großhändlern, Firmensitzen oder Speditionen und holt Großmengen an Warenspenden ab. Die umliegenden Tafeln können ihre benötigte Menge dann aus dem Lager in der Haubenschloßstraße mitnehmen. 

Bei den Kemptener Tafeln gehen von montags bis samstags jeden Tag rund 120 Kunden einkaufen. Zählt man die Familienangehörigen dazu, werden täglich rund 400 Menschen mit Lebensmitteln versorgt. Einkaufsberechtigt sind laut Wille Hartz IV-Empfänger und Empfänger von Grundsicherung sowie Personen, deren verfügbares Einkommen abzüglich der Miete nur 500 Euro oder weniger beträgt. Für jede weitere im Haushalt lebende Person erhöht sich die zulässige Einkommensgrenze um 300 Euro. In Kempten gibt es derzeit rund 800 Einkaufsberechtigte. Die Zahl erhöht sich derzeit aber durch die zahlreichen Asylbewerber. 80 Prozent der Kunden haben einen Migrationshintergrund. „Die deutschen Kunden sind noch sehr stark in der Unterzahl“, weiß Wille. Für sie sei es oft schwierig, „die Hemmschwelle zu überwinden“. Gerade Alleinerziehende mit Kind(ern) oder Rentner könnten sich jedoch einiges an Geld sparen, wenn sie sich trauen würden, ihre Lebensmittel bei der Tafel zu kaufen. „Die dürften jederzeit kom- men“, betont Wille. Der Tafel-Koordinator vermutet, dass auch die deutsche Mentalität „schuld“ am „Wegbleiben“ der deutschen Bürger ist. „Sie denken oft, dass es anderen bestimmt noch schlechter geht als mir.“ 

Markus Wille ist seit dreieinhalb Jahren Koordinator der Kemptener Tafeln und versucht durch den ständigen Kontakt mit den Sponsoren dafür zu sorgen, dass immer genügend Lebensmittel und immer wieder auch Hygieneartikel zur Verfügung stehen. In dieser Zeit habe sich sehr viel getan, lobte Mitarbeiterin Margit Fröhlich: „Wo ein WILLE, da ein Weg“, scherzte sie. Der Koordinator schaut jeden Tag in den Ausgabestellen vorbei, um zu sehen, was gebraucht wird. Ansonsten hält er sich dort eher im Hintergrund. „Ich bin froh, dass ich mich auf mein Team verlassen kann.“ Präsent ist er dagegen bei den Firmen, „um die Kemptener Tafel immer wieder in Erinnerung zu rufen“. 

Jährlich kommt eine Menge von 500 Tonnen an Warenspenden zusammen. „Das sind 500 Tonnen Lebensmittel, die sonst in der Mülltonne landen würden“, betont Wille. Und obwohl dies eine beachtliche Zahl an Spenden ist, gibt es trotzdem Dinge, die immer fehlen oder zu wenig sind. Dringend benötigt werden Dinge für den täglichen Gebrauch wie Wasch- und Spülmittel, Duschgel, Schampoo, Deo und Zahnpasta oder lang haltbare Produkte wie Kaffee, Tee, Kakao, Honig, Nudeln, Reis, Mehl, Zucker, Speiseöl, Essig oder Kekse. Ebenso ist die Tafel immer auf der Suche nach weiteren ehrenamtlichen Mitarbeitern. „Wir freuen uns über jeden, egal ob er an einem oder an mehreren Tagen Zeit hat“, so Wille. Ein Probetag ist jederzeit möglich. 

Wer Interesse hat oder etwas Spenden möchte, kann sich mit Markus Wille unter der Telefonnummer 0831/522 92 41 oder willejun@kvoberallgaeu.brk.de in Verbindung setzen.  Melanie Weidle

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Mongolei – Nomadenstaat im Spannungsfeld mit Urbanisierung

Kempten – Das Haus International erfüllte auch an diesem Abend seine Mission als interkulturelles Zentrum der Stadt Kempten. Der recht gut besuchte …
Mongolei – Nomadenstaat im Spannungsfeld mit Urbanisierung

Kommentare