Gelungene Premiere

Grandioses Volkstheater

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Spinnen eine Intrige gegen Gräfin Olivias hochnäsigen Haushofmeister Malvolio. (v.li.) Sir Toby Rülp (Harro Korn), der Narr (Markus Oberrauch), Sir Andrew Bleichenwang (Martin Radecke) und Kammermädchen Maria (Nadine Schneider).

Kempten – William Shakespeare selbst wäre bestimmt genauso begeistert gewesen wie das Publikum im Theater in Kempten (TIK) vergangenen Samstagabend. Da gab es mit des großen Dichters zeitloser Komödie „Was ihr wollt“ Volkstheater im besten Sinne.

Er hat auch die Übersetzung dafür geliefert, in der es ihm vor allem um die Wahrung des Wortwitzes ging.

Spaß bescherte die schon eher Groteske als Komödie dem Publikum jedenfalls reichlich. Nicht nur die meist derb-komischen Dialoge, auch die Kostüme in die Sieglinde Michaeler die Schauspieler steckte sorgten für einige Heiterkeit, wie Sir Andrew Bleichenwang (Martin Radecke), der seinem Namen optisch wie menschlich alle Ehre machte.

Unvergessen werden sicher auch die gelben Strümpfe mit kreuzweis gebundenen Strumpfbändern bleiben, mit denen sich Olivias Haushofmeister Malvolio (Karl-Heinz Macek) für die von ihm – einseitig – geliebte Herrin zum Narren macht. Apropos Narren, apropos Liebe. Das sind die beiden zentralen Themen, um die die homogen spritzig-mitreißend agierenden Akteure rund zweieinhalb Stunden lang mit temporeichen Dialogen und marathonverdächtigen Bühnenauftritten und –abgängen kreisten. Besser hätte man die Figuren kaum besetzen können, jede einzelne eine eigene Charaktere als letztendlich Spiegel menschlicher Vielfalt. Einfach grandios das Spiel all der liebeskranken Frauen und Männer, deren Verwirrungen der Gefühle erst noch in die richtigen Bahnen gelenkt werden sollten.

Herzog Orsino (Benjamin Ulbrich) liebt Gräfin Olivia (Antonia Tinkhauser), die aber für dessen Liebesboten Cesario (Julia Loibl) entflammt. Cesario wiederum ist in Wahrheit Viola, die verkleidet als Mann dem Herzog zu Diensten ist, den sie liebt. So – oder so ähnlich – ergeht es auch Olivias Kammermädchen Maria (Nadine Schneider), dem Trunkenbold und Onkel Olivias Sir Toby Rülp (Harro Korn), oder dem Kapitän Antonio (Richard Aigner), der Sebastian (Frederic Böhle), den von Viola nach einem Schiffbruch tot geglaubten Zwillingsbruder, gerettet hat und ihm augenscheinlich näher sein möchte als diesem lieb ist. Für ihn interessiert sich – wenn auch aus anderen Gründen – dagegen der Polizist (Norman Graue) der Insel Illyrien, Schauplatz der Geschehnisse. Einzig der Narr (Markus Oberrauch) bleibt nur Beobachter der Kabalen, die er listig für sich als Einkommensquelle zu nutzen versteht und die Intrigen durchschaut.

In der Tat muss ein Narr klug sein um ein Narr sein zu können, was schon zu Beginn des Stücks in einem Konzentration fordernden Monolog geklärt wurde. Wie wahr, denn es ist der Narr, der immer wieder auch die Tragik hinter der Komik sichtbar macht.

Mit „Was ihr wollt“ wanderte erstmals ein „Großer Stoff im kleinen Format“, ins „große Format“, nämlich auf die große Bühne des mit rund 400 Zuschauern gut besuchten Hauses.

Spärlich hat Karbus die Bühne gestaltet: ein umgekehrt liegendes Boot in knalligem Gelb, davor ein leuchtend grünes Benzinfass und ein rot-grüner Anlegesteg, dazu eine sensibel-unterstreichende Lichtführung (Günther Schweikart).

Weniger ist eben oftmals mehr. Nicht so beim Schlussapplaus: den gab es verdientermaßen reichlich.

Christine Tröger

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