Klare Aufgabenverteilung für Kultur und Tourismus bei Nutzung der Synergien

Kemptens Kultur mit Ambitionen

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Das Römerfest, das am ersten Augustwochenende im APC stattfand, hat das Potential „das wichtigste Römerfest in Süddeutschland“ zu werden, sagte Kulturamtsleiter Martin Fink am vergangenen Donnerstag im Stadtrat.

Kempten – Hintergrund des Antrags von Stadträtin Erna Kathrein Groll (Grüne), einen Bericht zum Handlungsfeld „Kultur“ zu bekommen, war der im vergangenen Juli gefasste Stadtratsbeschluss, den aktuell noch dem Kulturamt unterstellten Bereich Tourismus, zum Kemptener Kommunalunternehmen (KKU) zu verlegen. Sie hatte, wie auch Stadtratskollege Lothar Köster (SPD), in besagter Stadtratssitzung Bedenken geäußert, dass von dem Wechsel auch Teile der Kultur betroffen sein könnten, die sich damit der Entscheidungsgewalt des Stadtrats entzögen.

Wie Dr. Richard Schießl, Referent für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung, in der letzten Stadtratssitzung erklärte, sollen lediglich die „Synergien genutzt werden“, um Kultur und Tourismus, wie in den Strategischen Zielen 2013 formuliert, zu fördern. Das Kulturamt werde weiterhin für die kulturellen Angebote, Veranstaltungen, Ausstellungen und kulturellen Produkte zuständig bleiben, der Tourismus für das Marketing.

Kulturamtsleiter Martin Fink hob die Zusammenarbeit mit dem Tourismus als „bislang sehr fruchtbar“ hervor und stellte Arbeit sowie anvisierten Ziele des Kulturamts vor. Zum Einstieg gab es einem kurzen Filmzusammenschnitt des am Wochenende zuvor im APC über die Bühne gegangenen und von Besuchern – viele von auswärts, was es auch „touristisch interessant“ mache – wie Darstellern hochgelobten Römerfestes, das das Potential habe, „das wichtigste Römerfest in Süddeutschland“ zu werden. Man habe inzwischen viele Erfahrungen gesammelt und könne auch Ziele benennen; Ziele, „die zwar ambitioniert, aber durchaus realistisch sind“: beispielsweise das kulturtouristische Ziel Nummer eins in der Region zu werden, auf der kulturellen Landkarte verankert zu sein, wie Bregenz und Augsburg oder auch „die“ Römerstadt im Süden zu werden.

Als konkrete Beispiele führte er unter anderem die Kunsthalle an, die man „in den letzten Jahren etwas verloren“ habe, inzwischen aber ein Ziel verfolge: „dass dort eine gewisse Qualität erwartbar ist.“ Auch mit dem Römerfest wolle man sich weiter entwickeln, weg vom Lob „Respekt, das haben wir Euch gar nicht zugetraut“ hin zu „Respekt, so kennen wir das“. Und auch die Erasmuskapelle sei ein Magnet und neue Projekte wie die Kunstnacht – bei der letzten seien rund 8000 Besucher gezählt worden – oder die anspruchsvolle Reihe „Gespräche zur Zeit“ kämen gut an, seien aber noch ausbaufähig. Einen „Dauerbrenner“ nannte er die Residenz, „ein tolles Produkt“, bei dem man „am Marketing noch arbeiten“ könne.

„Kultur braucht Marketing“, betonte Fink und nannte Maßnahmen wie „Audience Development“, das darauf ziele, Publikum zu gewinnen und zu halten. Museumsleiterin Dr. Christine Müller-Horn habe zudem 150.000 Euro an Zuschüssen eingeworben, um Kemptener befragen zu können, wie sie ihr neues Stadtmuseum im Zumsteinhaus haben möchten. Für die Fortentwicklung der Marke Museen sah er vor allem den APC „als Zugpferd“ mit dem „größten Potential“. Als zweiten „Pol“ sah er das Zumsteinhaus, in dem auch für den APC geworben werden soll. Als wichtige Bausteine für eine attraktive Präsentation nannte er „Rekonstruktionen und experimentelle Archäologie“, die verstärkt zum Einsatz kommen sollen.

Ebenfalls wichtig: „eine Infrastruktur für überregional wirksame Sonderausstellungen.“ Dass das Not tut, wurde daran deutlich, dass für die aktuelle Zeus-Ausstellung im Marstall zum Beispiel „die ganze Beleuchtung irgendwo zusammengeliehen werden musste“. Auch die Innenstadt will Fink künftig für das Thema Römer nutzen.

Insgesamt seien mit Angeboten wie Kempten Classix, dem Jazzfrühling oder dem Tanzherbst auch von kulturell engagierten Vereinen überregional wirkende „Leuchtturmprojekte“ geboten, und auch Kunstausstellungen, die Kunstnacht und vieles mehr würden bereits Menschen von Außerhalb anziehen.Was die personelle Situation betreffe, „arbeiten wir sehr anders als andere Bereiche der Stadtverwaltung“ – statt „linear“ nämlich „projektbezogen“, wobei „personelle Ressourcen“ gebunden würden, die „außen nicht sichtbar sind“.

Die Aufgabenverteilung zwischen Kulturamt, das die kulturellen Projekte unter Einbeziehung des Marketing erstelle, und Tourismus, das die kulturellen Projekte ins Marketing einbeziehe, bezeichnete er als „sinnvoll geregelt“ und das, so versicherte er, „wird auch in Zukunft bleiben wie bisher“.

Thomas Hartmann (Grüne) nutzte die Thematik, um das Beginenhaus ins Spiel zu bringen, „an dem wir seit 25 Jahren herumtun“, und erinnerte an das einst zähe Ringen um die heutige Erasmuskapelle. Da es inzwischen ja auch ein „brauchbares Konzept“ dafür gebe, appellierte er „jetzt aktiv“ zu werden, denn „es könnte ein brillanter Baustein in der Museumslandschaft werden“. Das bestritt OB Thomas Kiechle nicht, betonte aber, dass es „eine finanzielle Herausforderung“ sei, man das Projekt aber im Auge behalten werde. Lothar Köster (SPD) zeigte sich beeindruckt unter anderem davon, was das Kulturamt an Aufgaben bewältige „bei den Bedingungen“, womit er auf das geliehene Equipment für Ausstellungen oder auch die knappe personelle Besetzung anspielte.

Alexander Hold (FW) erinnerte daran, dass man für das Zumsteinhaus rund sechs Millionen Euro in die Hand nehme und auch „personell Maßnahmen ergriffen“ habe, mahnte aber auch, „dass wir in absehbarer Zeit intensiv an einem Gesamtkonzept arbeiten müssen“.

Christine Tröger

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