Bunte Wildscheuchen gegen den Mähtod von jungen Rehen

Aktion "Kids for Kitz!"

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Gemeinsam mit einigen Kindern brachten Paula Wölfle, Monika Mayer, Dr. Claudia Gangl und Anita Kößler (v.l.) ein paar der Wildscheuchen aufs Feld. Diese bestehen aus großen Papiersäcken, die mit Luftballons, Windrädern, Fähnchen, CDs, Blechdosen u.v.m. ausstaffiert wurden.

Krugzell – Wenn die Rehgeißen im Frühjahr ihre je ein bis zwei Jungen bekommen, verlegen sie deren Kinderstube gern ins hohe Gras. Weil sie in den ersten Lebenswochen keinen Eigengeruch verströmen und sich zusätzlich dicht an den Boden ducken, sind die Kitze hier nahezu unauffindbar. Damit sind sie zwar vor Fressfeinden gut geschützt, nicht aber vor Mähmaschinen: Zahlreiche Kitze werden Jahr für Jahr in den Feldern vermäht.

Manche Landwirte laufen vor der Mahd selbst ihre Felder ab oder bitten Jäger mit ihren Hunden, dies zu tun. Aber selbst dann sind die Tierchen nicht immer zu finden. Zudem ist diese Methode angesichts der großen Flächen, die bei Schönwetter schnell gemäht werden müssen, kaum praktikabel. Auch durch genaues Beobachten während der Mäharbeiten ist es aufgrund der hohen Maschinen meist nicht möglich, die Kitze rechtzeitig zu erkennen. Zwar gibt es auch sogenannte „Wildretter“ für Traktoren, diese können aber beispielsweise bei Schmetterlingsmähwerken nicht angebracht werden.

„Sowohl Landwirte als auch Jäger haben ein Interesse daran, den Mähtod zu verhindern“, betont BBV Kreisbäuerin Monika Mayer. Denn neben dem Tierleid geht von den getöteten Kitzen auch eine Gefahr für die Viehbestände aus. „Wenn Tierkadaver wie etwa Junghasen, Jungfüchse und Rehkitze ins Futter gelangen und im Silo oder Heuballen luftdicht abgeschlossen gelagert werden, vermehren sich darin Botulinumtoxine – diese gehören zu den stärksten Nervengiften, die es gibt“, erklärt Dr. Claudia Gangl vom Bayerischen Jagdverband. „Davon kann ein ganzer Viehbestand zu Tode kommen.“

Um dem allen entgegenzuwirken, hat Monika Mayer gemeinsam mit der Jagdpächterin Paula Wölfle die Aktion „Kids for Kitz“ nach Altusried gebracht. Das Prinzip ist denkbar einfach und im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht umzusetzen. Zusammen mit den Ministranten aus Krugzell (Gemeinde Altusried), einigen Zweitklässlern der örtlichen Grundschule sowie der „Füchschen-Gruppe“ des Kindergartens St. Michael bastelten Paula Wölfle, Petra Ehrenhöfer (Elternbeirat), Monika Mayer und einige Landfrauen 40 bunte Wildscheuchen. Diese wurden an Landwirte im Ortsgebiet verteilt und sollen ein bis zwei Tage vor der geplanten Mahd aufgestellt werden. Dies veranlasst die Rehgeiß ihre Kitze aus der vermeintlichen Gefahrenzone herauszuführen und so in Sicherheit zu bringen. „Die Scheuchen sind perfekt, weil sie leicht und schnell herzustellen sind“, so Wölfle und Mayer. „Es wäre schön, wenn die Aktion Schule macht.“

Sabine Stodal

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