Kinder- und Jugendführungen locken Kemptener Schüler an

Wer knackt den Geheimcode?

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Das Stadtmodell am Residenzplatz liefert einen anschaulichen Überblick über das damalige Kempten.

Kempten – Kemptens Stadtgeschichte schien in den letzten Tagen vor den großen Ferien bei Schulklassen hoch im Kurs zu stehen. Zumindest zogen sie scharenweise unter fachkundiger Führung durch die Innenstadt. So auch die Klasse 6c der Maria Ward Schule, die sich mit ihrer Klassenlehrerin Andrea Mayr für ihren Wandertag das noch recht junge Angebot, die „Geheimcode-Führung“ für Jugendliche zwischen elf und 15 herausgepickt hatte.

Den ersten, ziemlich kniffligen „Geheimcode“ galt es gleich beim Start auf dem St. Mang-Platz zu lösen. Ein Buchstabenrätsel, hinter dem sich die Geschichte der Erasmuskapelle verbarg – die erste richtige Station der eineinhalbstündigen Führung.

Nach dem Film nahmen die Schülerinnen zusammen mit Stadtführerin Barbara Davidson den Schaukasten unter die Lupe: „Was ist der Unterschied zwischen vorchristlich und christlich?“, wollte Davidson wissen. Zahlreiche Finger schnellten hoch. Davidson ging es dabei um den vorchristlichen Glauben an ein Leben nach dem Tod, weshalb Krieger ihre Waffen mit ins Grab bekommen hätten, in christlicher Zeit nicht. Warum aber dann der Fund einer Schmuckbeigabe im Grab einer christlichen Frau? „Vielleicht weil sie sowas wie eine Heldin war, die etwas tolles gemacht hat?“, vermutete eine Schülerin. Dafür, so Davidson, sei die Grabbeigabe „nicht toll genug“. Gesichert wisse man den Grund auch nicht, aber Kempten sei mehrfach von der Pest heimgesucht worden, weshalb die „Archäologen vermuten“, dass man die Frau „nicht mehr anfassen wollte“. So klein die Fundstücke hinter Glas auch waren, es gab eine Menge dazu zu erfahren.

Und „was wisst ihr über Kempten?“, fragte Davidson bevor es weiter in die St. Mang-Kirche ging. „Es ist die älteste Stadt Deutschlands“, kam es wie aus der Pistole geschossen – oft behauptet, aber wie Davidson aufklärte, beanspruche Kempten das, „wie insgesamt 13 andere Städte auch“, was mit den Römerstadtgründungen zusammenhänge. Kempten könne allerdings bis in die Zeit der Kelten zurückverfolgt werden, zwar nicht mit Funden, aber durch eine schriftliche Erwähnung bei Strabo. Abgesehen davon schärfte sie den Mädchen ein: „8. Jahrhundert, Klostergründung, Hildegard – das sind die Sachen, die man über Kempten wissen muss“, womit der historische Streifzug auch schon beim Problem Stiftsstadt –„das war nicht demokratisch“ und Reichsstadt – da seien die Bewohner „geschlossen protestantisch geworden“, damit der Fürstabt ihnen nichts mehr zu sagen hatte – angekommen war. Auch bei den Häuserfassaden waren es die vielen Details, anhand derer Davidson den Mädchen die Epochen, ihre „Moden“ und Gepflogenheiten nahe brachte.

Über den Rathausplatz und durch die Gerberstraße ging es weiter zum Hildegardplatz und zum Abschluss in die Lorenzbasilika, in der die vielen Bilder biblische Inhalte zeigten, „weil die Leute damals nicht lesen konnten“. Das dazugehörige Kloster sei von einer Frau namens Hildegard gegründet worden, die 13-jährig die dritte Frau Karls des Großen geworden und mit 26 Jahren bei der Geburt ihres neunten Kindes gestorben sei, klärte Davidson über die für die Stiftsstadt bedeutende Gönnerin auf. Mit manchem Wissen konnten die Schülerinnen der 6c auf der geschichtlichen Tour schon glänzen, viel Neues dürfte hinzugekommen sein. Denn dass die Schülerinnen weitgehend bei der Sache waren, zeigte die rege Beteiligung an den Fragen, mit denen Davidson während ihrer kompakt-informativen Führung in lockerem Ton immer wieder zur Interaktion aufforderte.

Christine Tröger

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