Ein Ort zum Trauern

Besonderes Grabfeld

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Auf dem Zentralfriedhof wird am Sonntag das zehnjährige Bestehen des Kindergrabfeldes gefeiert.

Kempten – „Du fehlst mir“, steht auf dem kleinen weißen Herz. Auf einem anderen  heißt es: „Wir hätten Dich gern in Händen gehalten.“ Viele handgroße Findlinge liegen im Halbkreis auf der Wiese, gesäumt von bunten Herbstblumen und roten Grablichtern. 

In der Mitte des Halbkreises ruht ein großer Findling, auf dem spiralförmig ein Satz von Joseph Freiherr von Eichendorff eingraviert ist: „Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus.“ Das Kindergrabfeld auf dem Zentralfriedhof in Kempten wurde vor zehn Jahren für früh- und fehlgeborene Kinder eingerichtet.

Sonja (Name geändert), zweifache Mutter und erfolgreich im Beruf, verlor ihr drittes Kind in der zehnten Schwangerschaftswoche. „Sie hat unendlich getrauert“, erinnert sich Professor Ricardo Felberbaum, Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum Kempten. „Mutter und Vater ist man nicht nur mit lebenden Kindern“, sagt Klinikseelsorgerin Irmgard Mingers. Wobei die Betroffenen ganz unterschiedlich auf den frühen Tod eines Kindes reagieren. Manche Mütter und Väter möchten nicht an das Unglück erinnert werden, für andere ist damit das Ende des Kinderwunsches gekommen.

Viele Eltern sind geschockt, wissen nicht, wie sie es der Familie, den Geschwisterkindern sagen sollen. „Da ist eine große Hilflosigkeit“, so Mingers. Andererseits entwickeln sie auch ein Gefühl der Fürsorge, wollen ihr Kind geborgen wissen, sie wollen sicher sein, dass ihr Kind „nicht in den Weiten des Himmels verloren geht“. „Trauer braucht einen Ort der Erinnerung“, sagt Gabriele Keßler vom „Bunten Kreis Allgäu“.

Drei Feiern im Jahr

Deshalb wurde vor zehn Jahren am Tag der verstorbenen Kinder auf Initiative des „Bunten Kreis Allgäu“, der Klinikseelsorgerinnen und betroffener Eltern auf dem Zentralfriedhof ein Kindergrabfeld eingeweiht.

Dort werden seither drei Mal im Jahr die frühverstorbenen Kinder aus Kempten und dem Umland in einem kleinen Sarg, den ein Kemptener Schreiner kostenlos fertigt, in einer gemeinschaftlichen überkonfessionellen Feier zur Ruhe gebettet. „Es ist eine sehr stille Veranstaltung“, erklärt Seelsorgerin Mingers. Nach der Feier in der Aussegnungshalle machen sich die Angehörigen auf den Weg zur Grabstelle. Für Eltern entstehen keine Kosten. Der Träger des Grabfeldes ist der „Bunte Kreis Allgäu“, die laufenden Kosten werden über Spenden, von der Stadtverwaltung und dem Klinikum finanziert. „Das Klinikum ist sich der Verantwortung bewusst und möchte die Betroffenen in dieser schwierigen Situation nicht allein lassen“, sagt Professor Felberbaum.

Zuschuss möglich

Selbstverständlich könnten die Eltern auch eine Einzelbestattung in einer eigenen Grabstätte oder einem Familiengrab wählen, betont Gabriele Keßler. Wenn die Eltern finanziell eingeschränkt seien, bestehe die Möglichkeit, über den Sozialfonds des „Bunten Kreis Allgäu“ einen Zuschuss zu gewähren.

Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens findet am kommenden Sonntag, 9. Dezember, um 15 Uhr in der Aussegnungshalle auf dem Zentralfriedhof in Kempten eine Erinnerungsfeier statt. Anschließend ist ein gemeinsamer Gang an das Kindergrabfeld vorgesehen. 

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