Klares "Ja" zur Tiefgarage

Als Sprecher des Aktionsbündnisses legte sich der ehemalige CSU-Stadtrat Heinz Grünwald für den Bau der Tiefgarage ins Zeug.

Hatten sich die Gegner bereits eine Woche zuvor formiert, zog vorvergangenen Montag das Aktionsbündnis „Pro Tiefgarage“ nach. Mit einer Werbeveranstaltung für die Tiefgarage unter dem Hildegardplatz und für eine rege Teilnahme am Bürgerentscheid am 10. April wurden zum Auftakt rund 90 Interessierte im Stiftskeller der Gaststätte „Zum Stift“ auf das anvisierte Ziel eingestimmt. Bei Vereinen und mit Ständen in der Fußgängerzone will das Bündnis „Pro Tiefgarage“ nun aktiv für seine Sache werben.

Mit dem ehemaligen Bäcker-Innungs-Obermeister und einstigem CSU-Stadtrat Heinz Grünwald als Bündnis-Sprecher, haben die Stadtratsfraktionen der CSU und der Freien Wähler (FW) damit den zwar mit Fakten unterlegten, dabei aber recht emotional eröffneten „Wahlkampf“ endgültig ins Rollen gebracht. Nicht als Bürgermeisterin, sondern als Kemptenerin, wie Sybille Knott (FW) betonte, mache sie sich für die Tiefgarage stark. „Nur wenn ausreichend Parkplätze erhalten werden“, könne eine Entwicklung des nördlichen Innenstadtbereiches sicher gestellt werden. Ferner wies sie, wie einige andere auch, darauf hin, dass „die Umgestaltung des Hildegardplatzes beschlossene Sache ist“ (siehe Grafik). Eine Tatsache, die ihres Erachtens viele Kemptener Bürger noch nicht realisiert hätten. Die Investition für die Tiefgarage in Höhe von 4,4 Millionen Euro sei zwar „ein Mordsbatzen“, bekräftigte Grünwald. „Aber“, bezog er sich auf die 2,8 Millionen Euro Stellplatzrücklage, „jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo wir diesen Spartopf aufmachen müssen“. Die verbleibenden 1,6 Millionen Euro seien für eine Stadt wie Kempten „leicht zu stemmen“. Baureferentin Monika Beltinger stellte die beiden zur Diskussion stehenden Varianten ein weiteres Mal vor. Sie zeigte sich „froh“ über die vom Stadtrat bereits beschlossene Neugestaltung, da das „Herzstück“ der Stadt derzeit den Autos überlassen werde. Die Frage des Bürgerentscheids kläre lediglich, ob „es künftig 182 Parkplätze sein sollen oder nur 88“, meinte sie. Mit einer „komfortablen Einparkbreite von 2,50 Metern, einer großzügigen Deckenhöhe von 2,65 Metern, die innen eine helle, freundliche Gestaltung ermögliche, oder einer „ganz flachen Rampe“ als Einfahrt warb sie für die Qualität der Tiefgaragenplanung. Der zeitliche Unterschied mit oder ohne Tiefgarage – bei beiden Varianten müsse der Wochenmarkt nur für die Sommersaison 2014 weichen - sei im Bauablauf „nicht so groß“, erklärte Beltinger. Keine Verzögerung „Welche Idiotie, wenn die Geschäftstreibenden am Platz keine Tiefgarage wollen“, machte sich Georg Hieble über die schon jetzt unzureichenden Parkmöglichkeiten gerade bei Veranstaltungen Luft. Wie Stadtrat Herbert Karg (FW) anmerkte, seien 2010 im Kornhaus „bei 191 Veranstaltungen insgesamt 46 000 Besucher gezählt worden“ und die Veranstalter würden alle im Vorfeld nach nahe gelegenen Parkplätzen fragen. Keine rosige Zukunft für die Veranstaltungshäuser und Ladeninhaber in der nördlichen Innenstadt prognostizierten auch die Stadträte Alexander Hold (FW), Harald Platz (CSU) und Josef Mayr (CSU), sollte gegen die Tiefgarage entschieden werden. Bedenken wegen einer Bauzeitverlängerung durch archäologische Grabungen räumte Beltinger aus, da schon früher vorgenommene „Erkundungen“ hinsichtlich möglicher „Überraschungen“ noch intensiviert würden. „Garantie gibt es keine“, hielt sie sich allerdings eine Tür offen. Angst um die Zukunft Die Sorge um mögliche Häuserschäden durch Erschütterungen während des Tiefgaragenbaus konnte Statiker Prof. Dr. Karl Schütz aufgrund „positiver Erfahrungen“ mit der „sehr schonenden Bohrpfahlbauweise“ entkräften. Alle Maßnahmen seien auf ein „Restrisiko minimiert“, wollte aber auch er „keine Garantie“ geben. Warum gerade die Geschäftsleute die Tiefgarage überwiegend ablehnen, verdeutlichte Ramona Lerpscher von der Gaststätte „Zum Stift“. Denn auch sie stelle sich die Frage, wie ein Jahr Bauzeit überstanden werden könne. Wagemutig äußerte sie Punkte, die ihr für das „Stift“ missfielen, wie Beeinträchtigungen des Biergartens durch Abgase bei Stau in der Einfahrt, Lärm oder Schattenwurf durch das 2,75 Meter hohe Stahlgerüst. Als Alternative zu den überdachten Zugängen versprach Beltinger die Möglichkeit „beheizter Treppen“ zu prüfen. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) rief abschließend „wirklich alle Bürgerinnen und Bürger“ dazu auf, „die Chance jetzt auch zu ergreifen“ und sich am Bürgerentscheid zu beteiligen.

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