Klasse Fahrt

Mit dem Heißluftballon ins Unbekannte und zu Fuß wieder zurück – das ist die Idee hinter dem so genannten „Ballontrekking“. Im Rahmen der Allgäuer Wandertage, die der Heimatbund ausrichtet, feiert diese neue Art des Wanderns Premiere. Der KREISBOTE durfte sie schon einmal vorab ausprobieren.

„Es geht nur nach oben oder nach unten, die Richtung bestimmt der Wind“, erklärt Thomas Köck. Der 28-Jährige verdient seit 2001 sein Geld mit Ballonfahren. Sanft lässt er den Ballon vom Ufer des Großen Alpsees bei Immenstadt in die Luft steigen, der Wind treibt das Gefährt in Richtung Wasser. Die insgesamt fünf Ballons, die an diesem Morgen starten, sind per Funk miteinander verbunden und größtenteils mit Höhenmesser und GPS ausgestattet. „Eigentlich nicht nötig, aber es beruhigt“, meint Köck. „Schatzi, Bussi!“, ruft er seinem Kollegen zu, dessen Ballon im wahrsten Sinne des Wortes auf Tuchfühlung kommt. „Es macht gar nix, wenn die sich ein bisschen berühren“, erklärt der Pilot, der kurz vor seiner 600. Fahrt steht. Locker in den Knien bleiben bei der Landung, mit beiden Händen festhalten. Der Korb setzt auf, wackelt, und kippt schließlich, Passagier liegt auf Passagier. „Na, wenn das keine perfekte Landung war“, frohlockt Köck. Eine Garantie, dass man den Ausflug stehend beendet, gibt es beim Ballonfahren nicht. „Gut Land“, sagt man sich hinterher und gibt sich die Hand, eine Dreiviertelstunde hat der Flug gedauert, einmal längs über den Alpsee und ein bisschen darüber hinaus. Generell sind mit einem Ballon aber auch Alpenüberquerungen möglich. Mit zwölf Propangasflaschen an Bord und kräftigem Nordwind schafft Köck es mit seinem Ballon bis über den Gardasee. „Das habe ich schon 20 Mal gemacht“, schmunzelt er Wohin und wie lange man fliegt, das können sich die Teilnehmer des Ballontrekkings aussuchen, erklärt der Vorsitzende des Heimatbundes, Karl Stiefenhofer. „Da sind wir ganz flexibel.“ Wer es abenteuerlich mag, der kann sich entsprechend weit vom Ausgangspunkt entfernt absetzen lassen und per Karte und Kompass den Weg zurück suchen. Alle helfen mit An diesem Tag war es eine leichte Tour zum Eingewöhnen, der Landeplatz ist eine Wiese nahe Thalkirchdorf. Kurz nachdem alle aus dem Korb gekrochen sind, trifft auch der Verfolger ein. Damit ein Ballon wieder nach Hause kommt, fährt immer ein Partner mit dem Pkw und Anhänger hinterher. Beim Verräumen packen alle mit an. Erst wird das Tuch zu einer länglichen Form zusammen gelegt, dann presst Köck die Luft raus. Schritt für Schritt hebt er den Ballon an, die Mitfahrer ziehen den großen Sack, in dem er verstaut wird, drunter. Der Pilot hat es ein wenig eilig, denn der Bauer hat die Wiese, auf der das Gefährt niederging, offenbar mit Gülle gut gedüngt. Traditionelle Taufe Ein kurzer Anruf mit dem Handy und die fünf Ballonteams finden schnell zueinander. So richtig blass ist kaum einer um die Nase. Solange man im Korb nicht hin und her geht, hängt er bewegungslos in der Luft. Übelkeit oder Höhenangst kommen so kaum auf. Hauptaugenmerk liegt nach der Landung auf der Taufe derer, die zum ersten Mal gefahren sind. In Anlehnung an das Feuer, das ihn nach oben gebracht hat, sengt der Pilot – eher symbolisch – die Haare des Täuflings an und löscht den Brand mit Sekt. Und weil das Ballonfahren bei seiner Erfindung 1783 in Paris dem Adel vorbehalten war, wird der Debütant kurzerhand ebenfalls in den Adelsstand erhoben. wichtigste Lektion für die frisch Geadelten: Ballon fährt man, Ballon fliegt man nicht. Weitere Infos gibt es unter www.allgaeuer-wandertag.de.

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