Klassenkampf im Altersheim

Mit Plakaten und Transparenten machen die Mitarbeiter des Stifts ihrem Unmut Luft. Foto: Matz

Der Ton zwischen der Gewerkschaft ver.di auf der einen sowie dem Kuratorium des Margarethen- und Josephinenstifts auf der anderen Seite ist in der vergangenen Woche rauer geworden. Hintergrund ist ein „Schweigemarsch“ der Beschäftigten am vergangenen Dienstag, mit der die Mitarbeiter ihre Sorge um die Übergabe es Heims an die Sonthofener Allgäu Pflege GmbH (der KREISBOTE berichtete) ausdrücken wollten. Die Verantwortlichen des Kuratoriums und der Allgäu Pflege GmbH reagierten darauf mit Unverständnis. „Ich habe mir die Frage gestellt, ob bei ver.di jemand sitzt, der vom Klassenkampf im Altersheim träumt“, so Kuratoriumsmitglied Josef Leonhard Schmid gegenüber dem KREISBOTEN. Sollten die Sonthofener voraussichtlich zum 1. Januar die Leitung des Kemptener Stifts übernehmen, werde sich für die Mitarbeiter dadurch nichts ändern, betonte er.

Seitdem Ende April bekannt wurde, dass der Margarethen- und Josephinenstift zum Jahreswechsel aus organisatorischen und personellen Gründen komplett an die Allgäu Pflege GmbH übergeben werden soll, herrscht Unruhe bei der Belegschaft. „Wir haben Angst um unsere Bewohner und unsere Existenz“ oder „Sind Sklaven Gottes Wille?“ prangte auf Plakaten, die rund 30 der etwa 100 Stiftmitarbeiterinnen am Dienstag vergangener Woche bei einem Schweigemarsch durch die nördliche Innenstadt vor sich her trugen. "Erster Warnschuss" Als einen „ersten Warnschuss“ bezeichnete Jutta Aumüller von ver.di die Aktion. Auslöser sei gewesen, dass das Kuratorium zuvor eine Beteiligung der Gewerkschaft bei den Übergabeverhandlungen mit der Allgäu Pflege GmbH abgelehnt habe, so Aumüller. „Eine klare Kampfansage“, sagte sie. Vor dem Hintergrund des steigenden Kostendrucks im Gesundheits- und Pflegewesen befürchten ver.di und die Beschäftigten im Stift durch die Übergabe an die Allgäu Pflege eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und niedrigere Gehälter. Vor allem ihre im TVöD (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst) geregelte Zusatzversorgung wie beispielsweise die Altersvorsorge wollen die Mitarbeiter in Zukunft auch unter der Allgäu Pflege GmbH behalten. „Die Einkommen bei euch sind nicht so hoch, dass man auf etwas verzichten könnte“, mahnte Aumüller am vergangenen Dienstag. Daher fordert sie entweder einen Personalüberleitungstarifvertrag oder einen Nachtrag zum bestehenden Arbeitsvertrag, dass sich am status quo des Mitarbeiters künftig nichts ändere. "Angstparolen" Stadtrat Josef Leonhard Schmid (CSU) vom Kuratorium des Stifts reagierte mit Unverständnis auf die Vorwürfe der Gewerkschaft. Es sei für ihn nur schwer nachvollziehbar, „dass auf Initiative der Gewerkschaft in der Öffentlichkeit Angstparolen verbreitet werden, die weder dem Haus noch den dort beschäftigten Arbeitnehmern nützen“, meinte er. Mehrmals verwies Schmid am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung auf die schriftliche Zusicherung des Kuratoriumsvorsitzenden, Prälat Dr. Albert Lupp, dass die Mitarbeiter über den 31. Dezember zu den gleichen Konditionen wie bisher weiterarbeiten werden (der KREISBOTE berichtete). Ulrich Gräf, Geschäftsführer der Allgäu Pflege GmbH, bestätigte auf Anfrage ebenfalls, dass sich an den Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter nichts ändern werde. „Was der Prälat gesagt hat, das gilt“, betonte Gräf. „Wir werden mit Fug und Recht handeln – die Mitarbeiter haben also nichts zu befürchten“, so der Geschäftsführer weiter. Schließlich seien Betriebsübergaben wie die geplante gesetzlich geregelt. „Ich habe den Eindruck, dass die Interessen der Arbeitnehmer beim Betriebsrat und der Vorsitzenden Anita Uhl gut aufgehoben sind“, bestätigte Kuratoriumsmitglied Schmid zwar, dass das Gremium eine Beteiligung ver.dis an den Verhandlungen tatsächlich abgelehnt habe. Trotzdem signalisierte er am Freitag gegenüber Jutta Aumüller Gesprächsbereitschaft. Aumüller wiederum will nach eigenen Angaben erneut ein Verhandlungsangebot an das Kuratorium aufgesetzt – diesmal mit Fristsetzung. Ziel des Kuratoriums ist es laut Schmid, weiterhin die notwendige Qualität der Pflege zu sichern. In diesem Zusammenhang verwies Schmid auf die überdurchschnittliche Personalstärke des Heims. „Vor allem im Bereich der Betreuung sind mehr Kräfte vorhanden als gesetzlich vorgegeben“, betonte der Rechtsanwalt. Dass führe zwar jährlich zu einem erheblichen Defizit, das die Stiftung ausgleichen müsse. „Aber im Interesse der Pflege hat die Stiftung einen besseren Personalschlüssel akzeptiert, als die Landespflegekommission für das Haus in Kempten vorgibt“, so Schmid.

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