Mal klassisch, mal abgedreht

Augenringe dürften gegen Ende des Festivals das markanteste Merkmal der unermüdlichen Helfer des Klecks Arbeitskreises gewesen sein. Neun Tage lang pralles Programm zum 25. Jubiläum des Kemptener Jazzfrühlings hat ihnen Einiges abverlangt. Der guten Stimmung im Team konnte der Kraftakt dennoch nichts anhaben.

So zeigte sich Klecks-Vorsitzender Hans-Jürg Hensler bei der abschließenden Feier auch begeistert über das selbständige Arbeiten und Problemlösen des Teams. In über hundert Konzerten gaben sich internationale, nationale sowie regionale Musiker ein Stelldichein und hinterließen überwiegend ein entbranntes Publikum. Erstaunlich hoch war die Bereitschaft der Zuhörer, sich auch auf Neues, Unbekanntes einzulassen, was nicht immer frei war von Polarisierung. In nachhaltiger Erinnerung wird sicher Vielen der skurril-witzige Auftritt der Schweizerin Erika Stucky und den „Roots of Communication“ bleiben, die mit Alp- und Muschelhörnern, Schneeschaufel und manch anderem eigenwilligen Instrumentarium eine ziemlich abgefahrene Show hinlegten. Im Gegensatz dazu fast konventionell aber dennoch in meisterlicher Perfektion einer der ganz großen Jazz-Gitarristen weltweit: Al di Meola, bereits zum zweiten Mal zu Gast beim Jazz Frühling, bescherte diesem ein ausverkauftes Kornhaus. Zusammen mit dem Perkussionisten Gumbi Ortiz, Peter Kaszas am Schlagzeug, Victor Miranda am Bass, Peo Alfonsi mit klassischer Gitarre und Fausto Beccalossi am Akkordeon, standen hier gleich sechs exzellente Musiker auf der Bühne, was das Publikum mit „standing Ovations“ quittierte. Ebenfalls heiß begehrt waren Tickets für Richard Gallianos Akkordeonspiel, mit dem er virtuos Tangos nuevos, Valses musettes und Accodian-Jazz seine unverwechselbare Note aufdrückte. Bei der Swing-Gala kamen auch Freunde dieses Genres voll auf ihre Kosten. Das „Stephan Holstein Quintett“ mit Wolfgang Schlüter am Vibraphon widmete sich einfühlsam der Musik von Benny Goodmann, bevor die „Three Tenors of Swing“ das Publikum mit ihren Saxophonen verzückte. Etwas experimenteller ging es im Theater Oben zur Sache. Dort beeindruckte das sehr feine, einfühlsame Soloprogramm des Kontrabassisten Dieter Ilg. Oder das jugendliche, dabei musikalisch hervorragende Quartett „Flaura & Phona“, das seine Eigenkompositionen unter anderem aus der Kirchenmusik speist. Geteilte Lager unter den Zuhörern gab es nach der Welt-Uraufführung „Third Dream“ von Mathias Rüegg des Vienna Art Orchestras, die, wie berichtet, bühnentechnisch bedingt vom Kornhaus ins Stadttheater verlegt werden musste. Die Kombination aus klassischer Musik und Jazz ist per se zwar nicht neu. Aber das dichte Klangewebe, das die auch solistisch brillanten Musiker der Big Band mit integriertem Kammerorchester wie einen schwebenden Teppich in den Raum legten, hatte etwas geradezu phantastisches. Und noch einen Höhepunkt gab es unter den vielen hörenswerten Konzerten, die im Jugendhaus, Haus International, im „Stift“, im AÜW und zahlreichen weiteren Orten geboten waren: Der „Big Band Battle“ am Freitag, der bei strahlendem Wetter unzählige Zuhörer in die Innenstadt lockte. Sehr gute Auslastung Am Ende konnte Klecks-Vorsitzender Hansjürg Hensler mit einer ausgezeichneten Bilanz aufwarten. Die Partnerveranstaltungen exklusive, seien insgesamt 7236 Tickets verkauft worden. Davon 4200 für die Hauptveranstaltungen, was einer Auslastung von 75 Prozent entspreche, freute er sich. Die Veranstaltungen im Stift hätten bei einem Kartenverkauf von etwas über 70 Prozent „marginal mehr Besucher“ als im Vorjahr angelockt. Auch der „Allgäu Jazz“ habe mit 463 Besuchern eine Steigerung auf 50 Prozent erfahren. Das Theater Oben habe allerdings „etwas geschwächelt“, wie er meinte. „Genagelt voll“ sei es dagegen beim Konzert im Haus des Malers Kilian Lipp gewesen. Ein positives Ergebnis hatte er auch für die Musikerfrühstücke mit insgesamt über 670 Besuchern und die von rund 660 Menschen besuchten vier Sessions. Wie viele Besucher bei den Open-Air-Veranstaltungen wie die zur Eröffnung oder am Maifeiertag gewesen seien, „ist nicht zählbar“, schloss er sein erstes Resümee. Dickes Lob gab es vom eifrigen Besucher der Festivalkonzerte, OB Dr. Ulrich Netzer, für die seit nunmehr 25 Jahren geleistete tolle Arbeit des AK und seines „super Präsidenten“.

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