Gestaltungsbeirat "hätte anders beraten" und bedauert Beschluss

Klatsche für Tiefgarage

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Ein Visionär (?), der bereits im Oktober dieses Jahres Plakate an einigen der nun gefährdeten Bäume anbrachte, um sich für ihren Erhalt einzusetzen.

Kempten – Eine deutliche „Watschn“ hat der aus externen Fachleuten besetzte Gestaltungsbeirat den Plänen für die neue und erweiterte Tiefgarage der Sparkasse unter dem Stadtpark erteilt und „bedauert“, dass diese schon ein gefasster Beschluss sei, wie Beiratsmitglied und Landschaftsarchitektin Katja Aufermann auch im Namen ihrer Kollegen in der öffentlichen Sitzung vergangene Woche betonte.

„Wir hätten anders beraten“, da damit unter anderem die eine klare Kante markierende Baumreihe aufgegeben werde. Wie berichtet, sollen zwei der Bäume – ein 30 Jahre alter und ein kranker ungenannten Alters – in der Reihe am Friedensplatz für die Tiefgarage gefällt werden. Im Grunde müsse man dann den Mut haben, „die ganze Reihe aufzugeben“ inklusive dem „schönsten Baum“ und eine neue, einheitliche Reihe nachpflanzen. Sie stellte aber auch klar, dass die Bedingungen für eine Bepflanzung auf der Tiefgarage anders seien und eine neue Baumbepflanzung „nie wieder so wird“. Überrascht seien die Beiräte auch gewesen, was auf dem Stadtparkgelände alles stattfinde; vor allem die Festwoche noch dazu in einer Zeit, in der der Stadtpark eigentlich am besten öffentlich genutzt werden könne. Klar sei aber auch, dass es daran nichts zu rütteln gebe. Aber über eine „kleine Konturverschiebung“ der Tiefgarage nachzudenken, gab sie der Verwaltung als Anregung mit, um dadurch einen „sauberen Abschluss zum Garten“ auf der Zumsteinwiese zu bekommen und vielleicht ja auch die Baumreihe erhalten zu können.

Als Grundlage des Gestaltungswettbewerbs für den Stadtpark sieht der Beirat ein „langfristiges“ Parkpflegekonzept (laut Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann liegt eine Bewertung der Bäume bereits vor), denn manche der 120 Jahre alten Bäume seien einfach in absehbarer Zeit auch „am Ende ihres Lebens“ angekommen. So müssten im Lauf der nächsten 20 bis 30 Jahre viele der Bäume gefällt werden, auch wegen der unter anderem starken Belastung des Wurzelwerks durch Befahrung zur Festwochen-Zeit, und eine „sukzessive Nachpflanzung“ konzipiert werden. Die düsteren „Angststrecken“ könnten Aufermanns Erachten nach durch Auslichten des Unterholzes soweit aufgelichtet werden, „dass die Bäume bleiben können“. Zunächst aber müsse man die Frage klären, ob der Park als Ort für viel Rummel ausgerichtet werden soll oder als Rückzugsort, was eine Nutzung des Pavillon für Veranstaltungen nicht ausschließe. Als „unglücklich“ bezeichnete ihr Beiratskollege Werner Binotto die Tiefgaragen-Einfahrt, während der Neubau der Sparkasse „sicher Verbesserungen“ schaffe. „Wenn man die Tiefgarage jetzt neu macht, sollte man nicht an der alten Zufahrt festhalten“, meinte er und unterstrich, dass auch Bäume mit einem Alter von „nur“ 30 Jahren unheimlich wichtig seien. Da der Stadtpark auf allen Seiten von Straßen eingefasst ist, sah das Gremium auch keinen Sinn darin, die Straße vor dem Finanzamt aufzulösen.

Arbeit mit lebenden Stoffen

Eigentlich war der Vortrag Aufermanns schon für vergangenen August geplant gewesen. Der Zufall wollte es wohl anders und so konnte die Münchner Landschaftsarchitektin ihre Ausführungen zur Stadtparkgestaltung anhand von Beispielen aus der Praxis noch ein wenig untermauern.

Generell, so Aufermann, habe man es als Landschaftsarchitekt fast immer mit einer (gestalteten) Landschaft zu tun, und so gut wie nie mit Natur, im Unterschied zum Architekt aber mit lebenden Stoffen, vor allem mit Bäumen.

Neben zwei Beispielen aus ihrer Arbeit – ein Projekt mit neu zu pflanzendem Baumbestand und eines mit altem Baumbestand – warf sie auch einen Blick auf verschiedene Plätze in Kempten. Gut fand sie beispielsweise die Gestaltung des Residenzplatzes während sie sich vor dem Forum „sehr einen Baum gewünscht hätte“. Beim Baum am Blumenhügel auf dem Hildegardplatz sei erkennbar, dass er eine wünschenswerte Größe bekomme, sie aber noch nicht habe, während sie die Bäume an der westlichen Häuserfront als „nicht nötig“ erachtete, weil sie später einmal die dort sehenswerte Fassade verdecken würden. Bei Bäumen, „überlegen wir uns gut“, ob wir einen „umlegen“, da sie meist schon mindestens 30 Jahre alt und „nicht so leicht zu ersetzen sind“, erklärte sie den Erhalt als prinzipiell wünschenswert. Nachpflanzungen hätten zudem – wie zuvor gezeigt am Beispiel Hildegardplatz – lange Zeit „keine Proportion“.

Christine Tröger

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