Mit kleinen Schritten zum Erfolg

Das gemeinsame Üben in der Gruppe erhöht oft Motivation und Therapieerfolge. Foto: privat

Von einer Stunde auf die andere war für den 35-jährigen Achim S. aus dem Oberallgäu nichts mehr wie es war: Beim Autowaschen erlitt er eine Hirnblutung. Die Folge: eine inkomplette Lähmung aller Extremitäten, Ernährung über eine Magensonde. Er konnte nicht mehr sprechen, verstand aber, was gesprochen wurde. Das war vor fünf Jahren.

Nach einem mehr als einjährigen Krankenhausaufenthalt und der dann folgenden intensivtherapeutischen Arbeit im Mobilen Dienst Viva der Körperbehinderte Allgäu und mit der Unterstützung seiner Familie erreichte Achim S. bis heute große Fortschritte: Er kann wieder eigenständig Nahrung zu sich nehmen und sich rasieren, der heute 40-Jährige spricht wieder, kann mit Hilfe einige Schritte tun. In Begleitung ist er draußen mit einem Elektro-Rolli unterwegs. „Nicht immer verlaufen Reha-Maßnahmen so erfolgreich, doch in manchen Fällen ist schon das Bewegen des Kopfes, das selbständige Essen oder die Wiedererlangung des Sprachvermögens als großer Erfolg zu werten“, berichten dazu Sonja Richter von der Therapeutischen Tagesstätte Villa Viva, und Karin McEwen, vom Fachdienst für nachklinische Rehabilitation nach Schlaganfällen und anderen Hirnverletzungen in der Villa Viva. Die beiden Abteilungen ergänzen sich, arbeiten mit Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und psychosoziale Rehabilitation. „Unsere Arbeit beginnt nach dem Klinikaufenthalt. Darunter ist die weiterführende Rehabilitation und Integration im häuslichen Umfeld zu verstehen.“ Ganzheitliches Konzept Als Beispiel nannte Sonja Richter den Fall einer alleinerziehenden Mutter, die nach einem Unfall und Klinikaufenthalt zur Nachsorge in die Tagesstätte kam. Ihr half man dabei, die entsprechenden Anträge zu stellen, damit sie künftig wieder mit entsprechender Unterstützung von Sozialpädagogischer Familienhilfe und Assistenz über die Eingliederungshilfe beim Bezirk mit ihrer elfjährigen Tochter zuhause wohnen bleiben kann. Richter: „Diese konzeptionell ganzheitliche ausgerichtete Therapie der Einrichtungen von Villa Viva hat im Zusammenspiel eine wichtige alltagsrelevante Bedeutung.“ Öffentlichkeit informieren Mit der Präsenz auf der ersten Gesundheitsmesse „AllVita“ im Haus Oberallgäu in Sonthofen wollen sich der Mobile Dienst und die Tagesstätte einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. „Bei unserer täglichen Arbeit steht der Mensch mit seinen individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen im Vordergrund.“ Eng verknüpft ist damit auch die Angehörigenarbeit, denn auch sie sind mit dem plötzlichen Krankheitsfall extrem gefordert. „Es ist eine schwierige Situation, wenn das Familienmitglied plötzlich fehlt – und ebenso gewöhnungsbedürftig ist es, wenn das Familienmitglied nach langem Klinikaufenthalt wieder daheim ist – aber eben noch lange nicht komplett gesundet.“ Die Dienste der Villa Viva sind auf der Gesundheitsmesse „AllVita" (Allgäu Vital) in Sonthofen dabei: am Samstag, 18. September um 12.30 Uhr und Sonntag, 19. September, um 16.15 Uhr mit dem Vortrag „Schlaganfall … und das Leben geht weiter“ – Der Weg von der Akutklinik zurück in den Alltag“ sowie am Sonntag, 19. September, von 13.15 bis 14 Uhr mit dem Bewegungsforum „Mit Handicap im Alltag gegen Schwerkraft“. Die neue Sport- und Gesundheitsmesse hat im Haus Oberallgäu Premiere. Der Mobile Dienst und die Tagesstätte sind gedacht für Patienten nach Schlaganfall, Hirnblutung, Gehirntumor, Hypoxischer Schädigung, Schädelhirntrauma. Weitere Infos dazu gibt es auch im Internet unter unter www.koerperbehinderte-allgaeu.de.

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