Knapp daneben ist auch vorbei

Etwas am Thema vorbei geriet die Veranstaltung zu „Lehren aus der Krise für die heimische Wirtschaft“ an der Hochschule vergangene Woche. Die hochkarätige Besetzung an Rednern verlor sich weitgehend in den hinreichend bekannten wie diskutierten Ursachen und Wirkungen der drei Krisenfelder Immobilien, Finanzen und Wirtschaft.

Da in unserer Region „einige sehr exportabhängig sind“, sei vor allem die Krise in der Realwirtschaft spürbar, bemerkte Prof. Dr. Robert F. Schmidt, Präsident der Hochschule eingangs. Mit Schwierigkeiten rechne er, sollte in der nun auch ganze Länder erfassenden Krise der Fall Griechenland nicht allein bleiben. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hingegen plädierte dafür, dass der Staat zwar für die richtigen Spielregeln sorgen müsse, aber „selbst nicht mitspielen darf“. Es werde Zeit, die Regeln für eine „globale Finanzmarktaufsicht“ nun auch anzuwenden, drängte er. Schwaben und das Allgäu stünden angesichts des „weit über dem Bundesdurchschnitt“ liegenden Bruttoinlandsprodukts „gut da“, wie er meinte. Sorge bereite ihm, dass sich „international manches schon wieder weit von dem entfernt hat, was unter dem unmittelbaren Eindruck der Krise angestrebt wurde“. Norbert Braems, Chefvolkswirt Bankhaus Sal. Oppenheim, sah Lösungswege entweder in künftig „weniger Wachstum als bisher“ oder „Inflationierung“. Letztere sei allerdings gefährlich und funktioniere meist nicht. Somit lautete sein Credo „Sparen“. Zudem müssten die „Ungleichgewichte der Leistungsbilanz zwischen den Ländern“ ausgeglichen werden. Wenig Konsum In der Textilindustrie seien vor allem die Konsumzurückhaltung und „die vielen Insolvenzen“ zu spüren gewesen, offenbarte Christian Dierig, Vorstandsvorsitzender der Augsburger Dierig Holding AG, einst mit Textilstandort auch in Kottern. Die seit 30 Jahren „krisengeschüttelte“ Branche, wisse deshalb mit solchen Situationen umzugehen. „Geschwindigkeit ist ein wesentlicher Punkt“, Liquidität und sofortige Sparmaßnahmen, nannte er als wichtigste Überlebensmaßnahmen. Bislang nichts gemerkt habe man im Geschäftsbereich Immobilien, der als vermeintlich sichere Anlage zur Finanzierung der 1500 Betriebsrenten aufgebaut worden sei. Er war sich sicher, dass vor Ausbruch der Krisen „viele wussten, was sie da tun“, es aber „nicht sehen wollten“. Staat als Schlichter Anders als der Minister wollte Prof. Dr. Georg Köpf von der Fakultät für Betreibs-, Sozial- und Tourismuswirtschaft der Hochschule den Staat künftig als „Schiedsrichter“ sehen. Ein Unding sei, dass „ein Bankinstitut sicher sein kann, nicht in Insolvenz gehen zu können“. Einen Blick voraus wagend, erwartete er „demnächst“ eine Kreditkartenkrise. Ein Dorn im Auge war ihm die „verkrustete Bankenstruktur in Deutschland“. Als Zeichen für ein Ende der Krise wertete er, dass „die Angst laut Volatilitätskurve aus den Finanzmärkten hinaus gegangen ist“. Allerdings, warnte er, je länger es brauche, Regeln zu etablieren, „umso stärker unterlaufen Lobbyisten diese Regeln“.

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