Bauausschuss soll am Donnerstag über den Abriss des "Oberen Wirt" entscheiden

Äußerst erhaltenswert?

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Wird er abgerissen oder bleibt er stehen? Der "Obere Wirt" in Heiligkreuz

Kempten – Der Legende nach war es der russische Feldmarschall Grigori Potjomkin, der 1787 auf der gerade eroberten Krim Dörfer aus bemalten Kulissen errichten ließ, um Zarin Katharina II das wahre Gesicht des Landstrichs zu verbergen – der Begriff Potemkinsche Dörfer war geboren. Ein „echter Potemkin“ steht auch in Heiligkreuz.

Der „Obere Wirt” gilt als Ortsbild prägend. In seinem Inneren aber herrscht der Verfall, als Gaststätte genutzt wird er schon seit 2008 nicht mehr. Die neuen Eigentümer des „Oberen Wirt“ haben daher jetzt einen Antrag auf Abbruch des alten Gebäudes in der Ortsmitte gestellt, um dort eine Wohnanlage mit acht Wohneinheiten zu bauen. 

Am Donnerstag, 12. September, muss der Bauausschuss ab 16 Uhr über den Antrag entscheiden. Durchaus möglich, dass sich der Bauausschuss ähnlich wie beim Sudhaus auf dem Brauhausgelände entscheidet, das zunächst abgerissen wurde, dessen Hauptfassaden aber originalgetreu nachgebaut werden müssen. Eingebunden wird der Bauausschuss, weil sich der Stadtrat im Sommer auf Drängen der CSU für eine Erhaltungssatzung entschieden hat. Während zahlreiche Stadträte Zweifel an einem Erhalt des maroden und ungenutzten Gebäudes äußerten und auch der Verein Kulturhaus „Heiligkreuz” nicht mehr auf einen Erhalt pochte, bezeichnete CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier das Haus seinerzeit unbeirrt als „äußerst erhaltenswert“ und setzte die Erhaltungssatzung trotz Schadensersatz-Ankündigungen des Investors und Hausbesitzers durch. Die Satzung garantiert dem Bauausschuss Mitsprache, wenn der Investor so wie jetzt das Haus abreißen will.

 „Wir werden den konkreten Antrag prüfen und abwägen“, erläuterte Baureferentin Monika Beltinger das morgige Vorgehen. Ziel der Erhaltungssatzung sei allerdings nicht wie zum Beispiel beim Denkmalschutz der Erhalt der Gebäudesubstanz sondern „die städtebauliche Situation zu erhalten“, sprich das Gesamterscheinungsbild im Heiligkreuzer Ortskern. „Darüber werden wir am Donnerstag reden“, so Beltinger. Denkbar wäre beispielsweise, dass der Bauausschuss dem Abriss zwar zustimmt, ähnlich wie beim Sudhaus auf dem Brauhausgelände den Investor aber verpflichtet, das Gebäude nach dem Abbruch mit gleicher oder ähnlicher Optik wieder zu errichten. Vor allem Grünen-Stadträtin Erna Kathrein-Groll sprach sich bereits für dieses Vorgehen aus. 

Möglich ist auch, dass sich die CSU im Wahlkampf weiter gegen einen Abriss sträubt und der Ausschuss mehrheitlich dagegen stimmt. „Dann ist der Antragsteller wieder am Zug“, erklärte Beltinger. Als dritte Möglichkeit gilt, dass der Ausschuss dem Abbruch zustimmt. „Dann wird ganz normal im Genehmigungsverfahren weiter gegangen“, so die Baureferentin.

Matthias Matz

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