Ein Konzept für die Iller muss her

In Sachen Burghalde sehen die Altstadtfreunde noch einigen Handlungsbedarf. „Raus aus dem Schattendasein“, fordert Vorsitzender Dietmar Markmiller. Dabei hofft er auf die Unterstützung von OB Dr. Ulrich Netzer. Foto: Kampfrath

An der Iller und auf der Burghalde soll sich einiges ändern. Zumindest wenn es nach den Wünschen der „Freunde der Altstadt Kempten“ geht. Am Montag vergangener Woche traf sich der Verein zu seiner Jahreshauptversammlung. Die knapp 400 Mitglieder sehen an einigen Stellen in der Stadt noch einigen Verbesserungsbedarf.

„Das vergangene Jahr war ein Jahr voller neuer und interessanter Eindrücke und Erfahrungen für uns“, sagte Vorsitzender Dietmar Markmiller. Der Vorstand habe es von vornherein unterstützt, die Öffnungszeiten der Erasmuskapelle zu betreuen. „Der Resonanz der Besucher auf die Multimediapräsentation im Schauraum ist gut“, erklärte Saskia Sollner, die ehrenamtlich als Aufsicht in der Kapelle tätig ist. Die meisten Besucher würden hinterher noch die Begleitausstellung in der St.-Mangkirche besichtigen. Der neu gestaltete St.-Mangplatz sei ein „Ort der Begegnungen“, meinte Markmiller. Das stelle er fest an den Boulespielern, den Sonnenhungrigen auf den Sitzbänken und den Kindern am Brunnen. Für die Belebung des Platzes sei die Stadt weiterhin gefordert. „Sind Aufführungen ähnlich der Carmina Burana geplant? Wie sieht es mit blühenden Arrangements aus?“, fragte er. Durch die Pflanzen erhoffe er sich „zusätzliche Farbtupfer“. Über künftige Änderungen in der Altstadt berichtete Herbert Singer, Geschäftsführer der Sozialbau. Das Klavierhaus Gelück in der Bäckerstraße habe Vergrößerungsbedarf. Deshalb ziehe das Geschäft in die Heinrichsgasse, Ecke Gerberstraße um. „Die Heinrichsgasse wird dafür erweitert“, so Singer. Die Passage zum Rathausplatz an dieser Stelle werte die Sozialbau mit einem neuen Belag auf. „Das Passivhaus ‚Kompetenzzentrum‘ soll 2012 fertiggestellt werden“, so Singer. Laut Markmiller hat der Verein zum Thema Iller mittlerweile einen Arbeitskreis gebildet „Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, die Iller in ein ganzheitliches Konzept zu integrieren und nicht nur verschiedene skurrile Einzelmaßnahmen zu erschaffen.“ Den südlichen Abschnitt sollen die Leute künftig für das Erleben von Natur und Historie sowie als Erholungs- und Ruhezone nutzen können. So seien Sitzsteine am Fluss geplant. Der nördliche Illerabschnitt solle als Treffpunkt von Jung und Alt sowie für Sport und Freizeit dienen. In puncto Leibesertüchtigung hat der Arbeitskreis ganz besondere Absichten: eine stehende Welle für Surfer, Kanuten und Rafter. Joachim Schrade, Vorsitzender der „Kemptener Illersurfer“, stellte das Konzept dafür vor. „Die Flusswelle würde die Attraktivität der Stadt erhöhen und viele Sportler nach Kempten locken. Es entstünden Läden, die Kajak- und Surfartikel verkaufen.“ Möglicher Standort sei der Illersteg zwischen Illerdamm und Illerstraße. Die Welle wäre 11,50 Meter breit und abschaltbar. „Eine Pegel von 1,50 Meter wäre optimal, um die Welle zu betreiben“, erläuterte Schrade. Nach seinen Berechnungen würde die Aktion aber mehr als 450 000 Euro kosten. Zudem soll an der Iller ein Gastronomiebetrieb entstehen. Wolfgang Rief vom Allgäuer Brauhaus stellte das Konzept vor: „Wir stellen uns eine Mischung aus Beachclub und Restaurant vor.“ Es gebe drei verschiedene Bauvarianten – auf dem Wasser, auf dem Land oder eine Kombination aus Wasser und Land. Rief favorisierte die letztere Lösung. In dem Lokal solle „Urlaubsfeeling“ entstehen, da auch ein Strandbereich mit Sand geplant sei. Dieter Schade, ehemals Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, wünschte sich eine „stärkere Verzahnung von der Flusslandschaft mit der Stadtlandschaft“. Der Zugang zum Wasser müsse verbessert werden. „Die Iller hat biologisches Potential. Das zeigt, dass der Biber hier wieder Fuß gefasst hat.“ Markmiller verkündete, dass auch ein Lehrpfad an der Iller vorgesehen sei. Der würde von der Nordbrücke bis zur Alten Bleiche gehen und rund 240 000 Euro kosten. Der Slogan für die Pläne laute „Kempten – die Illerstadt“. Raus aus dem Schatten Die Burghalde bezeichnete Markmiller als „Stiefkind“. Er kritisierte, dass seitens der Stadt nur Veranstaltungen genehmigt würden, die es bereits früher dort gab. Dazu zählen das Freiluftkino und das internationale Fest. Der Vereinsvorsitzende verstehe die „mangelhafte Außenkommunikation der Burghalde“ nicht. „Wir fordern, raus aus dem Schattendasein, und zwar sprichwörtlich.“ Das Geländer an der Burgstraße sei erneuerungsbedürftig, der Brunnen zerfalle allmählich und das Mauerwerk zerbröckele. Markmiller verlangte, „dem Saufgelage und der Vermüllung“ an der Boleite Einhalt zu gebieten. Er kritisierte, dass Autos verbotenerweise auf dem Fußweg zwischen den Häusern Rathausplatz 11 und 13 fahren. Um dem ein Ende zu bereiten, empfahl er, einen Pfosten an die Stelle zu setzen. Der Vorsitzende fragte OB Dr. Ulrich Netzer außerdem, wie es mit dem Mühlbachquartier weitergehe. „Wann wird denn das im Volksmund genannte ‚Betonmikado‘ durchgängig fertig sein?“, wollte er wissen. Damit spielte er auf das mehrfach unterbrochene Pflaster für Rollstuhlfahrer auf dem Rathausplatz an. Netzer betonte, dass sich beim Wohnen im Altstadtbereich in den vergangenen zehn Jahren einiges gefestigt habe. „Die Frage, wie wir es schaffen, aus der Stadt an der Iller eine Stadt mit der Iller zu machen, beschäftigt den Stadtrat schon seit Jahren“, so der Rathauschef. Die Burghalde betrachte er nicht als Stiefkind. So sei zum Beispiel das Burgenmuseum entstanden. Zudem habe die Stadt das frühere Garderobenhaus zum Handwerkerhaus umgebaut. Die zusätzlichen Farbtupfer auf dem St.-Mangplatz würden kommen, wenn die angepflanzten Bäume größer sind. „Die Belebung des Mühlbachquartiers steht dieses Jahr im Mittelpunkt“, sagte Baureferentin Monika Beltinger. Dabei arbeite man mit dem Citymanagement zusammen. Eine freudige Nachricht überbrachte Birgit Kata, Vorsitzendes des Fördervereins Beginenhaus. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz habe einen sechsstelligen Betrag für die Sanierung des Gebäudes in Aussicht gestellt.

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