Krankenhaus muss schließen

Der Kampf ist verloren

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Noch steht das Isnyer Krankenhaus. Mit dem nun beschlossenen Aus beginnen die Überlegungen, wie es weiter gehen kann.

Isny/Schlier – Wie eigentlich auch nicht mehr anders zu erwarten, kam nach einer letzten Redemöglichkeit die Dauermisere der OSK vergangene Woche zu einem vorläufigen Abschluss. Das Kranken- haus Isny wird nach 104 Jahren voraussichtlich am 31. März 2013 geschlossen und damit nur noch Geschichte sein. Nach dem Willen des Kreistags folgt das Krankenhaus Leutkirch ungefähr drei Monate später ebenfalls auf dem Weg ins Aus.

Einfach gemacht hat es sich der Kreistag bei seiner Sitzung in Schlier nicht. Zwar haben  sich die Kreisräte mit einem Abstimmungsergebnis von 48 zu 17 Stimmen klar für eine Schließung der beiden Kliniken ausgesprochen, jedoch harrten die Zuhörer bis zum letzten Augenblick aus und hofften auf irgendwelche Signale, die den Betroffenen einen Lichtblick irgendeiner Weise ermöglichten. Letztendlich führten sehr unterschiedliche Gründe zur Entscheidung, die beiden Kranken- häuser zu schließen: Zum einen die Hoffnung des Landkreises Ravensburg, die Finanzmisere wenigstens im Ansatz in den Griff zu bekommen und zum anderen das Gefühl, seit Jahren gegen Windmühlenflügel anzurennen, wenn es um die Regelung der medizinischen Ver- sorgung geht.

Das in der letzten Phase dieses Dramas ein Übernahmevertrag für das Isnyer Krankenhaus aus dem Jahre 1970 eine Rolle spielte und – gestützt auf ein Gutachten von Professor Dr. Quaas – ein juristisches Nachspiel zu erwarten war, entschärfte die Situation auch nicht gerade. Wenn eine Entscheidung ansteht ist es besser, erst einmal Klartext zu reden. Das ist auch in der Sitzung am vergangenen Freitag geschehen. Jetzt stehen Isny und Leutkirch vor der endgültigen Situation. Aus den Reihen der CDU-Fraktion, aber auch aus der SPD und von den Freien Wählern waren Kreisräte an dieser Entscheidung beteiligt.

Dass Wangens Räte die Bemühungen der Isnyer und Leutkircher nicht unterstützten, war schon eine herbe Enttäuschung, wie aus den anschließenden Gesprächen zu erfahren war. Das ist aber auch wieder zu verstehen, denn das Krankenhaus in Wangen wird noch einmal aufgewertet, wenn es nach dem Willen der Verwaltungen der OSK und des Landkreises geht.

Der zitierte Vertrag aus dem Jahre 1970 war noch unter der Verantwortung von Dr. Walter Münch, dem Landrat des Altkreises Wangen, zustande gekommen und sollte vor allem die Möglichkeit geben, das Krankenhaus in Isny grundlegend zu sanieren, weil die Stadt sich dazu nicht in der Lage fühlte. Das ist dann auch geschehen und nach der Kreisreform fanden sich die Bürger aus dem Oberland (sprich: Allgäu)  plötzlich im Kreis Ravensburg wieder. Dr. Münch hatte lange Zeit für den Erhalt des alten Kreises gekämpft, war aber den neuen Strömungen auch nicht gewachsen gewesen. Die Verpflichtungen aus dem Vertrag waren aber auch in den neuen Kreis mit eingeflossen. Das Schwesternwohnheim wurde gebaut, OP und Zimmer wurden umgestaltet und das in Aussicht gestellte Geld in Höhe von rund einer Million DM für die Übernahme wurde in mehreren Raten ausgezahlt. Dann aber begann der Abbau der medizinischen Leistungen in Isny. Die Geburtstation wurde geschlossen, die Bettenzahl permanent reduziert, die Kliniken Isny und Leutkirch in einen Verbund umgewandelt.

Erst bei einer neuen Diskussion über eine eventuelle Schließung unter der Federführung von Dr. Elizabeth Harrison kam es zum Verbund der Kliniken Wangen, Leutkirch und Isny zum Medizinischen Zentrum Allgäu West, um die Schließungen zu vermeiden. War das eine politisch sinnvolle Entscheidung? Vielleicht, aber mit Sicherheit keine für die Stimmung der Bürger in der betroffenen Region. Allen Experten war doch von vornherein klar, dass ein Krankenhaus mit nur mehr 19 Betten in die roten Zahlen rutschen muss. Leutkirch mit seinen immerhin 70 Betten sah da etwas besser aus. Diese Betten sollen nun den anderen Standorten, besonders Wangen und Ravensburg zugeteilt werden. Auch mit Konsequenzen natürlich. In Wangen soll die vierte Etage ebenfalls mit Stationen besetzt werden. Kosten wird das rund drei Millionen Euro. In Ravensburg soll das Elisabeth Krankenhaus noch einmal erweitert werden und für drei bis fünf Millionen Euro noch eine Etage auf das Bettenhaus gesetzt werden. Also rund sechs bis acht Millionen Euro, die zum Defizit der beiden Häuser noch dazu kommen, in der Hoffnung, dass die Patienten aus Isny und Leutkirch den Weg nach Wangen und Ravensburg einschlagen.

Der jetzt eventuell einzusparende Teil der OSK-Defizite betrug zum Zeitpunkt der Ab- stimmung rund acht Prozent des tatsächlichen Finanzlochs. Durch die neuen zu bewältigen Kosten bei weiterem Ausbau und den Rückforderungen des Landes für die getätigten Zuschüsse für das Krankenhaus Leutkirch, ist das zu erwartende Finanzloch gigantisch. Das nun die Patienten nicht in die beiden Häuser kommen, ist sowieso billigend in Kauf genommen worden.

"Rabenschwarzer Tag"

Im Prinzip war es eine Mammutveranstaltung, die in Schlier stattfand. Mehr als fünf Stunden waren dafür anberaumt und Isnys Bürgermeister Rainer Magenreuter, Leutkirchs Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle von sowie der Bürgermeister von Argenbühl, Josef Köberle, hatten sich zu Wort gemeldet und ihre Bedenken vorgebracht. Auch die Beiträge von Peter Clément (SPD), Dr. Wolfgang Dieing (ÖVP), Daniel Gallasch (FDP) und Rudolf Bindig (SPD) waren in ihren Aussagen voller Zweifel an der Richtigkeit des zu fällenden Entschlusses.

Bürgermeister Rainer Magenreuter bezeichnete die Abstimmung als den „raben- schwärzesten Tag“ seiner bisher fünfjährigen Amtszeit. Die ganzen bisherigen Verhandlungen mit dem Landkreis und der OSK hatte er mit viel persönlichem Einsatz geführt und nun gescheitert zu sein, ist schwer zu verkraften. Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle dürfte es da auch nicht viel besser gehen. 

Was nun aus dem Scherbenhaufen entstehen soll, bleibt abzuwarten. In Isny wird man jedenfalls gründlich darüber nachdenken, ob das Krankenhaus wieder in städtischen Besitz übergehen soll. In den oberen Etagen ist das Seniorenheim St. Franziskus untergebracht und pocht auf seinen Pachtvertrag für die nächsten 20 Jahre. Unten im Anbau ist die Dialysestation, die privat betrieben wird und als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) möchte die OSK auch noch einen Fuß in der Tür haben. Nur die Betten sind dann weg und bei eventuellen Notfällen ist die Unterbringung in Isny nicht mehr möglich.

Manfred Schubert

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