Polizeipräsidium stellt Kriminalstatistik für das Jahr 2014 vor

Gesamtkriminalität sinkt weiter

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Vor allem der Diebstahl an und aus Kfz-Fahrzeugen ging im Gebiet des Polizeipräsidium Schwaben Süd/West um 23,2 Prozent zurück.

Kempten – Im Allgäu zu wohnen bedeutet gleichzeitig auch in „einer sehr sicheren Region“ zu leben, hieß es vergangene Woche, als das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West die polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2014 präsentierte.

Bei der Darlegung der Zahlen konnte Werner Strößner, der im vergangenen August als Nachfolger von Hans-Jürgen Memel in das Amt des Polizeipräsidenten eingeführt wurde, eine erfreuliche Entwicklung feststellen. Demnach erreichte die Häufigkeitszahl (HZ) – Anzahl an polizeilich registrierten Straftaten je 100.000 Einwohner – den niedrigsten Stand seit zehn Jahren und liege damit 17,6 Prozent unter der Häufigkeitszahl von Bayern. „Städte sind von Straftaten generell stärker betroffen als der ländliche Bereich, in Kempten und Kaufbeuren ist die Belastung beispielsweise höher als in den Landkreisen“, wies Strößner auf das weiterhin bestehende Stadt-Land Gefälle hin.

Aufklärungsquote steigend

Der niedrigen Kriminalitätsbelastung stehe nach Erläuterung von Strößner ein positiver Anstieg der Aufklärungsquote (AQ) gegenüber. Während bundesweit nur jede zweite Straftat geklärt werde, wären es im Schutzgebiet des Polizeipräsidiums rund zwei Drittel. Mit 68,4 Prozent liege die Quote bereits seit zehn Jahren kontinuierlich über den bayernweiten Werten.

Gesamtkriminalität gesunken

In der Entwicklung der Gesamtkriminalität konnte ein positives Fazit gezogen werden. So sank die Zahl der Gesamtstraftaten um 6,7 Prozent auf 39.891 Fälle. Insgesamt konnten im Jahr 2014 „rund 21.300 Tatverdächtige ermittelt werden“, wovon 20 Prozent jünger als 21 Jahre seien. Diese Altersgruppe sei es, die „bei Gewaltpräventionen gezielt angesprochen werden muss“, so Karl Heinz Alber, leitender Kriminaldirektor.

Er legte ebenso die Entwicklungen der einzelnen Kriminalitätsdelikte offen. Rückläufige Zahlen konnte er in der Gewalt-, Diebstahl- und Straßenkriminalität sowie in Vermögens- und Fälschungsdelikten feststellen, die Rauschgiftkriminalität und die Anzahl an Sexualdelikten seien allerdings gestiegen. Obwohl sich die Gewaltkriminalität mit 1206 Straftaten auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren befinde, sei dieses Niveau noch zu hoch.

Im Bereich der Diebstahlkriminalität habe vor allem der Diebstahl an und aus Kfz-Fahrzeugen um 23,2 Prozent (+289 Fälle) abgenommen, was vor allem „auf das steigende Sicherheitsbewusstsein der Bürger“ zu schließen sei.

Wohnungseinbrüche nehmen zu

Ein Schwerpunkt in den zu ergreifenden Maßnahmen der Polizei sei der Kampf gegen Wohnungseinbrüche, so Alber, denn in diesem Bereich sei die Anzahl an Straftaten um 13,7 Prozent (+48 Fälle) gestiegen. „Es ist weniger der Diebstahlschaden, der eine Rolle spielt, sondern vielmehr die zurückbleibenden Ängste der Betroffenen.“ „Wohnungseinbrüche stellen zwar nur rund eins Prozent der Gesamtdelikte dar, dennoch ist dieses Feld der Kriminalität ein wichtiges“, fügte Strößner hinzu. Durch verstärkte Präventionsanstrengungen soll die Bevölkerung über den optimalen Schutz ihres Eigentums aufgeklärt werden. Auch ein „wachsames Auge des Bürgers“ könne einen entscheidenden Beitrag zur Kriminalitätsbekämpfung beitragen. „Die Bevölkerung soll deshalb melden, wenn seltsame Geschehnisse beobachtet werden“, bat Strößner.

Mehr Rauschgiftdelikte aufgeklärt

Ebenso habe die Betäubungsmittelkriminalität zugenommen. Die Zunahme von über 20 Prozent auf 2531 Fälle sei laut Alber allerdings gewollt, denn der Anstieg an Kontrolldelikten spiegle die zunehmende Aktivität und Aufklärung der Polizei in diesem Bereich wieder. Mit 19 Rauschgift-Toten liege die Gesamtzahl über dem Zehnjahresdurchschnitt, mit einem Schwerpunkt in Kempten (4) und dem Unterallgäu (4).

Wenig Erfolg von Betrügern

Im Bereich der Betrugs-, Vermögens- und Fälschungsdelikte wies Alber vor allem auf den Trickbetrug hin, bei dem besonders Schockanrufe, Gewinnversprechen oder der Enkeltrick relevant seien. Durch zunehmende Aufklärung – auch in Zusammenarbeit mit den Medien – blieben allerdings 45 von 46 Enkeltricks nur versucht, und auch bei den Schockanrufen hatten die Tatverdächtigen nur in vier von 50 Fällen Erfolg.

Herausforderung: Internet

„Die Entwicklung der Kriminalität rund um die Medien ist auf dem Vormarsch“, erläuterte Alber in seinen Ausführungen. Die Zahl der Geschädigten sei deutlich höher als die registrierten 887 Fälle (2013: 1032), denn ein Delikt werde nur dem Polizeipräsidium Schwaben Süd/West zugeordnet, wenn der Täterrechner in der Region liege. Mit einer Quote von 83,7 Prozent konnten dennoch mehr Fälle als im Vorjahr aufgeklärt werden. Um der Internetkriminalität entgegenzuwirken, wurden bereits im vergangenen Jahr zwei Arbeitsbereiche „Cyber-Crime“ in Kempten und Neu-Ulm eingerichtet.

Durch Sonderaktionen und präventive Maßnahmen will das Polizeipräsidium in Zukunft noch mehr an die Bevölkerung herantreten und über Sicherungsmaßnahmen gegen Kriminalitätsfälle aufklären. Der Schwerpunkt wird dabei im Bereich des Einbruchdiebstahls und der Internetkriminalität liegen.

Von Lea Stäsche



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