Künstlerische Haltung wird prämiert

Freuen sich über die zuerkannten Preise im Rahmen der Festwochen-Kunstausstellung: Corinna Theuring (Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung, v.l.), Silvia Jung-Wiesenmayer (Kunstpreis der Stadt Kempten) und Matthias Buchenberg (Tomas-Dachser-Gedenkpreis). Foto: Tröger

Von „Rekordanmeldungen“ bei der 63. Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche mit „deutlich über 100 Werken mehr, als der Schnitt der letzten Jahre“ konnte OB Dr. Ulrich Netzer berichten, als er der Presse die zwei Preisträgerinnen und einen Preisträger der jährlich zu verge- benden Auszeichnungen bekannt gab.

Silvia Jung-Wiesenmayer heißt die Empfängerin des mit 5000 Euro dotierten Kunstpreises der Stadt Kempten 2012, den sie für ihre beiden Werke „Verblassen“ und „Stand by animals“ erhält. „Verblassen“ ist eine vierteilige Stabilo-Zeichnung, die kommende und vergehende Formen aus der Natur aufgreift. Bei „Stand by animals“ handelt es sich um eine Installation mit zwei freundlichen Fantasietieren aus genadelter Schafwolle, von denen eines frech seinen Allerwertesten in die Höhe reckt und von einem Hocker hinab blickt auf den ganz entspannt auf einem Fell am Boden liegenden Kollegen. Für die schon vielfach ausgezeichnete Bildhauerin Jung- Wiesenmayer bedeutet die Installation das gegenseitige Zueinanderstehen von Mensch und Tier. Den Preis für die beiden sehr unterschiedlichen Werke habe die Jury „ausdrücklich für beide Arbeiten gemeinsam“ vergeben, bekräftigte Netzer, da damit auch die „künstlerische Haltung“ der 1966 geborenen Bildhauerin, die in Opfenbach/Westallgäu lebt und arbeitet, prämiert werde. Laut Jury sind die beiden Werke „frische, zeitgemäße Darstellungen mit großen Qualitäten von sinnlicher Verspieltheit, irritierender Skurrilität und innovativer Imagination“. Ausgebildet wurde Jung-Wiesenmayer an der Kunstakademie Stuttgart. Der Thomas-Dachser-Gedenkpreis, dotiert mit 4000 Euro, geht in diesem Jahr an den 1964 geborenen Vorderburger Bildhauer Matthias Buchenberg für seine 1,80 Meter hohe, aus Eisen und Schweißdraht gefertigte Plastik „Dem Ziel entgegen“, die durch ihre Tiefe auch „in den Raum eingreift“, wie er meinte. Die Jury sieht darin eine „ureigene Bilderfindung“, die der gelernte Schreiner und Absolvent der Holz- und Steinbildhauerschule in Elbigenalp „in Formfindung und Materialbehandlung zur Vollendung gebracht hat“. Beeindruckt zeigte sich die Jury zudem davon, dass Buchenberg dem an sich spröden und kalten Material „große Feinheit und elegante Bewegungen“ abgewinne. Reizvolle Varianten berge das Werk durch den gezielten Einsatz von Licht und Schatten. Zwar müsse es auch ohne Licht „funktionieren“ erklärte Buchenberg, aber mit Spots könne „eine schöne Schattenwirkung“ erzeugt werden. Netzer freute sich, dass der Bildhauer nach bereits einer erfolgreichen Brunnengestaltung in Kottern-Sankt Mang, auch mit einem Vorschlag für den Brunnen am Hildegardplatz antreten werde. Einfache Mittel Den Förderpreis aus der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung, dotiert mit 3000 Euro, erhält die Künstlerin Corinna Theuring, Jahrgang 1977, aus Memmingen-Hitzenhofen für ihr fragiles Objekt aus Keramik, Glas und Glasur „Glück“. Zugleich geschützt und gefangen hinter dem Glas einer alten Bowlenschale zeigt sich eine abgekapselte Welt aus Natur mit Fliegenpilz und Bergen. Das Material Ton habe sie „nie losgelassen“, bekannte Theuring sehr gerne mit Symbolen zu arbeiten, „die aber dann für jeden Bedeutungsfreiheit lassen“. Die Jury würdigte, „dass mit einfachen Mitteln ein eigenwilliges Universum, ein Stück Welt hinter Glas geschaffen wurde, das zahlreiche Assoziationen von ‚Glück’ zulässt“. Zudem habe Theuring gezeigt, „dass der Keramik in der jungen zeitgemäßen Kunstproduktion ein eigener Stellenwert gebührt“. Nach dem Abschluss als Keramikergesellin an der Staatlichen Berufsfachschule für Keramik in Landshut studierte Theuring an der Kunstakademie in München bis zum Diplom. Für die 63. Festwochen-Kunstausstellung vom 11. August bis 9. September wurden in diesem Jahr 78 Werke von 67 Kunstschaffenden, davon 26 Künstlerinnen und 41 Künstler, ausgewählt. Eingereicht wurden 567 von 315 Kunstschaffenden (2011: 410 Werke von 277 Kunstschaffenden), wobei die Malerei mit 306 Werken dominierte, gefolgt von 93 Plastiken und Skulpturen, 80 Foto- grafien – eine Sparte, die laut Netzer „immer mehr Gewicht im künstlerischen Schaffen bekommt“ – , 76 Grafiken, zehn Installationen und zwei Filme. Unter den 78 Werken stark vertreten ist heuer Plastik und Skulptur mit 25 Werken, weiterhin die Malerei mit 20 Werken, zu sehen gibt es außer- dem 14 Grafiken, zwei Installationen und eine Filmarbeit.

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