Kumulierte Hemmnisse

Die Arbeitsgemeinschaften (ARGEn) in Kaufbeuren, Kempten, Landsberg, Lindau, Memmingen und Ober- Ost- und Unterallgäu haben sich der Beschäftigungsinitiative Schwaben 50plus (BINS 50plus) angeschlossen. Im Berufsbildungszentrum (BBZ) in Kempten wurde jetzt ein Initiativ- und Vermittlungszentrum eingerichtet.

Die BINS 50plus ist eine von bundesweit 62 Beschäftigungspakten, die durch das Arbeitsministerium in Berlin seit 2005 im Rahmen der „Perspektive 50plus“ gefördert werden. Das Ziel ist, „die Chancen von älteren, erfahrenen Arbeitsuchenden auf dem Arbeitsmarkt steigern und Unternehmen für die Einstellung von Älteren gewinnen“, erklärte Eckart Wieja, Geschäftsführer der ARGE Augsburg. Bis vor ein paar Jahren hätten über 50-Jährige kaum Chancen gehabt, nochmal einen Arbeitsplatz zu bekommen, so Maria Klingelstein, Geschäftsführerin des BBZ in Kempten. Doch nun schlagen sich die Auswirkungen des demografischen Wandels in der Arbeitswelt nieder. Um unter keinem Fachkräftemangel zu leiden, müssten Unternehmer auch auf die über 50-Jährigen setzen, so Wieja. Allerdings seien zusätzliche Instrumente notwendig, um ältere Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bringen, so Sibylle Ehreiser, Projektleiterin des Vermittlungszentrums Augsburg. Thomas Staudinger, Paktkoordinator BINS 50plus erläutert, dass es bestimmte Vermittlungshemmnisse bei Arbeitsuchenden, wie sprachliche oder gesundheitliche Einschränkungen, kein Führerschein oder länger als vier Jahre arbeitslos, gebe. „Bei der Generation 50plus sind diese Hemmnisse kumuliert“, erklärt er. Diese Tatsache mache die Vermittlung besonders schwierig. Daher geht das Konzept BINS 50plus neue Wege. Die Teilnehmer müssen in der dreimonatigen Erst-Betreuung täglich von 8 bis 14 Uhr anwesend sein. Gemeinsam in der Gruppe werden dann Pünktlichkeit, Fleiß, Zuverlässigkeit und Kommunikation trainiert. Des Weiteren lernen die Teilnehmer mit dem Computer umzugehen und ihre Bewerbungen professionell zu erstellen. Daneben gibt es ein individuelles Coaching. Hier sollen Vermittlungshemmnisse identifiziert und anerkannt werden. In Einzelgesprächen und Referaten soll außerdem das Selbstwertgefühl der Teilnehmer gestärkt werden. „Denn selbst promovierte Menschen leiden unter extremen Selbstzweifeln, wenn sie arbeitslos sind“, erklärte Lars Halatsch von der DEKRA-Akademie. Nach den drei Monaten gibt es alle zwei Wochen ein Einzelgespräch bei dem nochmals individuell auf Probleme der Teilnehmer eingegangen wird. Zirka 500 Teilnehmer konnten so in 2008 und bis Ende Oktober 2009 erfolgreich wieder eine Arbeit aufnehmen. Das seien rund ein Viertel, so Eckart Wieja. „Inzwischen fragen Unternehmen bei uns an“ , so Wieja weiter. In Kempten gibt es das Programm seit September. „Seither haben knapp 130 Teilenehmer mitgemacht und sieben davon wurden auch schon integriert“, berichtet Peter Müller, Geschäftsführer der ARGE Kempten. Ein Teil des Erfolges seien auch die eingesetzten Jobhunter, so Maria Klingelstein. Jobhunter seien „das Bindeglied“ zwischen den Firmen und Teilnehmern. Weitere Informationen zu BINS 50plus gibt es im Internet unter www.bins50plus.de.

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