Kurze Reaktionszeit

Die Bedingungen für ein weiteres „Jahrhunderthochwasser“ wären ideal. Unmengen von Schnee liegt noch in den Bergen, die Temperaturen sind so hoch, dass sich Wärmegewitter bilden mit ergiebigen Niederschlägen bilden können. Deshalb haben die Verantwortlichen am Wochenende die großen Hochwasserübung „Iller 2009“ entlang des Flusses abgehalten.

Kreisbrandmeister Peter Dürheimer wohnt in Martinszell, seit Jahrzehnten beobachtet er die Iller. „Die Fließgeschwindigkeit ist höher geworden. Wenn früher im oberen Illertal ein starker Regen niederging, kam die Flutwelle in circa sechs Stunden bei uns an. Jetzt sind es vielleicht noch vier.“ Das bedeutet, dass ein Hochwasseralarm schneller ausgelöst und die Betroffenen noch schneller reagieren müssen. Die Zuständigkeit ist mittlerweile jedenfalls geregelt, die Erfahrungen von 1999 und 2005 sind in die Maßnahmenkataloge eingearbeitet. Die Bayerischen Elektrizitätswerke, eine Tochter der LEW, sind für die 35 Wasserkraftwerke an Iller, Lech, Wertach, Günz und Donau verantwortlich. Das beinhaltet auch die Sicherheit der Dämme auf eine Länge von über 200 Flusskilometern. Wenn entsprechende Niederschlagsmengen gemessen werden, gehen Mitarbeiter der BEW Kontrolle. Sollten Schwachstellen entdeckt werden, werden Fremdfirmen und die Feuerwehren informiert. Ralf Klocke ist der Leiter der Abteilung Wasserbau bei BEW, er kennt die kritischen Parameter, die die letzten Hochwasserkatastrophen verursacht haben. „150 bis 200 Liter Regen pro Quadratmeter in 20 bis 30 Stunden, dann wirds brenzlig“, betont er. „Bei einer Menge von 600 Kubikmeter pro Sekunde steigt die Iller aus ihrem Bett und die Kontrollen beginnen. Wir achten speziell auf Wasseraustritt an den Flanken der Dämme und Wasser mit Sand vermischt in den angrenzenden Wiesen“, berichtet er. Genau das simulierten die Einsatzkräfte bei der Übung am Wochenende. Die Hochwasserschutzübung „Iller 2009“ fand an drei Orten statt, in Krugzell–Stockers, in Lautrach am Damm Neuwelt und beim Kraftwerk Fluhmühle. Um auch den Feuerwehrnachwuchs mit der Problematik vertraut zu machen, wurde folgender Störfall angenommen: Bemessungshochwasser, starke, lokale und flächige Wasseraustritte aus der Böschung mit Materialaustrag auf einer Länge von 50 Metern. Das Ziel: Verbesserung der Standsicherheit. Räder müssen greifen Um dieses Ziel zu erreichen, mussten die Helfer vor allem drei Maßnahmen umsetzen: Die Schüttung eines Auflastfilters durch die BEW und Fremdfirmen, die Erstellung eines Auflastfilters aus Sandsäcken, wobei die Befüllung der rund 500 Säcke durch die Feuerwehr Altusried/Krugzell erfolgte, sowie die Erstellung eines Ringdeiches aus Tandemsäcken. Angesichts der Komplexität der Abläufe müssen viele Zahnräder ineinander greifen. Um das zu gewährleisten, werden an allen Flüssen im Bereich der BEW ein bis zweimal pro Jahr Übungen abgehalten. Trotz der Schneemassen können also die Allgäuer beruhigt sein – wenn nicht gleich ein „Jahrtausendhochwasser“ kommt.

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