"Podiumsdiskussion" mit "allen" Kandidaten

Durch den Kakao gezogen

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Ullrich Kremser (Mitte), Spitzenkandidat der FDP, inmitten seiner politischen Kontrahenten – zum einen das Duo „Hagenmaier-Kirchle” (links), Grünen Mann „Mustermann” (2.v.l.) und von der SPD, der Neue „Herr Neuling” (4.v.l.). Dazu musiziert Dr. Dominik Spitzer.

Kempten – Politischer Aschermittwoch ist der Tag der Abrechnung mit dem politischen Gegner, zumal dann, wenn wie heuer Kommunalwahlen vor der Tür stehen. Die Kemptener FDP mit ihrem OB-Kandidaten Ullrich Kremser traf sich zum „Derblecken” heuer im Bayerischen Hof.

Auf’s Korn genommen wurden dabei der politische Gegner, in persona die OB-Kandidaten der anderen Parteien.

FDP-Kreisvorsitzender Dr. Dominik Spitzer begrüßte am Mittwochabend die Freunde der Liberalen. Bevor OB-Kandidat Ullrich Kremser den Anwesenden seine Ansichten zur Lokalpolitik darlegte, wurden zunächst die „Kandidaten” der anderen Parteien zu einer „Podiumsdiskussion” auf die Bühne gebeten.

Spitzer begrüßte „Herrn Kirchle” für die CSU/Freie Wähler, „Herrn Neuling” für die SPD und „Herrn Mustermann” für die Grünen. Dabei wurden den Kandidaten mehrere Fragen gestellt, unter anderem, ob diese als potentielle Oberbürgermeister ihre eigene Meinung vertreten werden. „Ich verfüge von Geburt an über das CSU-Politiker-Gen. Das schließt eine eigene Meinung aus”, so die Antwort des CSU-Kandidaten „Kirchle”. SPD-Spitzenmann „Herr Neuling” antwortete auf diese, wie auf alle anderen Fragen: „Ich bin der Neue, ich kenne mich noch nicht aus.” Grünen-Mann „Mustermann” replizierte lakonisch: „Ich meine es ernst, ich bin dagegen.” Am Ende jeder Fragerunde äußerte sich auch der FDP-Kandidat Ullrich Kremser zu den Fragen.

Auf diese Weise wurden die Eigenheiten der anderen OB-Kandidaten auf’s Korn genommen. CSU-Kandidat Thomas Kiechle wurde als Handpuppe präsentiert, der sich zuvor bei jeder seiner Antworten bei seinem „Puppenspieler” Erwin Hagenmaier (Fraktionsvorsitzender der CSU) rückversicherte.

Am Ende der Vorführung durfte sich jeder OB-Kandidat einen Musiktitel wünschen, der von Dr. Dominik Spitzer höchstpersönlich an der Gitarre dargeboten wurde. CSU-Kandidat „Kirchle” wünschte sich da „einen Stuhl im Rathaus”, SPD-Mann „Neuling” wollte „einfach wieder hoam” und Grünen-Kandidat „Mustermann” trug, vermutlich in Anspielung auf eine ihm unterstellte stete Verweigerungshaltung, „Mein kleiner grüner Kaktus” zum Besten.

Falscher Standort

Danach fand OB-Kandidat Ullrich Kremser zurück zum Ernst der Lokalpolitik. Mit der Baustelle am Haslacher Berg, auf der in naher Zukunft ein Möbelhaus der Firma XXXL-Lutz Neubert stehen wird, befasste sich Kremser als erstes. Eigentlich, so seine Meinung, hätte dieses Areal besser der Hochschule Kempten zugeschrieben, respektive von dieser genutzt werden sollen. Den besseren Standort für ein Möbelhaus sieht Kremser eher auf dem Gelände der zeitnah schließenden Artillerie-Kaserne in der Kaufbeurer Straße.

In diesem Zusammenhang forderte er verstärkte Anstrengungen der Stadtverwaltung zur Ansiedlung von produzierendem Gewerbe in der Stadt. Kremser beklagte außerdem einen Einbruch bei den Gewerbesteuer-Einnahmen, einer Steuerart, die nur durch ansässiges produzierendes Gewerbe erbracht würde.

Als nächstes widmete sich der OB-Kandidat der Liberalen der allgemeinen Parkplatzsituation in der Stadt. Für ihn bleibt in diesem Zusammenhang völlig unverständlich, dass die Studenten der Hochschule mehrheitlich die Einführung eines Semestertickets abgelehnt hätten. Diesen wurde erst vor kurzem die Studiengebühren in Höhe von 400 Euro erlassen, sodass eine monatliche Belastung von fünf Euro für den ÖPNV eigentlich zumutbar wäre.

Dem Bau eines Parkhauses in der Rottachstraße steht Kremser offen gegenüber, mahnte aber, dass dann für die Nutzung der dortigen Parkplätze Gebühren anfällig würden. Noch könnten dort auch Anwohner umsonst parken.

Explizit kam der FDP-Kandidat auf die Neugestaltung des Hildegardplatz zu sprechen. Nicht die CSU, wie sie es in ihrem Wahlkampfflyer behauptet, hätte sich dereinst für eine Änderung der Bebauungspläne ausgesprochen, sondern es sei die FDP Kempten gewesen, die durch ein Ratsbegehren die Pläne zum Bau einer Tiefgarage gestoppt hätte.

Kritik an Hagenmaier

Das brachte auch Stadtrat Dr. Dominik Spitzer auf die Palme, der die „Chuzpe” des CSU-Fraktionsvorsitzenden Erwin Hagenmaier „rühmte”, nun diesbezüglich von einer Initiative der Christsozialen zu sprechen.

Ullrich Kremser bedankte sich am Ende seiner Ausführungen für die Unterstützung seiner Parteikollegen im Kampf um das Amt des Kemptener Oberbürgermeisters und prophezeite für den 16. März als Ergebnis eine Stichwahl. Manche im Wahlkampf hätten ihn auf sein Alter angesprochen, manche auf seine körperliche Größe, andere wiederum meinten, Turnschuhe am Infostand zu tragen sei ein „No-Go”, er aber selbst sieht’s gelassen, sagte er.

Jörg Spielberg

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