Langfristiger Trend

Auf große Resonanz stieß Kräuterexpertin Gerti Epple mit ihrem Vortrag über Wildkräuter aus dem Wald. Foto: Tröger

Was manch einer einst unter der Rubrik „Strohfeuer“ eingeordnet haben mag, erfreut sich bereits seit vielen Jahren wachsender Beliebtheit: Das Wissen um Wildkräuter. Und wie Gerti Epple, Vorsitzende des Vereins Allgäuer Wildkräuterfrauen und Mitarbeiterin des Forstamts, versicherte, werde der „Trend mindestens noch zehn Jahre anhalten“. Verändert habe sich allerdings, dass die Menschen inzwischen tiefer in das Thema einstiegen.

Brauchtum, wie das Binden von Kräuterboschen, sei heute ebenso gefragt wie die Nutzung von Pflanzen in der Heilkunde, der Küche oder das Anlegen des heimischen Kräutergartens. Entsprechend gut besucht war ihr Vortrag „Wildkräuter aus dem Wald“, im Rahmen der VHS-Reihe „Bäume und Mehr – Entdeckungsreise in den Wald“, in Zusammenarbeit mit dem Forstamt. Zwei Stunden lang gab es Wissen satt zu bevorzugten Standorten, verwendbaren Pflanzenteilen, Ernte, Wirkungen, Zubereitungen für Heilanwendungen und in der Küche, zu Volksglaube, Giftpflanzen und Räuchern. Zwei Dinge lagen Epple besonders am Herzen: „Im Wald sollte man immer nur soviel sammeln, wie man selbst braucht“, wies sie darauf hin, möglichst auf kultivierte Pflanzen aus dem eigenen Garten oder Blumentopf zurückzugreifen. Und genau hinschauen, welche Pflanzen man sammelt, nicht nur wegen der möglichen Verwechslungsgefahr mit giftigen Gewächsen. Nur noch sehr selten und deshalb geschützt sei die echte Schlüsselblume, die auch als kultivierte Pflanze erhältlich sei. Sowohl Blüten wie vor allem die Wurzel, aus der in der Apotheke erhältliche Fertigarzneien hergestellt würden, wirke schleimlösend bei Husten und Schnupfen. Die Blüten der ansonsten geschützten Waldschlüsselblume dürfe gepflückt werden. „Eine einzige Blüte reicht für eine ganze Tasse Tee“, hob sie die Kraft der ersten Frühlingsbotin im Jahr hervor. Neben bekannteren (Heil-)Kräutern wie Sanikel, Wurmfarn oder wohlriechendem Weißwurz bis zu in Vergessenheit geratenen – wie dem Waldziest – standen in dem kurzweiligen Naturmarathon auch Bäume im Fokus. Besonders der Fichte räumte Epple einen hohen Stellenwert ein. „Die Fichte hat man schon immer verwendet, weil man wusste, dass nichts heilender ist“, machte sie klar. Als hervorragende Zugsalbe, zum Beispiel um Spreißel herauszuziehen, rühmte sie Salben mit dem Harz der Fichte. Fichtenspitzensirup sei hervorragend gegen Husten und eine Zubereitung getrockneter Spitzen als Tee helfe bei Entzündungen. Leichter Geschmack Beim Genuss des frischen Harzes als Bonbon warnte sie allerdings, dass das ganz frische Harz „vom Zahn kaum mehr weg geht“. Dem Räuchern des Harzes werde eine Raumdesinfizierende und nervenberuhigende Wirkung zugeschrieben, nannte sie – unter vielen anderen – weitere Eigenschaften des „Allerweltsmittels für uns Menschen“. Sie lobte den leicht nussigen Geschmack der vitaminreichen Keimlinge von Rotbuchen im Salat, die auch gedünstet ein Genuss seien. Bedenken wegen des Fuchsbandwurms teilte Epple nur bedingt. Wie bei Salmonellen könnten Menschen mit einem gesunden Immunsystem gewisse Mengen der Eier verarbeiten, zerstreute sie Bedenken einer Teilnehmerin. Die Empfehlung, einen Meter über der Erde zu sammeln relativierte sie allerdings, denn der Fuchsbandwurm „wird auch sechs bis zehn Kilometer weit durch den Wind verbreitet“.

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