Mut zur Langsamkeit

Als „Holzschneider“ sieht er sich. Die Bezeichnung Künstler hört der international renommierte Detlef Willand dagegen nach eigener Aussage nicht so gern. Lothar Köster (SPD), Senioren- und Behindertenbeauftragter des Stadt, scheute sich bei der Ausstellungseröffnung im Haus der Senioren nicht, ihn in eine Reihe mit Namen wie Caspar David Friedrich, Gaugin oder Grieshaber zu stellen, „zumindest aus meiner Sicht“, wie er anfügte.

Rund zwei Jahre lang hatte Köster, bis vor Kurzem noch Leiter des Hauses, die Ausstellung „im lockeren Kontakt“ mit Willand entwickelt. Gezeigt werden nun 41 Holzschnitte, in denen neben mythischen und religiösen Motiven auch die Natur und der Mensch im Vordergrund stehen. Ein verbindendes Element ist die philosophische Prägung, die in allen Werken zum Ausdruck kommt, gleich ob sich Willand mit der heimatlichen Bergwelt beschäftigt oder Sprichwörtern zu tieferer Wahrnehmung verhilft. Ein Schmunzeln provozieren Illustrationen zu Sprüchen wie „Ein Weib schlagen ist keine Kunst, aber ein Weib nicht schlagen“ oder „Wenn einer einen Narren frisst – muss er ihn auch verdauen“. Erhaben zeichnet sich die dunkle Silhouette des Ifen vor einem feuerroten Hintergrund ab, der den Berg wie ein loderndes Flammenmeer umgibt. Brillant in Handwerk und Darstellung auch „Don Quichote oder der Verlust der Mitte“. Filigran gearbeitet ein „Großer Ziegenbock“, der dem Betrachter ins Auge blickend, ihm zugleich sein ausladendes Hinterteil entgegenstreckt. Ganz in Gedanken versunken zieht ein „Großer Wanderer“ seiner Wege, den Blick grübelnd auf den Boden gerichtet. Er habe den „Mut zur Langsamkeit“, attestierte Köster dem Bildhauer, der das Material zu begreifen suche und „das Thema mit dem Holzstück entwickelt“. Seine Vorbilder seien unter anderem Picasso und Kandinsky gewesen, die alle um die Kraft gewusst hätten, ein Phänomen, für das er sich zunehmend interessiert habe, verriet Willand. „Man kann sie sich nicht gefügig machen“, sie komme zu einem. Auf seiner Suche sei er immer wieder dem Einhorn begegnet, „meinem Symbol für Kraft“, erklärte der „Einhornjäger“, dessen Suche nach eigenem Bekunden noch nicht zu Ende ist. Der neue Leiter des Seniorenhauses, Karlheinz Frick, freute sich, dass er beim Gang durchs Haus „in nächster Zeit an so vielen Kraftorten“ vorbeikomme und versicherte, die Ausstellungstradition des Hauses fortzuführen. Mit archaischen Klängen gab Markus Noichl der gut besuchten Veranstaltung den passenden musikalischen Rahmen. Die Holzschnitte von Detlef Willand können noch bis zum 3. April im Haus der Senioren, Schützenstraße 2 in Kempten, besichtigt werden. Geöffnet ist die Ausstellung montags bis donnerstags jeweils von 8 bis 18 Uhr sowie an Freitagen von 8 bis 12 Uhr.

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