Lebende Installation

Ein ungewohntes Bild gibt derzeit der Innenhof der Kemptener Residenz ab. Statt einem kahlen, leeren Karree tummeln sich dort bis zum 13. September die Vierbeiner Rosi und Wally, zwei Vollblut-Araber. „Horses in Residence“ hat die Künstlerin Alexandra Vogt ihre lebende Installation genannt und spielt dabei mit dem Begriff „artist in residence“, bei dem Künstler temporär Quartier an einem Aktionsort beziehen.

Der Residenzhof sei eine Art Basiscamp „von dem aus wir rausgehen“, erklärte sie ihr Vorhaben, die während der Woche geplanten Fotoarbeiten in öffentliche Räume wie die Fußgängerzone oder das Freibad zu verlegen. Aber auch das Innere von Gebäuden hat sie nach eigenem Bekunden im Sinn, wobei ihr spontan die Galeria Kaufhof einfällt. Anders als bei ihren bisherigen Aufnahmen, die in den „geschützten Räumen“ von Ställen oder Koppeln entstanden, soll nun „das urbane Umfeld Kulisse sein“. Was dabei möglich sein wird, das sei noch offen. Die bisher thematisierte „schier unerfüllbare Sehnsucht gemeinsam mit dem Fluchttier Pferd in eine ungewisse aber erfüllte Zukunft aufzubrechen“, werde in dem neuen Zyklus verkehrt, da nun die Fliehenden sich selbst in der Außenwelt bewegen müssten. Eigentlich seien es ja „verhinderte Fluchttiere“, die „domestiziert“ seien, spinnt sie ihre Gedanken. Um das innere Rasenstück flattern Silberfolienstreifen am eingrenzenden Draht–Teil der Installation, als Hinweis auf das „romantische“ des Themas oder die „Aschenbrödel-Ästhetik“, wie Vogt erklärt. Ein anderes Rasenstück dient als kleine Koppel, auf der Rosi und Wally friedlich grasen wenn sie gerade nicht im Einsatz sind. Sie wirken noch ein bisschen abgekämpft. Kein Wunder, schließlich haben sie den Weg von Kammlach nach Kempten zu Fuß bewältigt, wie Vogt berichtet. Kontroverse Diskussion Heu liegt wettergeschützt im kleinen Stallzelt. Putzzeug, zwei Sättel mit Zubehör und ein „Pferd“ aus dem Geräteturnen neben einem weißen Igluzelt zeigen an, dass die Aktivitäten allmählich Gestalt annehmen. Die aktuelle Kunstaktion versteht sich als Fortsetzung einer Serie, die im Frühjahr mit der Ausstellung „myponyplay“ im Künstlerhaus Marktoberdorf zum Teil harsche Kritik bezüglich der Darstellungen hervorgerufen hatte. Die Assoziationen der Tadler hätten sie überrascht, meint Vogt, aber letztendlich sei Kunst ja dazu da anzuregen und „nicht nur zu gefallen“. Bei den Aktionen im Ort, ähnlich denen jetzt in Kempten, seien die Reaktionen jedenfalls positiv gewesen. Dort „haben uns zum Teil die Leute fotografiert wie wir fotografiert haben“, erinnert sie sich. Autobiographisches Thema Nach der Aktion in Marktoberdorf sind Sabine und Malin auch in Kempten mit dabei. Neu hinzugekommen sind die beiden Kemptenerinnen Cindy und Catherina. Was sie erwartet, wissen sie an Tag eins selbst noch nicht so genau. Vogt sieht in dieser Serie, die nur einen Teil ihres künstlerischen Schaffens darstellt, ein „autobiographisches, archetypisches Thema“ ihrer Arbeit. Die Kunstaktion „Horses in Residence“ mit Standort Residenzhof, läuft bis 13. September täglich 10 bis 18 Uhr.

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