Lebendige Geschichten

Als Dokumentation für die nächste Generation hat die zu den bedeutendsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts zählende Erika Groth-Schmachtenberger (1906 – 1992) ihre Fotografien verstanden. „BergLeben“ lautet der programmatische Titel der jüngst angelaufenen Ausstellung im Kemptener Alpinmuseum, in der 152 schwarz-weiß Fotografien aus den 1930er Jahren ihrer zweiten Heimat, dem Thannheimer Tal, gezeigt werden.

Als 17-Jährige war die gebürtige Freisingerin nach zahlreichen Versetzungen ihres als Realschullehrer tätigen Vaters schließlich mit der Familie in Kempten sesshaft geworden. In mehreren tausend Fotografien dokumentierte sie das ländliche Leben im Thannheimer Tal, wo sie vor allem während ihrer Jugendjahre viel Zeit verbracht hatte und dem sie immer verbunden geblieben war. „Sie ist eine begnadete Erzählerin“, meinte der Kemptener Antiquitätenhändler, Volkskundler und Sammler Dr. Manfred Felle, von dem ein Großteil der gezeigten Aufnahmen stammt, bei der Ausstellungseröffnung. Mit dem Blick für das Wesentliche ist es Groth-Schmachtenberger in der Tat gelungen, die abgelichteten Personen lebendige Geschichten erzählen zu lassen, den Betrachter teilhaben zu lassen an einer inzwischen verschwundenen Welt. Mit eigenen Erinnerungen fasste Magister Dr. Alfons Kleiner aus Thannheim in Tirol – ein Zeitzeuge und neben dem Museumsverein Thannheimer Tal ebenfalls Leihgeber von Exponaten – das fotografisch Eingefangene für die über 200 Eröffnungsgäste auch in Worte. Lebhaft schilderte er die „bittere Armut“ der Menschen, die Entbehrungen, die harte Arbeit aber auch die kleinen Freuden, die deren Leben geprägt hatten. Das harte Dasein spiegelt sich zweifellos in allen Gesichtern der portraitierten Menschen, vom Kind bis zum Greis, wieder. Und doch macht die Bildkünstlerin zugleich eine Zufriedenheit in den Zügen sichtbar, die vielen Menschen heute fehlt. Vielleicht ist gerade diese einfache Bescheidenheit, die Groth-Schmachtenberger mit menschlicher Wärme einzufangen vermochte, das Momentum, das die 2007 gezeigte Ausstellung mit den im Vergleich eher beobachtend als eintauchend wirkenden Aufnahmen ihrer Zeitgenossin Lala Aufsberg, bereits erfolgreich machte. "Nie mehr zu sehen" Der entbehrungsreiche alpine Arbeitsalltag von Erwachsenen wie Kindern strahlt bei Groth-Schmachtenberger ebenso viel Menschlichkeit aus, wie die ausgelassen springenden Kinder auf dem Schulweg, beim Skifahren oder bei der Brotzeit im Familienkreis. Sie bewegen sich in einer gleichberechtigt festgehaltenen Landschaft, die „so nie mehr zu sehen sein wird“, wie ein Ausstellungsbesucher anmerkte. In einem separaten Raum werden begleitend zur Ausstellung drei Filme des BR über Heuziehen im Allgäu, Hütekinder und die Alpe Gund, gezeigt. „BergLeben“ ist bis zum 1. November im Alpinmuseum zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr.

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Schnell eingliedern mit "LASSE"

Kempten – Christian Kühn ist ein ganz normaler Mann. Täglich pendelt der 33 Jahre alte Familienvater von Füssen nach Kempten zur Arbeit. In der …
Schnell eingliedern mit "LASSE"

Kommentare