Lebhafte Debatte

Wie bereits berichtet, ist Altusried in zwei Lager gespalten. Die umstrittene Neugestaltung des Rathausplatzes polarisiert die Bürger genauso wie die Verantwortlichen in Gemeinderat und Bürgerteam. Das hat Prof.. Zettler vorausgesehen, denn nach seiner Erfahrung wird jede innovative Lösung von denjenigen kritisiert, die am Bewährten und Bestehenden festhalten wollen, erklärte er jetzt bei einer Bürgerversammlung.

Er sei bei seiner Planung von mehreren Fakten ausgegangen wie der Nutzung leer stehender Bausubstanz, der demographischen Entwicklung, Wohnraum für junge Familien, Konzentration von Discountern am Ortsrand und der Vorgabe „Priorität der Innenentwicklung vor Außenentwicklung“. Nicht zu vergessen sei die Finanzierbarkeit. Das Modell, das sich bisher in allen Diskussionen durchgesetzt hat, bringt mit der Entscheidung pro oder kontra Erhält des Rathauses das größte Problem mit sich. Die meisten Wortmeldungen in der Bürgerversammlung galten diesem heiklen Thema. Adolf Birker, Sprecher der Bürgerinitiative, sah in erster Linie die horrenden Baukosten, die auf die Gemeinde zukommen, und schlug vor, andere Standorte wie den Parkplatz unterhalb des Friedhofes auf Tauglichkeit zu prüfen. „Jeder will zum Einkaufen direkt bis vor den Eingang fahren, das sollte man bei der Planung berücksichtigen“, gab der pensionierte Topmanager der Champignon Käsereien zu bedenken. Ein anderer Bürger warf ein, dass ein Vollsortimenter im Ortskern das Aus für die anderen Geschäfte bedeuten würde, ein dadurch entstehendes Monopol automatisch mit einem Preisdiktat verbunden sei. Ex-Gemeinderat Christian Uhl sah Altusried in eine Schuldenfalle tappen und bezeichnet das Projekt als Totgeburt. Heribert Hartmann, Architekt und aktiver Gemeinderat, berichtet von der letzten Sitzung, dass das Anwesen Sailer nicht zum Verkauf stehe, daher noch keine Entscheidung getroffen werden könne. Ex-Bürgermeisterkandidatin Britta Krull fragte hingegen: „Macht es Sinn, ein intaktes Gebäude abzureißen“?, fragt sie in die Runde im vollbesetzten „Rössle-Saal“. Fridolin Daiser sah den Aspekt der Investitionen für ansässige Handwerker bei einem solch großen Bauvorhaben zu wenig berücksichtigt, Kreisrätin Claudia Gschwind fragt nach den bisherigen Kosten für die Studie. Otto Kutzer macht sich Sorgen, wo denn der Schützenverein in Zukunft beheimatet sein soll, wenn es das Rathaus nicht mehr gibt. Wichtige Innerortsentwicklung Hildegard Kreiter macht sich als ehemalige stellvertretende Landrätin zur Anwältin der Senioren, Matthias Brack ist Gemeinderat und brach eine Lanze für die Jugend. Seit langer Zeit ist Kreisrat Hugo Wirthensohn in der Kommunalpolitik. Der Förster betonte nochmals den Vorrang der Innerortsentwicklung weil Altusried eben nicht zum Speckgürtel von Kempten, Memmingen oder Leutkirch gehöre, und wagte einen Blick in die Zukunft: „Jede Entscheidung, die auf die lange Bank geschoben wird, bedeutet höhere Kosten.“ Die praktische Seite des Planungsvorhabens beschäftigte Alfons Hartmann. Er wünschte sich ein Modell im Rathaus, das man von allen Seiten begutachten kann um sich so ein Bild zu machen. Dr. Hauke ist hemmungsloser Optimist und fragt nach der Verwendung der Gewinne der Freilichtbühne in zwanzig Jahren, wohingegen Wolfgang Hutter konkrete Zahlen auf dem Tisch sehen will, was die Haushaltssituation, die pro Kopfverschuldung und die Kreditverbindlichkeiten anbelangt. Aus der Sicht der CSU machte sich Ortsvorsitzender Gerhard Mösle Gedanken über das steigende Verkehrsaufkommen im Ortskern und befürchtete, dass bei geändertem Einkaufsverhalten in ein paar Jahrzehnten der neue Vollsortimenter genauso leere stehen könnte wie jetzt schon EDEKA. Noch keine Entscheidung Zum Modell stellte Bürgermeister Heribert Kammel fest, dass die Entscheidung noch nicht gefallen sei, welches Modell sollte also gebaut werden? Die Finanzen, die immer wieder angesprochen wurden, schilderte er so: „1400 Euro pro Kopf Verschuldung entspricht dem Landkreisdurchschnitt, dem stehen Investitionen von 54 Millionen gegenüber, von denen jeder was hat“. Und das leidige Thema Freilichtbühne handelt er so ab: „Es sollte sich rumgesprochen haben, dass sie sich selber trägt, wir sind bei der Tilgung im Plan.“ Die Studie habe 60000 Euro gekostet, die Schützen lasse man nicht im Regen stehend schießen, und man hoffe auf Investoren, weil die Gemeinde einen solchen Brocken nicht alleine schultern könne, zog Kammel den Schlussstrich unter einen langen Abend.

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