Letzter Neujahrsempfang der Bundeswehr in Kempten

Der Abschied naht

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Wir packen nicht, sondern wir packen es!“ Das ist die Haltung des Gebirgssanitätsregiments 42 „Allgäu“ zu ihrem Abschied aus Kempten. Kommandeur Oberfeldarzt Dr. Tobias Gamberger fand anlässlich des letzten Neujahrsempfangs seiner „Truppe“ die passenden Worte zu dem sicherlich vielen nicht leicht fallenden Abzug.

Ein letztes Mal hatte heuer das Gebirgssanitätsregiment 42 „Allgäu“ aus Kempten unter seinem Kommandeur, Oberfeldarzt Dr. Tobias Gamberger, zum traditionellen Neujahrsempfang des Bundeswehrstandortes Kempten Gäste aus Kempten und den Landkreisen in den Fürstensaal der Residenz eingeladen.

Alle Gäste, Honoratioren und Ehrengäste folgten dieser Einladung, wird doch zu Ende dieses Jahres, nach einer 200-jährigen Tradition Kemptens als Garnisonsstadt, dieser Standort aufgrund der Neuausrichtung der Bundeswehr geschlossen. Übrig bleiben wird dann nur noch ein Karriereberatungsbüro in der Fischerstraße. Seit

1807 war Kempten eine ständige Garnisonsstadt und gehörte zu den ältesten und traditionsreichsten Standorten Bayerns. Zudem gilt dieser Standort als „Wiege der Gebirgstruppe“. Ab 1956 wurde Kempten wieder ein durchgehender Standort, der eine Vielzahl von Verbänden, Truppenteilen, Dienststellen und Behörden der Wehrverwaltung beheimatete. Bis zuletzt verblieben das Gebirgssanitätsregiment 42 „Allgäu“ und das Kreiswehrersatzamt in der Iller-Stadt. Heuer gab es nun eine letzte Festansprache, die Kommandeur Oberfeldarzt Dr. Tobias Gamberger vom Gebirgssanitätsregiment 42 „Allgäu“ an die mehrere hundert geladenen Gäste hielt. Es war ein Resümee, verbunden mit einem Ausblick, an welchen Stellen die Soldaten des Sanitätsregimentes 42 zukünftig ihre Heimat finden werden. 

Ab dem 1. Juli 2015 beginnt die Phase der Auflösung des Gebirgssanitätsregiments mit gleichzeitiger Aufstellung der Kompanien 6 und 9 in Dornstadt (BW) im dortigen, vor zwei Monaten neu aufgestellten Sanitätsregiment 3. Bis dahin aber, so betonte es Kommandeur Gamberger wird in Kempten normaler Dienst abgeleistet, das heißt, es werden weiterhin Soldaten in die Grundausbildung betreut und junge Sanitätsoffiziere weitergebildet. Einen Höhepunkt der diesjährigen Tätigkeiten bildet die Übung „Alpeneck 2015“, bei der Rettung, Versorgung und Transport aus schwierigem, kaum zugänglichen Gelände trainiert wird. Diese Übung findet auf dem Terrain des Gebirgsübungsplatzes Reiteralpe bei Berchtesgaden statt. 

40 Soldaten des Gebirgssanitätsregiments 42 waren im Jahr 2014 weltweit aktiv im Einsatz. Besonders viele davon auf dem Balkan im Kosovo. Hier war das Regiment letztmalig in seiner Geschichte Leitverband für alle dort eingesetzten Sanitätskräfte. „Immer war es unser Regiment, das als Leitverband, sei es im Kosovo oder in Afghanistan im Einsatz war, was uns mit großem Stolz erfüllt“, sagte dann in seiner Ansprache ein sichtlich bewegter Kemptener Oberbürgermeister Thomas Kiechle, der es „tief bedaure“ nur den einen „letzten“ Neujahrsempfang in seiner neuen Funktion als Kemptens Stadtoberhaupt begleiten zu dürfen. „Ich habe meinen Wehrdienst selbst am Standort Kempten abgeleistet, weiß um die Qualität der Ausbildung unserer Kaserne und muss doch heute, selbst in der Verantwortung, den Abschied der Bundeswehr aus meiner Stadt mit ansehen. Noch in diesem Jahr muss der Stadtrat über die weitere Nutzung des Geländes der Ari-Kaserne am Berliner Platz ent- scheiden. Dabei stellte sich bei Voruntersuchungen immer mehr heraus, dass sich diese freiwerdenden Flächen zur gewerblichen Nutzung geradezu anbieten“, so das Fazit des OBs hinsichtlich der weiteren Nutzung der innerstädtischen Bundeswehrareale nach einer Konversion. 

Von Kempten nach Dornstadt 

Da die Mehrzahl der in Kempten stationierten Soldaten und Soldatinnen im Sanitätsregiment 3 in Dornstadt ihre neue Heimstatt finden, freute sich Kommandeur Gamberger den neuen leitenden Kommandeur des Sanitätsregimentes 3, Oberfeldarzt Dr. Thorsten Schütz, unter den Gästen begrüßen zu dürfen und bat diesen  für ein Grußwort an das Rednerpult. Dr. Schütz verwies auf die lange „freundschaftliche Bande“ des Regiments mit der Allgäu-Metrople. „Der Abschied fällt schwer“, musste dann auch dieser eingestehen und fügte hinzu: „Wir werden schnell, aber nicht überhastet abziehen. Wir werden aber immer nach vorn schauen, gemäß unserer Haltung: ‘Wir packen nicht, sondern wir packen es!’“. Oberfeldarzt Dr. Tobias Gamberger konnte dann noch mit einer freudigen Ankündigung aufwarten.  Am 19. November wird es auf dem neu gestalteten Hildegardplatz einen letzten Zapfenstreich mit Musik- chor bei Fackelbeleuchtung geben. Sicher ein würdiger Rahmen zum Ende der Kemptener Bundeswehr-Ära und eine gute Gelegenheit für alle Kemptener und Kemptenerinnen Abschied zu nehmen. In einem erst  kürzlich gegründeten „Traditionsverband Ehemaliger und Freunde des Standortes Kempten e.V.“ soll die Erinnerung an diese Zeiten zudem aufrecht erhalten werden.  Jörg Spielberg

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