Neujahrsempfang der FDP

Die neue Bescheidenheit

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FDP-Landesvorsitzender Albert Duin macht den Kemptener Liberalen im Wahljahr Mut.

Kempten – Nach der historischen Niederlage bei der vergangenen Bundestagswahl hat es die FDP besonders schwer. Dieses Desaster soll sich bei der Kommunalwahl im März nicht wiederholen.

Die Kemptener Liberalen gaben sich bei ihrem Neujahrsempfang am Freitagabend im Müsiggengelzunfthaus keineswegs niedergeschlagen, sondern selbstbewusst. Festredner war Albert Duin, der neue Landesvorsitzende der FDP Bayern. Doch zunächst wurde es kommunalpolitisch: „Die Lage für das Möbelhaus XXXLutz am Haslacher Berg hätte es mit uns nicht gegeben“, verdeutlichte Dr. Dominik Spitzer, Kreisvorsitzender der FDP Kempten, in seiner Ansprache. „Mit uns wird es keine Luxusprojekte wie den Eingangsbereich der Stadtverwaltung geben.“ Ziel sei die Schuldenfreiheit bis zum Jahr 2020. „Wer eine Tiefgarage in der Rottachstraße möchte, muss damit rechnen, dass die Pendler dafür bezahlen müssen“, erklärte der Stadtrat. Die Liberalen seien die perfekte Partei. „Ohne FDP wird es in Deutschland nicht gehen.“ Für 2014 wünsche er sich einen Stilwechsel. 

„Wir werden einen fairen und sachlichen Wahlkampf führen“, versprach Ullrich Kremser, Oberbürgermeisterkandidat der FDP. Bürgernähe, Transparenz und solide kommunale Finanzen seien für die Partei von großer Bedeutung. „Wichtig ist, eine neue Bescheidenheit zu kreieren und nicht alles mit dem Füllhorn auszuschütten“, so Kremser. Kempten brauche mehr produzierendes Gewerbe, da dies wichtig für die Gewerbesteuer sei. Er forderte wohnortnahe Pflegeangebote und kurze Schulwege für Kinder. „Der Antrag zum Ratsbegehren gegen die Tiefgarage unter dem Hildegardplatz kam damals von der FDP“, erinnerte er einmal mehr. Das Bundeswehrgelände biete nach dem Abzug der Truppen gute Möglichkeiten für produzierendes Gewerbe. „Der XXXLutz wäre dort besser aufgehoben.“ Die Fläche am Haslacher Berg eigne sich stattdessen besser für die Hochschule. Die FDP biete allen im Stadtrat die Zusammenarbeit an. „Wir bilden hier die Basis der Erfolge der FDP im Land, im Bund und darüber hinaus“, betonte Kremser. 

Die Kommunen stärken 

Albert Duin, neuer Landesvorsitzender der FDP Bayern, schloss sich seinem Vorredner an. „Ich rede die ganze Zeit davon, dass die Kommunen das Wichtigste in Deutschland sind.“ Er habe sich gefragt, wie liberal Kempten ist. „Dann las ich, dass hier die letzte Hexe verbrannt werden sollte. Sie wurde aber begnadigt, was für Liberalität spricht“, scherzte Duin. Bei der bayerischen Landtags- und der Bundestagswahl habe die Partei „eine richtige Klatsche“ bekommen. „Die Basis hat vielleicht mit dazu beigetragen, dass wir die da oben nicht richtig eingebremst haben. Wir haben uns dann selbst nicht mehr herausgetraut und über die eigenen Leute gelästert.“

 Das Klientel der FDP seien alle Menschen in Deutschland, aber nicht der Staat. „Die wirkliche Macht geht von der Kommune, vom Bürger aus“, sagte der Unternehmer. Man müsse die Wirtschaft kommunal stärken. Er könne nur davor warnen, große Konzerne in kleinen Gemeinden anzusiedeln. „Wir brauchen in Deutschland unbedingt eine größere Allgemeinbildung. Die Leute waren alle schon auf den Malediven, aber fragen Sie mal, wie die Hauptstadt der Tschechei heißt.“ Er müsse nun versuchen, die Partei auf einen Level des gegenseitigen Vertrauens zu bringen. Ideen sollten transportiert werden, denn in München frage niemand: „Was halten Sie von dem Loch in Kempten?“ Duin forderte seine Parteifreunde zu mehr Aktivität auf: „Ihr müsst raus aus den Kammern und unter die Leute.“

Franziska Kampfrath

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