Liberale schießen zurück

Ladengeschäft zu vermieten: Die Schließung zahlreicher Schleckerläden – wie hier in der Mozartstraße – hat der FDP viel Kritik eingebracht. Jetzt wehren sich die Kemptener Liberalen dagegen. Foto: Matz

Die heftige Kritik quer durch alle Parteien an der ablehnenden Haltung der FDP zu einer Auffanggesellschaft für Schlecker-Mitarbeiter beschäftigte vergangene Woche auch den Kemptener Kreisvorstand der Liberalen. Dabei verteidigten sowohl Bundestagsabgeordneter Stephan Thomae als auch die beiden Kemptener Stadträte Ullrich Kremser und Dr. Dominik Spitzer das Nein der Partei zu der geplanten Transfergesellschaft für die etwa 11 000 Schlecker-Frauen. Im Gegenzug warfen sie CSU, SPD und der Gewerkschaft ver.di Populismus vor.

Nach dem deutlichen Nein der bayerischen Liberalen zu einer staatlich unterstützten Auffanggesellschaft für etwa 11 000 Schlecker-Mitarbeiter war die Entrüstung groß: Von parteitaktischen Manövern und „sozialer Kälte” sprach unter anderem der Kemptener Staatskanzleichef Thomas Kreuzer gegenüber dem „Hamburger Abendblatt”. Mitte vergangener Woche schlug die Kemptener FDP zurück: So sieht Stadtrat Dr. Dominik Spitzer vor allem die Dienstleistungs-Gewerkschaft ver.di in der Pflicht, die vor zwei Jahren zu einem Boykott von Schlecker aufgerufen habe, um gegen die Arbeitsbedingungen und Löhne zu protestieren. „Die Schlecker-Mitarbeiterinnen sollten sich also zunächst einmal bei ver.di bedanken“, so Spitzer. „Der Boykott war so erfolgreich, dass die Kunden am Ende Schlecker gemieden haben und ihr Arbeitgeber in die Insolvenz getrieben wurde.“ Der Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae warf Vertretern von CSU und SPD hingegen Populismus vor: „Ich kann verstehen, dass Politiker, die etwas weniger Rückgrat besitzen und etwas populistisch veranlagt sind, nun der Versuchung nicht widerstehen können sich bei 11 000 Schlecker-Beschäftigten bundesweit zu profilieren“, kritisierte der Sulzberger. Sein Verständnis von Politik sei es jedenfalls nicht, „sein Fähnchen immer nach dem Wind zu richten.“ Eine Transfergesellschaft sei seiner Ansicht nach nur dann sinnvoll, wenn die örtliche Arbeitsagentur durch die plötzliche Insolvenz eines Großunternehmens schlagartig vor tausenden Arbeitslosen stünde. Im Fall von Schlecker seien die 11 000 Betroffenen aber über das ganze Bundesgebiet verstreut, sodass nicht nur eine Arbeitsagentur, sondern zahlreiche betroffen seien und somit keine vor unlösbaren Aufgaben stehe. „Der Fall Schlecker ist kein Fall für eine Transfergesellschaft, sondern genau für solche haben wir die Arbeitsagentur“, betonte der Bundestagsabgeordnete. Stadtrat Ullrich Kremser verwies dagegen auf die gute Arbeitsmarktlage, insbesondere im Allgäu. „Ich sehe angesichts der niedrigen Arbeitslosenzahlen im Allgäu aber für die örtlichen Schleckerfrauen gute Chancen, sehr rasch wieder eine Anstellung zu finden, die hoffentlich auch besser bezahlt sein werden als die bekanntermaßen niedrigen Schlecker-Löhne.“ Bei genauer Betrachtung der Umstände sei die Haltung der FDP also die einzig richtige gewesen, so Kremser weiter.

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