"Alarmbereitschaft" wenn's heiß wird

Das Auge des Katastrophenschutzes

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Bruno Eckl (Stellvertretender Stützpunktleiter Kempten/Durach), Roland Hölzle, Peter Kleiner (Stellvertretender Flugbereitschafts- und Stützpunktleiter Donauwörth), Michael Summa (Stützpunktleiter Kempten/Durach) und Daniel Schwenzel vor der örtlichen Einsatzmaschine, einer viersitzigen Robin DR400.

Fast 40 Grad im Schatten, das bedeutet für die einen: Ab in den See! Für Luftbeobachter, ihre Einsatzpiloten und die Feuerwehren heißt es hingegen: Alarmbereitschaft!

Denn für ganz Schwaben wurde Waldbrandgefahrenstufe 5 ausgerufen – die höchste, die es gibt. Deshalb mussten die Luftbeobachter des Regierungsbezirks Schwaben ihren Fortbildungslehrgang am Duracher Flugplatz, zu dem sie am Samstag zusammengekommen waren, gleich noch mit Einsatzflügen verbinden. 

„Luftbeobachter sind sozusagen das Auge des Katastrophenschutzes“, erklärt Daniel Schwenzel. Der erfahrene Pilot, der den Titel „Flugbereitschaftsleiter Schwaben der Luftrettungsstaffel Bayern Deutscher Beobachtungsdienst“ trägt, koordiniert als solcher von Donauwörth aus die drei schwäbischen Stützpunkte der Luftrettungsstaffel. Diese befinden sich in Kempten/Durach, Illertissen und Genderkingen/Donau-Ries. 

Von hier aus sind insgesamt rund 20 Luftbeobachter (LBO) und ebenso viele Einsatzpiloten ganzjährig ehrenamtlich im Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, aus niedriger Flughöhe Waldbrände möglichst frühzeitig zu erkennen (z.B. anhand aufsteigender Rauchfahnen), Brandstellen zu lokalisieren, die Feuerwehren zu alarmieren und diese aus der Luft per Funk an den Schadensort zu führen. „Brandursachen können etwa Zigarettenkippen sein, ebenso wie weggeworfenes Glas oder Kunststoff, die beide durch eine Brennglaswirkung Feuer verursachen können. Wenn Sie so etwas liegen sehen – bitte aufheben und mitnehmen!“, appelliert Daniel Schwenzel. 

Auch Autos, die etwa beim Bade- oder Wanderausflug auf trockenen Wiesen geparkt werden, stellen ein Risiko dar. „Wenn Kat oder Auspuff heiß sind, herrschen darunter Temperaturen von um die 100 Grad.“ Neben der Prävention von Waldbränden umfasst das Einsatzgebiet der LBO-Teams auch die Bereiche Hochwas- ser, Gewässerverschmutzung, Großbrände, Lawinen und Muren oder die Schadensfeststellung nach Unwettern, schweren Stürmen und dergleichen. Amtliche Luftbeobachter sind speziell ausgebildete Mitarbeiter aus Kreisverwaltungsbehörden, der Forstverwaltung, dem THW oder aber Feuerwehrleute. Diese Idealisten, die grundsätzlich einen stabilen Magen haben sollten, durchlaufen eine straffe Ausbildung an der Staatlichen Feuerwehrschule in Würzburg und müssen sich regelmäßig in Theorie und Praxis fortbilden – wie etwa bei der aktuellen Übung, die alljährlich abwechselnd an den drei schwäbischen Stützpunkten durchgeführt wird. 

An diesem Wochenende müssen die Teilnehmer zunächst Navigationsaufgaben lösen, wobei grundlegende, aber fast schon antiquierte Methoden der Koordinatenberechnung mit Papierkarte und Geodreieck aufgefrischt werden. Dabei sind die LBO-Teams in Durach seit kurzem in der glücklichen Ausnahmesituation, bei ihrer Arbeit auf digitale Medien zurückgreifen zu können. Dank des hartnäckigen Engagements Roland Hölzles von der Verwaltungsstelle für Luftbeobachter am Landratsamt Oberallgäu, steht ihnen ein Tablet mit einer speziellen, auf Kartenmaterial basierenden und nur 20 Euro teuren App zur Verfügung. Diese bietet laut Hölzle „eine enorme Effizienzsteigerung und Arbeitserleichterung für alle Beteiligten“. Die Fähigkeit, mit Papierkarten zu arbeiten, werde immer ein äußerst wichtiger Schwerpunkt bleiben, „aber es kann nicht sein, dass wir auf dem alten Standard stehen bleiben. So ein Gerät sollte jede Staffel haben!“ findet er. „Leider sieht das zuständige Ministerium keine Notwendigkeit, auf neue Medien umzustellen. Vielleicht muss das die niedrige Verwaltung selbst in die Hand nehmen.“ 

"Enorme Belastung" 

Nachdem jedes Team die erste Aufgabe gemeistert hat, steht das Führen von Einsatzfahrzeugen aus der Luft auf dem Plan. Und bereits in der Früh wissen alle Teilnehmer, dass nachmittags auch noch der Ernstfall ansteht: Auf Anordnung der Regierung von Schwaben im Einvernehmen mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten müssen wegen der sehr hohen Waldbrandgefahr „echte“ Luftbeobachtungsflüge flächendeckend im ganzen Regierungs- bezirk durchgeführt werden. „Die Bedingungen im Cockpit stellen bei solch einer Bruthitze eine enorme Belastung für den Organismus der Insassen dar“, weiß Daniel Schwenzel. „Stellen Sie sich vor, sie hatten das Auto zwei Stunden lang in der prallen Sonne stehen und fahren dann bei geschlossenen Fenstern und ohne Klimaanlage auf einer holperigen Wiese weiter…“.  Sabine Stodal

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