Die Macht kontrollieren

„Die Zockerbude Finanzmarkt schließen“ will der Allgäuer Regionsvorsitzende der Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Werner Gloning. Wie er im Rahmen der traditionellen DGB-Jahrespressekonferenz am Faschingsdienstag erklärte, seien das und mehr staatliche Kontrolle der wirtschaftlichen Macht die Kernziele des DGB dieses Jahr.

Dietmar Jansen von der IG-Metall will mit seiner Gewerkschaft vor allem Kündigungen im Zuge der Wirtschaftskrise verhindern. Jutta Aumüller und Manfred Heeb von ver.di bezeichneten das Auslagern von Dienstleistungen als ein großes Problem. Dass der Staat seinen Einfluss auf die Wirtschaft stärkt und ein Konjunkturpaket geschnürt hat, befürwortete Gloning. Seltsam sei nur, dass der DGB dererlei Maßnahmen schon in der Vergangenheit gefordert habe. Als ewig gestrig und falsch habe die Politik diese Ideen damals bezeichnet, nun setzte die große Koalition sie selbst um. Sein Kritikpunkt: Das Konjunkturpaket sei nicht umfangreich genug. Gerne hätte es doppelt so groß sein können, meinte der DGB-Regionsvorsitzende und fügte an: „Wir hätten uns mehr Investitionen gewünscht.“ Sorgen um Leiharbeiter Was ihn wütend mache sei, dass diejenigen, die nicht vor der Krise gewarnt hätten, nun plötzlich mit guten Ratschlägen zur Hand seien. Es dürfe zudem nicht sein, dass Banken Hilfen aus Steuergeldern bekommen und dann den Betrieben keine oder nur überteuerte Kredite gewähren, ergänzte IG-Metall-Bevollmächtigter Dietmar Jansen. Zum Glück gebe es im Allgäu nicht allzu viele Automobilzulieferer, so Jansen, denn die habe die Krise sehr früh getroffen. Trotzdem: Nun fangen bereits die ersten Maschinenbauer an, Kurzarbeit zu beantragen. Besonders betroffen seien die Leiharbeiter. Stolz präsentierte Jansen Verträge etwa mit Deckel Maho in Pfronten, die für Leiharbeiter weit bessere Arbeitsbedingungen festlegen als bisher. Angesichts der Wirtschaftslage sei es nun aber das Ziel der IG Metall, die Leiharbeiter überhaupt in den Betrieben zu halten. 10000 Leiharbeiter habe seine Gewerkschaft im vergangenen Jahr bundesweit werben wollen, 25000 hätten sie letztendlich aufgenommen. 5290 neue Mitglieder habe die IG-Metall in seinem Zuständigkeitsbereich im vergangenen Jahr verzeichnet. 9500 seien im Moment bei der Verwaltungsstelle gemeldet. Besonders stolz zeigte er sich über den hohen Jugendanteil von 13 Prozent. Das Ziel sei jetzt, dafür zu sorgen, dass die Angestellten nach der Kurzarbeit nicht entlassen werden. Die Zeit der Kurzarbeit müsse unbedingt genutzt werden, um Mitarbeiter zu qualifizieren, so Gloning weiter. In der Industrie fehlten schließlich Fachkräfte, weil man lange versäumt habe, welche auszubilden. Mit dem Thema Outsourcing muss sich der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di herumschlagen. Bei Pflegeheimen etwa werden etwa Putzfrauen oft in externe Gesellschaften ausgelagert, so Geschäftsführerin Jutta Aumüller. Ihr Kollege Manfred Heeb sah das selbe Problem bei der öffentlichen Hand, die etwa Winter-Räumdienste auslagere. „Es geht um die Kohle“, meinte Aumüller. Viele billige private Anbieter drängen auf den Altenpflege-Markt, denn leider sei auch die Altenpflege ein Geschäft. Werner Gloning versprach, dass der DGB sich dieses Jahr „massiv in die Bundestagswahl einmischen“ werde. Auch die Europawahl sei sehr wichtig. Den Partei-Slogan „Sozial ist, was Arbeit schafft“ bezeichnete er als teuflisch, denn nicht von jeder Arbeit könne man auch leben. Ebenso teuflisch sei der Spruch „Mehr Netto vom Brutto“, denn der Staat könne es sich nicht leisten, auf Geld zu verzichten. „Mehr Brutto gibt mehr Netto“, müsse es daher heißen, ergänzte Manfred Heeb.

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