"Man kann über alles reden"

Im Praktiker-Markt in der Wiesstraße werden derzeit noch die Restposten verkauft. Ab Mitte Oktober soll es dann in der Ulmer Straße weitergehen. Foto: Matz

„Bis zu 50% reduziert“ oder „Verkaufsregal für 5 Euro“ ist auf leuchtend roten Plakaten zu lesen. Die wenigen Kunden können durch drei, vier riesige leere Regale fast bis zur gegenüberliegenden Wand hindurchschauen. Die triste Atmosphäre im Praktiker-Markt passt zur Situation des Baumarktes: Da der neue Praktiker-Markt in der Ulmer Straße bereits Mitte Oktober eröffnen soll, werden derzeit in der Wiesstraße die Reste raus gehauen, dann ist Schluss. „Der Abverkauf übertrifft unsere Erwartungen“, so Praktiker-Sprecher Harald Günter. Weniger groß dürfte dagegen bei Florian Gaukel von Wirth Immobilien die Freude über den gutgehenden Ausverkauf sein. Bedeutet er doch, dass sich Gaukel schon bald nach einem Nachmieter umsehen muss – aufgrund der restriktiven Vorschriften für das Areal kein sonderlich einfaches Unterfangen.

Für Immobilienmakler und mögliche Mieter ist das Siegel, dass die Bauverwaltung dem Praktiker-Gelände in der Wiesstraße aufgedrückt hat, eine enorm hohe Hürde: Der Bebauungsplan, der das gesamte Areal als „Mischgebiet“ ausweist, sieht für das Grundstück unmittelbar am Ring ausschließlich eine Sondernutzung für einen Bau- und Gartenmarkt vor, erläuterte Antje Schlüter, Leiterin des Stadtplanungsamtes. Büros oder Wohnungen seien seinerzeit verboten worden. „Denn vor allem das Thema Lärmschutz ist prägend für diese Fläche“, so Schlüter am Montag gegenüber dem KREISBOTEN. Außerdem sei das Grundstück relativ klein, was zu Problemen bei den Abstandsflächen führe. Die Ansiedlung von Einzelhandel sei vor dem Hintergrund des Einzelhandelsgutachtens an der Ecke Wiesstraße/Schumacherring ebenfalls untersagt. "Intensive Gespäche" Sätze, die Florian Gaukel von Wirth Immobilien nicht gerne hören dürfte. Er ist derzeit auf der Suche nach einem Nachmieter für das Gebäude mit seinen 3800 Quadratmetern Innenbereich. Es gebe bereits „intensive Gespräche“ mit möglichen Interessenten, berichtete er vergangene Woche. Um wen es sich dabei handelt, wollte er nicht verraten. Allerdings machte er keinen Hehl daraus, dass der Einzug eines Einzelhändlers deutlich mehr Geld bringen würde als wenn das Gelände beispielsweise als Lager genutzt würde. „Die Belastungen sollten sich tragen“, betonte Gaukel. „Wir wollen eine vernünftige Nutzung auch für die Stadt.“ Deshalb werde man in den kommenden Wochen das Gespräch mit der Bauverwaltung suchen, um auszuloten, was in der Wiesstraße möglich ist und was nicht. Die Kemptener Bauverwaltung steht den Gesprächen anscheinend offen gegenüber. „Mit uns kann man über alles reden, nur nicht über Einzelhandel“, sagte Antje Schlüter. Dass der Bebauungsplan geändert werde, sei sehr wahrscheinlich. Nur werde das die Bauverwaltung kaum aus eigenen Stücken tun. „Ohne konkreten Entwicklungsvorschlag werden wir nichts ändern“, erklärte Schlüter. Heißt konkret: „Der Investor müsste eine gute Lösung vorzeigen.“

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