Um die MSC-Bürgerbeteiligung abzusichern, fand die Sitzung im Kurhaus statt

Marathonsitzung des Gemeinderats

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Befürworter und Gegner waren zahlreich zur Gemeinderatssitzung erschienen.

Isny – Zwei Meinungen stehen sich in Isny wieder einmal gegenüber. Der denkbar kleinste Nenner der Gemeinsamkeiten ist dabei offensichtlich, dass der Motorsportclub ein Trainingsgelände besonders für den Nachwuchs braucht. Natürlich nicht da, wo Motorenlärm stören würde, zumal nach der Meinung vieler Gegner diese Art der Sportausübung nicht mehr zeitgemäß sei.

Da ist der Bürgermeister auf einem Dauerplatz zwischen den Stühlen. Er hat auch die Aufgabe für die Vereine seiner Stadt zu sorgen und ebenfalls für das Wohl der anderen Bürger. Lange dauert der Streit um einen Standort nun schon an und die Verwaltung hat mehr als 20 Standorte ins Auge gefasst. Die meisten waren aus sehr unterschiedlichen Gründen schnell vom Tisch. Isny ist umgeben von Landschaftsschutzgebieten, Vogelschutzgebieten und touristisch wertvollen Erholungsgebieten, ganz abgesehen davon, dass primär auch an die Anlieger und ihr Ruhebedürfnis gedacht werden sollte. Man will keinem vor den Kopf stoßen, weder den Motorsportlern noch den Anwohnern und irgendwie will in dieser Frage wieder niemand den „Schwarzen Peter“ zugesteckt bekommen.

In dieser Ecke des städtischen Areals läuft die B12 durch und die Maierhöfener Straße dient bei Tunnelsperrung als Umleitungsstrecke mit entsprechendem Verkehrsaufkommen. Dort einfach noch einen Geräuschpegel drauf zu setzen, erscheint den Gegnern als unfair. Eine weitere Strecke, „Am Lochter“, kam auch ins Gespräch, Da wäre wegen Landschafts- und Tierschutz eine einjährige Untersuchung die Voraussetzung und eine Stellungnahme der Umweltbehörden nach mindestens einem Jahr zu erwarten. SPD-Gemeinderat Edwin Stöckle brachte den Vorschlag zur Abstimmung vor, um nun endlich eine klare Linie zu sehen. Dr. Alexander Sochor, Fraktionssprecher der CDU, stimmte dem zu. Sibylle Lenz von den Freien Wählern schlug vor den Platz zwar einzurichten, aber nur wenn der MSC auf Elektrofahrzeuge umstellt.

Walter Kolb vom MSC machte deutlich, was an Technik noch fehlt, um das verwirklichen zu können. In fünf Jahren vielleicht, aber noch haben im Rennsport Verbrennungsmotoren die Nase vorn, von den Kosten einmal ganz abgesehen. Dann hatte Gebhard Mayer einen weiteren Vorschlag parat. Das Gelände Richtung Biesenweiher ganz herauszunehmen, einen „Grünen Tisch“ zu organisieren und mit Stadt, MSC und Gegnern nach einer Lösung wie der Strecke „im Lochter“ zu suchen. Eine Bemerkung von Peter Manz wurde in der Hitze aufflammender Wortgefechte untergebügelt: „Heute beginnt die Weltklimakonferenz und was machen wir?“ Bürgermeister Magenreuter musste zweimal eine Pause ansetzen, um das Gewirr an Abstimmungsvorschlägen zu ordnen und in diesen Pausen ging es zu wie im Bienenstock. Begonnen wurde die Abstimmung nach gut zwei Stunden Diskussion mit dem ersten Beschlussvorschlag der Verwaltung: „Der Gemeinderat beauftragt die Verwaltung, zusammen mit dem MSC auf dem Gemeindegebiet der Stadt Isny im Allgäu weiter nach einem Trainingsgelände zu suchen.“ Mit 18:2 Stimmen wurde dieser Beschluss angenommen.

Drei weitere Abstimmungsvorschläge von SPD und Freien Wählern scheiterten mit 10:10 Stimmen. Bei Gleichstand gilt der Vorschlag laut Gemeindeordnung als abgelehnt.

Der Vorschlag der Verwaltung unter realistischen Trainingsbedingungen am Standort Bleicherweiher eine amtliche Messung durchführen zu lassen, wurde bei einer Enthaltung mit 7:12 Stimmen abgelehnt.

Bei geeignetem Wetter soll eine Fahrprobe am Standort Lochter unter realistischen Trainingsbedingungen insbesondere hinsichtlich Art und Anzahl der Fahrzeuge unter gleichzeitiger amtlicher Messung der Lärmemissionen an fünf Messpunkten durchgeführt werden. Dies wurde mit 11:6 Stimmen angenommen, bei einer Enthaltung. Nach Durchführung der Fahrprobe soll im Gemeinderat zeitnah eine Entscheidung über die nähere Untersuchung des Standortes Lochter getroffen werden.

Wieder zwei Stunden heiße Debatten und wildes Argumentieren über eine Möglichkeit des MSC seinen Nachwuchs zu trainieren und damit wie in den Jahrzehnten zuvor eine vernünftige Jugendarbeit zu ermöglichen und das, wo die Diskussion doch schon seit zwei Jahren geführt wird.

Manfred Schubert

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