Markantes Stück

Mit Nussschalensud und Flammruß, nach einem Originalrezept aus der Spätgotik gebeizt, hat ein neues Zeugnis spätmittelalterlicher Wohnkultur jüngst seinen Platz im Rittersaal des Burgenmuseums auf der Burghalde gefunden. Das markanteste Stück des Ensembles ist eine übers Eck gearbeitete Wandvertäfelung, reich verziert mit geschnitzten Wappenmotiven und einer integrierten Sitzbank. Komplettiert wird das Mobiliar durch drei Scherenstühle sowie einem massiven Tisch mit Ahornplatte in der typischen Form dieser Zeit.

Ursprünglich hatte der Holzrestaurator Helge Bartsch aus Reute bei Immenstadt das Objekt zum privaten Gebrauch nach historischem Vorbild aus der Zeit um 1500 angefertigt. Später musste es aber dann aus Platzgründen aus den heimischen vier Wänden weichen. „Eine willkommene Bereicherung für das Allgäuer Burgenmuseum“, freute sich der Leiter des Museums, Roger Mayrock. Dort repräsentiere die Dauerleihgabe nämlich eine „typische Wohnraum-Ausstattung aus dem späten Mittelalter, wie sie in Allgäuer Burgen mit Sicherheit ähnlich vorhanden gewesen sein muss“. Exklusives Ambiente Auf zahlreichen Burgen in der Region seien aufwendig verzierte Kachelöfen nachgewiesen worden, die indirekt die Existenz nobler Ausstattung bezeugten, so Mayrock. Wenig Verständnis zeigte er deshalb für die „allgemein verbreitete irrige Vorstellung, dass die Burgbewohner in kahlen, zugigen Mauern gelebt haben sollen“. Auch wenn diese Ansicht durch die nur mehr als Trümmer des Rohbaus vorhandenen Ruinen gefördert werde, in denen von der einstigen Ausstattung wie Wandteppiche, Fenster, Türen, Kissen oder Wandverputz mit Malereien nichts mehr übrig sei. Gegen die „rustikale Vorstellung“ spreche aber, dass Burgen auch im Spätmittelalter teilweise noch Adelssitze oder zunehmend Wohnsitze vornehmer und wohlhabender Kaufleute gewesen seien. Und gerade Letztere hätten „oft viel Geld in die Modernisierung“ ihrer neu erworbenen Burg gesteckt, meinte er. Beispiele seien das Burgschloss Ratzenried bei Wangen, Schloss Grönenbach oder auch Schloss Syrgenstein im Westallgäu. Aufgrund mangelnder Finanzierbarkeit des Unterhalts, seien viele Burgen gegen Ende des Mittelalters dennoch verlassen worden. Wertvolle Ausstattungen habe man dabei natürlich ausgebaut und verkauft oder versteigert. Umso glanzvoller der Zuwachs im Burgenmuseum, für das Gerhard Mayrock noch das passende Zinngeschirr als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat.

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