"Massiv aggressiv"

Wegen Volltrunkenheit musste sich vergangene Woche ein 55-jähriger Kemptener vor dem Amtsgericht verantworten. Nach einem Kneipenbesuch im März war er auf dem Heimweg gestürzt und mit 1,3 Promille Blutalkohol und einer stark blutenden Wunde am Hinterkopf ins Klinikum eingeliefert worden. Dort habe er sich, so zumindest die Anklage, uneinsichtig gezeigt und die Anwesenden beschimpft, bespuckt sowie mit Fäusten und Fußtritten angegangen.

Der nach einem Schlaganfall linksseitig nur eingeschränkt bewegungsfähige Angeklagte, der sich vor Gericht selbst verteidigte, entschuldigte sich im Verhandlungsverlauf mehrfach für sein Fehlverhalten, an das er nach eigener Aussage keine Erinnerung mehr habe. Die Ausfälle begründete er mit seiner langjährigen, „schweren Erkrankung an Epilepsie“. Er räumte ein, die entsprechenden Tabletten am Tag des Vorfalles zu spät eingenommen zu haben, weshalb der Alkohol von zweieinhalb Bieren und einem Schnaps „nicht abgebaut wurde“. Alkohol nach Einnahme der Tabletten zu trinken „war mein Fehler“, gestand er ein und wies auf die bekannten Wechselwirkungen hin. Als „typische Erscheinung“ eines Panik auslösenden epileptischen Zustandes nannte er Beschimpfungen, Um-sich-Spucken und panische Bewegungen. „Es tut mir wirklich sehr leid“, beteuerte er immer wieder. Zu dem Vorfall verhört wurde die behandelnde Ärztin des Klinikums, die von ihm „bespuckt und beschimpft“ worden war und deshalb den Strafantrag gestellt hatte. Sie bezeichnete das Verhalten während der Notversorgung des Frührentners als „massiv aggressiv“ und bestand darauf, dass er „zu jeder Zeit Herr seiner Sinne war“. Auf die Aussagen weiterer Zeugen verzichtete das Gericht vorerst. Da ein schon über zehn Jahre zurückliegendes Verfahren wegen Beleidigung und Körperverletzung gegen den Mann seinerzeit wegen Schuldunfähigkeit eingestellt worden war, sollen erst noch Sachverständige zu Wort kommen. Wie der Angeklagte bekundete, habe er seine Ärzte, unter anderem den Neurologen, bereits von der Schweigepflicht entbunden. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

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