Bürgerbroschüre "Masterplan 2050" soll für Energiewende begeistern

Klimaschutz geht uns alle an

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Gemeinsam mehr erreichen: Unter diesem Motto präsentierten OB Thomas Kiechle (links) und Klimaschutzmanager Thomas Weiß am Freitag die Bürgerbroschüre Masterplan 2050, die möglichst viele Kemptener für den Klimaschutz vor Ort begeistern soll.

Kempten – „Klimaschutz kann Spaß machen“: Mit diesen Worten stellten Oberbürgermeister Thomas Kiechle und Klimaschutzmanager Thomas Weiß letzten Freitag im Rathaus die rund 60 Seiten starke Bürgerbroschüre „Masterplan 2050” vor, die ab jetzt auf der Stadt Kempten-Seite im Internet zum Download bereitsteht. Interessierte finden darin eine Fülle an Informationen zu den Themen Konsum, Mobilität, Wohnen, Strom, Wärme und Erneuerbare Energien sowie zahlreiche Tipps für den klimaschonenden Alltag. Neben Visionen wie das Leben im Jahr 2050 aussehen könnte, werden Leuchtturmprojekte vor Ort und Fakten zu den Klimaschutzzielen der Stadt Kempten erläutert.

Was sich im bunten und modernen Design präsentiert, hat es durchaus in sich. Nicht weniger als 50 Prozent des Energieverbrauchs und 95 Prozent der CO2-Emissionen (gemessen am Jahr 2010) will die Stadt Kempten bis 2050 einsparen. Das geht nicht ohne wesentliche Änderungen im privaten, wirtschaftlichen und politischen Umfeld. Die Stadt braucht die Mithilfe jedes Einzelnen, um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Und weil der Klimawandel mit großen Schritten vorangeht, ist es wie OB Kiechle betont „entscheidend, dass wir uns heute auf den Weg für mehr Klimaschutz machen, der nur funktioniert, wenn alle mitmachen und sich engagieren“. So soll die Bürgerbroschüre laut Klimaschutzmanager Weiß zeigen, dass „Klimaschutz nicht immer etwas mit Zwang und Verzicht zu tun hat, sondern oft auch ganz einfach in vielen persönlichen Bereichen umsetzbar ist“.

Was ist der Masterplan?

Die wissenschaftliche Original-Version der Bürgerbroschüre nennt sich „Masterplan 100% Klimaschutz bis 2050“ und wurde im Rahmen der Teilnahme an der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums federführend vom Klimaschutzmanager Weiß und dem Energie- und Umweltzentrums Allgäu (eza!) erstellt.

Seit 2012 ist Kempten eine von deutschlandweit 19 Pilotkommunen und -landkreisen, die exemplarisch zeigen sollen, wie die Energiewende erfolgreich umgesetzt werden kann. 2013 wurde das lokale Masterplan-Konzept mit den dafür notwendigen langfristigen Klimaschutzstrategien vom Kemptener Stadtrat einstimmig beschlossen und seit 2014 in konkreten Projekten umgesetzt, mit Fördergeldern in Höhe von 400.000 Euro.

OB Kiechle nennt den ursprünglichen Masterplan selbst „eine komplizierte und sehr detaillierte Sache“, der in dieser Form als „interner Handlungskatalog“ dient und sich jetzt als neue, ansprechende Bürgerbroschüre an alle Kemptener richtet. Dafür wurde bewusst eine leicht verständliche Darstellung wesentlicher Kennzahlen gewählt, um möglichst viele Ziel- und Altersgruppen zu erreichen.

Was enthält die Bürgerbroschüre?

Wussten Sie, dass 80 Prozent der im Haushalt verbrauchten Energie auf das Konto „Heizen und warmes Wasser“ geht? Oder, dass jeder Kemptener Einwohner im Schnitt 2013 insgesamt 820 Liter Treibstoff verbrauchte? Und, dass bei einem prognostizierten Temperaturanstieg um zwei Grad bis 2035 in der Region nur noch drei von 19 Skigebieten nutzbar sein werden? Solche und ähnliche Fakten enthalten die einzelnen Kapitel ebenso wie die Kinderseite „der kleine Klimaschützer“. Wertvolle Fragen, um das eigene Verhalten zu überprüfen und Anregungen zum Energiesparen sollen möglichst „ohne erhobenen Zeigefinger“ aufzeigen, „was die Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen für den Einzelnen bedeuten“, so Klimaschutzmanager Weiß. Dabei will die Stadt ihre konkreten Aufgaben sehr ernst nehmen und zum Beispiel mit modernen Mobilitätskonzepten den Öffentlichen Personennahverkehr und das Radwegenetz ausbauen.

Warum gibt es keine Druckversion?

Um klimaschädigende CO2-Emissionen erst gar nicht zu erzeugen, wurde bewusst auf den Druck der Broschüre verzichtet. Bei einer Auflage von 20.000 Exemplaren würden etwa 15 Tonnen CO2 anfallen. Stattdessen kann die Bürgerbroschüre online als PDF von der städtischen Internetseite heruntergeladen werden. In den kommenden Wochen wird es auch eine Version als ePaper geben. Bürger ohne Internetzugang und Schulen können sich direkt an den Klimaschutzmanager der Stadt wenden.

Von Natalie Markl

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