Medienkompetenz früher lernen

Er möchte diejenigen wach machen, die „in die mediale Kulturrevolution hinein gesogen werden“, so Staatssekretär Dr. Gerd Müller (CSU), der in seiner monatlichen Reihe „Montags bei Müller“ mit Fachleuten über das Thema „Das Internet – wie begegnen wir Kinderporno, Gewalt und anderen Gefahren?“ diskutierte.

„Dieser Müll“ der seit etwa 20 Jahren „durch unsere Hirne getrieben wird“, habe die Gesellschaft verändert, befand er. Umso wichtiger sei es, zeigten sich alle einig, einen vernünftigen Weg im Umgang mit Internet und Co. zu finden. Das Wie sorgte allerdings für einigen Gesprächsstoff. Dass die Bundesregierung dafür sorgen will, kinderpornographische Links mit dem warnenden Auftauchen eines Stoppschildes zu sperren, hielt Dr. Thomas Giehl, Vorstand des Informations- und Telekommunikationsunternehmens Idkom, für „völlig wirkungslos“. So eine Sperre könne jeder Laie umgehen, machte er klar, denn schließlich sei das Internet als „unsperrbar konzipiert“ worden. Leute mit Kontakt zur Szene werde das Schild nicht abhalten. Das sah Renate Börner, Leiterin des Hildegardis-Gymnasiums, anders, denn immerhin würden damit surfende Kinder geschützt. Und auch nicht jeder Erwachsene „hat kriminelle Energie“, wie sie meinte. Vier Leute sind laut dem leitenden Kriminaldirektor Karl-Heinz Albrecht und Kriminalkommissar Axel Fuchs, bei der Kripo in Kempten ausschließlich mit der Auswertung solcher Seiten beschäftigt, die häufig von Usern anonym gemeldet würden. Schwierig sei es, auf die passwortgeschützten Benutzerforen zuzugreifen, die häufig als „Tauschbörse“ dienten. Täter oft im Ausland Zwar seien neben Produktion und Verbreitung „alle möglichen Handlungsbereiche“ strafbar, machte Armin Baumberger, Pressesprecher am Landgericht Kempten, deutlich. Aber meist würden die Täter im Ausland oder über Anonymisierungsdienste arbeiten, was die Ermittlung schwierig mache. Und „was sollen Kinder tun, wenn sie darauf stoßen?“, wollte Müller wissen. Da es eine hohe Hemmschwelle gegenüber der Polizei gebe, so Albrechts Einschätzung, müssten Eltern oder Vertrauenslehrer Ansprechpartner sein. Für wichtig erachtete er, besonders bei den heute „medial voll versorgten Kindern und Jugendlichen“, neben der Strafverfolgung auf Prävention zu setzen. Und da sollten auch die Eltern an einen „guten Umgang mit der Medienwelt“ herangeführt werden, wie die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Lindau, Elke Rudolph, forderte. Es „sollte ein freies Angebot für Eltern und Schüler geben sich da zu bilden“. Unterstützung erhielt sie von Börner, die das Erlernen von Medienkompetenz im Gymnasium für viel zu spät erachtete. Nicht nur die Hemmschwelle für pornographische Darstellungen sinke, auch bei Gewalt sehe es nicht besser aus, lenkte Müller auf ein weiteres brisantes Thema. Schon kleine Kinder erlebten heutzutage über 20000 Morde pro Jahr über die Medien, sah er einen Grund auch im Fernsehverhalten oder „Gewalt verherrlichenden Spielen“. Reißenden Absatz unter Jugendlichen fänden Aufnahmen des so genannten „Happy Slapping“, also filmen von Gewalttaten, was strafrechtlich verfolgt werde. Gefahr durch "Cybermobbing" Fuchs wies darauf hin, dass auch harmlosere Fotos, die „vielleicht ohne böse Absicht ins Netz gestellt werden“, dort selbst nach dem Löschen für immer auffindbar blieben. Große Firmen würden dort vor Arbeitsverträgen „immer recherchieren“, so Müllers Hinweis auf mögliche Spätfolgen. „Traurige Realität“ sei ebenso „Cybermobbing“, das von Schülern oft gedankenlos und unter „großem Gruppenzwang“ mitgemacht werde, wie Börner wusste. Opfer seien sowohl Mitschüler als auch Lehrer, die im weltweiten Netz verunglimpft würden. Als Tipp riet Giehl bestimmte Seiten für den PC zu sperren oder einen Filter aufzusetzen, der etwa die Nutzung zeitlich begrenze. Komplizierter sei es allerdings beim Fernsehen.

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