Mediennutzung in Zeiten von "Big Data": Was passiert mit meinen Daten?

Der gläserne Mensch

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Stellten sich den Fragen der Mediennutzer: (v.li.) Katharina Gmeinwieser (Medienfachberatung Schwaben), Till Horstmann (jfc Medienzentrum), Stefan Keppeler (Datenschutzbeauftragter, Vorstandsvorsitzender SJR), Oliver Huber (Moderation, Amt für Jugendarbeit), Daniel Breiter (Medienfachberatung Schwaben) und Christian Seitz (Medienpädagoge, SJR).

Kempten – 40 Zettabyte – eine Zahl mit zwölf Nullen – wird die Menge aller Daten Schätzungen zufolge im Jahr 2020 betragen. Das entspricht der 47-fachen Menge der Sandkörner aller Strände der Erde, begann Katharina Gmeinwieser von der Medienfachberatung Schwaben aus Augsburg ihren Impulsvortrag zur anschließenden Podiumsdiskussion „Gefährliche Bequemlichkeit – Mediennutzung in Zeiten von Big Data“ am vergangenen Mittwochabend im Jugendhaus Kempten.

Von den veränderten Umständen merken die Menschen nicht viel, sie gewöhnen sich langsam an die Bequemlichkeit, die mit Big Data einhergeht, so Gmeinwieser. Mit wenigen Klicks kann heutzutage beispielsweise ein neuer Winterschuh bestellt, dem Nachbarn Geld auf dessen Konto überwiesen und dem besten Freund via Facebook oder WhatsApp wichtige Neuigkeiten mitgeteilt werden. In Zeiten von Online Banking, Online Shopping, Social Media, GPS, Smartphones und Apps sind Informationen und Daten nicht mehr flüchtig, sondern langfristig verfügbar und können von ihrem ursprünglichen Kontext in neue Zusammenhänge übertragen werden. Dabei schaffe jede Handlung eine neue Menge an Daten, erklärte Gmeinwieser, betonte aber zugleich, dass diese Daten weder gut noch schlecht seien: es komme darauf an, was damit gemacht wird.

Die Menge und Vielfalt an Daten sowie die Geschwindigkeit, mit der Datenmengen generiert und transferiert werden, biete auch Chancen: so können Zukunftsprognosen gegeben, Chancen errechnet sowie Arbeitsabläufe optimiert werden und auch die Gentechnik profitiere von der Masse an Daten.

Daten als Abbild des Menschen

Die Menschen müssten sich allerdings bewusst sein, dass die Gefahr von Datenlacks und -diebstählen steige, je mehr Daten gesammelt werden. So entstehe durch die Menge an Daten im Internet ein Abbild des Menschen, die Meinungs- und Entscheidungsvielfalt werde eingeschränkt. Das zeige sich vor allem in gezielten Produktplatzierungen und personalisierten Werbungen. „Das Thema ist völlig verrückt“, betonte OB Thomas Kiechle. „Die Manipulationen laufen unbemerkt ab. Es ist wichtig, dass man die Chancen und Risiken kennt.“

So müssten vor allem Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema herangeführt und mit ihnen in Dialog getreten werden, ohne den Zeigefinger zu erheben, erklärte Daniel Breiter, ebenfalls von der Medienfachberatung Schwaben. Till Horstmann vom jfc Medienzentrum Köln verwies auf den Grundsatz der „Datensparsamkeit“. So könne man sich Alternativen zu WhatsApp und Facebook installieren (z.B. „Signal“) und mithilfe dieser Kanäle untereinander kommunizieren. Die meisten Menschen würden AGBs im Internet akzeptieren, ohne sie gelesen zu haben, Apps den Zugriff auf Standort, Kontakte und Kamera gewähren, ohne sich den Folgen bewusst zu werden. So bestehe die Gefahr, dass sich Dritte in die Kamera von Smartphones einhacken, ohne dass der Nutzer es merke. Die Online-Aktivität bei WhatsApp gebe wiederum Aufschluss über den Schlafrhythmus und die Aktivität des Nutzers im Tagesverlauf. „Es ist wichtig, dass dafür ein Bewusstsein entsteht“, so Medienpädagoge Christian Seitz vom Stadtjugendring Kempten (SJR).

Auf dem weit sichereren Weg sei man, wenn man die Kamera mit Post-Its abklebe, das GPS deaktiviere und wichtige Angelegenheiten im persönlichen Gespräch kläre, betonte Stefan Keppeler, Vorstandsvorsitzender des SJR und gleichzeitig Datenschutzbeauftragter. Auch könne man bei Unternehmen die Einsicht in die erhobenen Daten der eigenen Person verlangen und gegebenenfalls eine Löschung beantragen, ergänzte Seitz. Schwierig werde es nur, wenn Konzerne außerhalb der EU sitzen, „dann gelten andere Datenschutzrechte“.

Grundsätzlich könnten sich Mediennutzer an dem Grundsatz „Alles, was ich eine Postkarte schreiben würde, ist öffentlich, alles andere privat“ orientieren, gab Keppeler den zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besuchern am Ende der Veranstaltung mit auf den Weg.

"Leben statt Schweben"

Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen der Präventionskampagne „Leben statt Schweben“ statt, die in diesem Jahr zum zwölften Mal von der Stadt Kempten und dem Stadtjugendring Kempten durchgeführt wurde. Unter dem Motto „Der manipulierte Mensch“ wurden in diesem Jahr an zwei Tagen verschiedene Workshops und Vorträge zum Thema Mediennutzung angeboten.

Lea Stäsche

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