Für mehr Zuversicht

Ex-Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel mit Buchenbergs Bürgermeister Toni Barth (links) und dem örtlichen CSU-Chef Wilhelm Oberhofer. Was hat Waigel ins Goldene Buch geschrieben? „In den Schnee habe ich mich mit meiner Frau Irene schon im Dezember eingetragen. Im Buch der Gemeinde ist mir das eine besondere Ehre!“ Foto: omp

Euro ein Teuro? Und nicht mehr ganz so stabil? Davon wollte „Mister Euro“, wie Ex-Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel gerne bezeichnet wird, bei seiner Rede im Pfarrsaal nichts wissen. Im Gegenteil: Vor den 150 Zuhörern im Rahmen des Neujahrempfangs der Buchenberger CSU war sich der 71-Jährige sicher: „Ohne Euro wären wir im Vergleich zu anderen Staaten nicht wirtschaftlich so schnell erholt aus der Wirtschafts- und Finanzkrise herausgekommen“, betonte Waigel, der damals beim „Basteln“ der europäischen Währung maßgeblich mitgewirkt hatte.

„Heftige Währungskrisen gab es schon früher, nur haben wir das Maul nicht so weit aufgerissen“, schmunzelte Waigel. Er verwies auf milliardenschwere Stützungskäufe zugunsten von France und britischem Pfund Anfang der 1990er Jahre. „Als die Finanzwelt vor eineinhalb Jahren vor dem Abgrund stand, wären uns die früher 30 europäischen Währungen nur so um die Ohren geflogen. Und wer hätte sie gestützt?“, konnte sich Waigel einen Seitenhieb auf manche Eurokritiker nicht verkneifen. Freilich sei auch nicht alles optimal gelaufen, seit er mit der Abwahl der Kohl-Regierung (1998) nach knapp zehn Jahren den „Finanz-Tanker“ Deutschland verlassen hatte. Beispielsweise gehen ihm die „Zähmungswerkzeuge gegen den Raubtierkapitalismus nicht weit genug“. Zweitens sei Griechenland nach seiner damaligen Einschätzung noch lange nicht reif für den „Club“ gewesen. Und drittens ist es für Waigel ein „Sündenfall“, wenn die deutsche und französische Regierung, wie vor rund fünf Jahren geschehen, einfach die Euro-Stabilitätskriterien aufweichen würden. Dennoch hält es Waigel mit seinem einstigem Freund, dem schwäbischen Schriftsteller und Philosophen Ernst Jünger: „Es ist besser in der Zuversicht als in der Furcht zu leben.“ Früher sei Europa alle zwei, drei Dekaden wieder von einem Krieg überzogen worden. „Gemeinsame Währung, gemeinsamer Handel“ schärfte den Blick auf das Verbindende, betonte der Wahl-Seeger. Vieles sei auch nicht so, wie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde. So habe Deutschland noch keinen Cent an Griechenland oder andere ausbezahlt, bisher handle es sich nur um Bürgschaften für Kredite. Auch Banker und Vorstände seien keineswegs vorzugsweise bedient worden. Bei der Rettung von Banken habe man vor allem die großen Schäden für Sparer, Anleger und Betriebe verhindern wollen. Nicht nur für die Urlauber sieht Waigel die Vorteile des Euro. „Bedenken Sie, dass 63 Prozent der deutschen Ausfuhren in EU-Länder gehen, und über 70 Prozent der Einfuhren sind aus dem gleichen Wirtschaftsraum“, erklärte der ehemals oberste Kassenwart der Republik. Und man brauche auch eine „kraftvolle Gegenwährung“, um gegenüber neuen Wirtschaftsgiganten wie China und Indien bestehen zu können. Lob gab es abschließend für den Buchenberger CSU-Ortsvorsitzenden Wilhelm Oberhofer. „Der hat mich so clever geworben, da konnte ich schier nicht aus“, bekannte Waigel. Die Schneesicherheit der Gemeinde habe er schon mit Frau Irene getestet. Da freut sich Bürgermeister Toni Barth, wenn sich solche Gäste auf der „Sonnenterrasse des Allgäus“ niederlassen. Um dann vielleicht noch von den „vielen Ehrenamtlichen in Buchenberg“, so Barth, zu profitieren.

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