Der Meister des Absurden

Mit viel Witz und Charme überzeugt Wladimir Kaminer beim Auftakt zum diesjährigen APC-Sommers. Schwierigkeiten bereitete aber die Akustik. Foto: Tröger

Dass er deutschen Kulturinstitutionen als Aushängeschild für deutsche Kultur dient und er deshalb unter anderem nach Singapur eingeladen wurde, erheiterte den Meister der aus dem Leben gegriffenen Absurditäten wohl selbst am meisten. Zum Auftakt des APC-Sommers gab der seit 20 Jahren in Berlin lebende gebürtige Moskauer Autor Wladimir Kaminer eine kurzweilige Kostprobe seiner skurrilen Geschichten. Die angekündigte Lesung aus „Salve Papa“ ersetzte er allerdings kurzerhand durch „in den letzten Wochen entstandene“ Reisegeschichten, denn, so seine einfache Begründung, „die Bücher kann ja jeder lesen, aber das kennt noch keiner“.

Eigentlich schreibe er ja immer das Gleiche, verkündete der mit seinem 2000 erschienenen Erstlingswerk „Russendisko“ gleich zum Kultautor avancierte Kaminer fröhlich. Sein Erfolgsbuch jedenfalls soll mit Matthias Schweighöfer in der Rolle des Schriftstellers in die Kinos kommen, freute sich Kaminer, der zwischen den Lesungen aus flatternden Blättern in seinem gepflegten russischen Akzent auch munter plauderte. Eine neue Geschichte hatte er über den Kirchentag dabei, wo er nicht nur über die Deutsche Sprache gestolpert war: „Mir war es peinlich, dass ich etwas so triviales wie Pfandfinder mit etwas so Romantischem wie Pfadfinder verwechselte“. Religion sei als „neues Thema“ bei ihm noch dazu gekommen, wie er anmerkte. Dabei gab er auch gleich einen praktischen Nutzen preis, indem er die Geschichte erzählte, als er seinen Sohn davor bewahrte im Biologieunterricht „Würmer foltern“ zu müssen – was natürlich aus religiösen Gründen nicht ging. In „Das Drama der Kuscheltiere“ erzählte er amüsant die Odyssee von „Xavier“, dem Kuscheltier seines Sohnes, das auf Reisen in einem Hotelzimmer verloren gegangen war. Seine jüngste Geschichte „von letzter Woche“, klärte die knapp 200 Zuhörer „über die blödesten Anmachen, die sie in der sechsten Klasse haben“ auf . Schwierige Akustik Ihr Fett bekamen auch politische Schwergewichte wie Wladimir Putin und Gaddafi ab, die er gemeinsam ein Konzert von Mireille Matthieu besuchen ließ. Vielleicht lag es an der anstrengenden Akustik in den Kleinen Thermen des Archäologischen Parks Cambodunum, der den humorgetränkten Funken des charmanten Wahlberliners nur bedingt auf das Publikum überspringen ließ. Auch die zwar sehr schönen, aber mehr nachdenklich machenden musikalischen Intermezzi von Roland Wankmüller am Akkordeon und Ludwig Neuberg an der Gitarre hielten einer überschwänglichen Stimmung eher entgegen. Reißenden Absatz fanden dafür Kaminers Bücher sowie die „Russendisko“-CD, die der gewinnende Schriftsteller, Kolumnist und Rezitator unermüdlich zum Auftakt des APC-Sommers signierte.

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