Black Rider müssen "Löwen" in Lauben aufgeben

Mietverhältnis gekündigt

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Das Clubschild (links) muss bald abgehängt werden, denn der MC Black Rider Kempten muss sein Clubhaus zum 31.12. verlassen.

Lauben/Heising – Seit 2013 nutzt der Motorradclub „Black Rider MC Allgäu/Kempten“ den Gasthof Löwen in Lauben bei Kempten als Clubhaus. Anfang April fand hier eine Drogenrazzia statt. Mittlerweile sitzen zwei der 15 Clubmitglieder in Untersuchungshaft. Zwar stehen die Ermittlungsergebnisse derzeit noch aus, trotzdem hat der Gemeinderat sich jetzt mit knapper Mehrheit für eine Kündigung des Mietverhältnisses entschieden.

Zur Vorgeschichte: Am frühen Morgen des 11. April durchsuchten bewaffnete Sondereinsatzkräfte der Polizei im Zuge einer Drogenrazzia unter anderem den Gasthof Löwen in Lauben. Wie es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft heißt, sei schon seit Monaten wegen unerlaubtem Handel mit Betäubungsmitteln gegen die Mitglieder des Motorradclubs Black Rider Kempten ermittelt worden. Der Club unterhalte enge Kontakte zu einem Chapter der Hells Angels aus Reutlingen. Deren Vize-Präsident habe regelmäßig über einen längeren Zeitraum größere Mengen Rauschgift an den Vize-Präsidenten der Black Rider in Lauben geliefert. Beide Männer wurden im Zuge der Razzia in Memmingen von Spezialeinsatzkräften der Polizei festgenommen. Dabei seien mehrere hundert Gramm Kokain sowie mehrere Tausend Euro Drogengeld sichergestellt worden.

Zeitgleich zur Festnahmeaktion sowie in den Folgewochen wurden im Allgäu und in Baden-Württemberg mehrere Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dabei wurden nach Polizeiangaben geringe Mengen Betäubungsmittel, verbotene Gegenstände nach dem Waffengesetz sowie eine illegale Schusswaffe (Pistole) sichergestellt. Wegen Besitz dieser Waffe sowie der Sicherstellung einer größeren Menge Rauschgift in seiner Wohnung wurde zwischenzeitlich gegen ein weiteres Mitglied der Black Rider Haftbefehl erlassen.

Aufgrund dieser Ereignisse hat der Laubener Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung entschieden, den Mietvertrag mit dem Motorradclub zum 31.12. 2016 zu kündigen. Weil für ihn jedoch noch viele Fragen offen waren, hatte Bürgermeister Berthold Ziegler sowohl die Vorsitzenden des Motorradclubs als auch den Pressesprecher der Polizeiinspektion Kempten sowie den zuständigen Staatsanwalt zu der Gemeinderatssitzung eingeladen. Letztere beide lehnten die Einladung mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen ab.

Der Motorradclub habe den öffentlich zugänglichen Gasthof stets ordentlich geführt und sehr sauber gehalten, so Ziegler in seinen einleitenden Worten. Die Mitglieder, von denen einige aus Lauben stammen, hätten sich gut ins Dorfleben integriert, öffentliche Grillabende veranstaltet und beim Weihnachtsmarkt oder Weiberfasching mitgewirkt. Angesichts der Vorwürfe, dass hier ein Drogentreff und Drogenumschlagplatz betrieben worden sei, müsse jedoch eine außerordentliche Kündigung in Erwägung gezogen werden.

Da es nach dem rechtsstaatlichen Prinzip keine Vorverurteilungen geben dürfe, wolle man die Betroffenen vor der Beratung selbst zu Wort kommen lassen. Oliver Tomski, der Vorsitzende des MC Kempten (bei dem die Black Rider Mitglieder sind) und der neue Vizepräsident der Black Rider, der 27-jährige Dietmannsrieder Maximilian Mayer, nutzten – standesgemäß mit ihren Kutten bekleidet – die Chance, dem Gremium ihre Sicht der Dinge zu schildern. Sie seien selbst von den Ereignissen geschockt gewesen. „Wir sind einfach eine Gruppe von Leuten, die alle einer regelmäßige Arbeit nachgehen und gemeinsam ihr ­Hobby Motorradfahren ausüben“, betonte Mayer. „Jetzt werden wir hingestellt, wie die größten Kriminellen“. Man kenne zwar die Hells Angels, aber von den Vorgängen, die nun im Raum stehen, habe man nichts gewusst, so Tomski. Die Vorwürfe des Konsums, Handels oder der Lagerung von Drogen im Gasthof träfen nicht zu. „Da ist wirklich nichts dahinter!“ Keiner der drei Spürhunde habe angeschlagen. Zudem verfüge die Gemeinde ja über Schlüssel. Freilich könne er nicht jeden seiner Gäste auf dessen persönliches Drogenkonsumverhalten kontrollieren, so Tomski weiter. „Und was die Leute privat machen, weiß ich nicht.“ Bei jedem Einzelnen Clubmitglied habe eine Hausdurchsuchung stattgefunden, zudem sei von jedem eine Haarprobe zur Ermittlung eventuellen Drogenkonsums genommen worden. „Ich habe die Probe freiwillig abgegeben“, so Tomski. Die Ergebnisse stehen derzeit noch aus. Die beiden Personen, die jetzt in U-Haft sitzen, wurden mittlerweile aus dem Club ausgeschlossen und ihrer Ämter enthoben.

Lange Diskussion und knappe Abstimmung

Die Entscheidung über die ordentliche Kündigung wurde im nichtöffentlichen Teil der Sitzung gefällt. „Das ist eine schwierige Situation, denn die tatsächliche Sachlage ist ja völlig unklar. Wir hatten eine sehr lange Diskussion und eine knappe Abstimmung“, sagte Berthold Ziegler auf Nachfrage des Kreisboten. Dass die Staatsanwaltschaft der Einladung nicht gefolgt sei, ärgere ihn. „Ich wüsste nicht, inwiefern ein einfaches JA oder NEIN auf die Frage, die die bestehenden Vorwürfe bereits mit Fakten unterlegt seien, die Ermittlungsergebnisse hätten gefährden können“, wundert er sich kopfschüttelnd. „Da hat man uns ganz schön im Regen stehen lassen.“

Zwar gelte grundsätzlich die Unschuldsvermutung, jedoch sehe man sich in der Vorsorgepflicht. „Die Betroffenen haben jetzt noch bis 31.12. Zeit, die Fakten darzulegen. Sollte herauskommen, dass die Anschuldigungen haltlos sind, steht einer Diskussion über einen neuen Mietvertrag nichts im Wege.“

Sabine Stodal

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