"Interkulturelle Stadtgespräche" zum Thema Integration im Haus International

In der Politik mitmischen

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OB Thomas Kiechle im Gespräch mit Jeanette Lauschke und Wilma Dohle-Schupp (Mitte) von terre des hommes.

Kempten – „Wir müssen miteinander reden, damit das Zusammenleben gelingen kann“, betonte OB Thomas Kiechle bei der Auftaktveranstaltung von „MischMit! Interkulturelle Stadtgespräche“. Und geredet wurde viel am vergangenen Mittwochabend im Haus International. Waren die Stühle anfangs erst spärlich besetzt, füllten sich die Tische dann doch noch mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern und Mitgliedern von Kemptener Institutionen und Helferkreisen, um sich mit Vertretern der Stadt zum Thema Integration auszutauschen und selbst in der Politik „mitzumischen“.

Integration sei eine Querschnittsaufgabe, die alle Lebensbereiche betreffe, betonte Siegfried Oberdörfer, Vorsitzender des Integrationsbeirats, zu Beginn der Veranstaltung. Integration entstehe zudem vor Ort, daher sei es wichtig, sich regelmäßig mit den Menschen an einen Tisch zu setzen und sich zu unterhalten. Ziel des Projektes im Haus International sei es daher, nicht nur die direkte Kommunikation in der Stadt zu fördern, sondern auch das ehrenamtliche Engagement von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu stärken und öffentlich zu machen, ergänzte Kiechle.

In klassischer Caféatmosphäre mit Keksen und Getränken konnten die Besucher mit den wichtigsten Akteuren der Kemptener Integrationspolitik locker ins Gespräch kommen, ihre Meinungen äußern und Fragen stellen. So verteilten sich neben Kiechle und Oberdörfer auch Benedikt Mayer, Referatsleiter Jugend Schule und Soziales, Philipp Wagner, Leiter des Amts für Integration, Torsten Groß vom Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern und Angelika Czajor, „Talentscout“ der Beratungsstelle für berufliche Anerkennung und Integration in den Arbeitsmarkt, an verschiedenen Tischen, an die sich die Bürger dazugesellen konnten. Ein bestimmtes Thema war dort nicht vorgeschrieben: so wurde nicht nur über die beruflichen Qualifikationen, die Wohnsituation und Sprachkenntnisse von Flüchtlingen gesprochen, sondern auch die Integration der „älteren“ Einwanderergenerationen, die seit Jahrzehnten in der Stadt leben, thematisiert. Diese Generation lebe häufig isoliert und habe Verständigungsprobleme beispielsweise in Krankenhäusern und Pflegeheimen, berichtete eine Bürgerin mit türkischem Migrationshintergrund von den Erfahrungen ihrer Mutter. Auf der anderen Seite würden die in Deutschland geborenen Generationen von Einwanderern aber die Muttersprache häufig nur noch von Oma und Opa lernen, sodass Deutsch im Laufe der Generationen immer mehr zu deren Muttersprache werde, erklärte Oberdörfer.

Angesichts der beruflichen Qualifikationen von Flüchtlingen erklärte Kiechle, dass auch die Stadt Kempen „im Grunde von der Situation überrollt wurde“ und keiner wusste, was für Leute nach Deutschland und Kempten kommen werden. Die Qualifikation wurde anfangs nicht erhoben, erst jetzt würden nach und nach „Strukturen geschaffen“, erklärte Kiechle. So gebe es unter den Asylbewerbern sowohl Analphabeten jeder Altersklasse als auch Menschen mit einer soliden Ausbildung, ergänzte Lajos Fischer, Geschäftsführer des HI.

Angebracht wurde in der Gesprächsrunde auch, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger zwar bei der Integration von Einwanderern engagieren würden, ihnen aber die notwendige Qualifikation fehle.

Nicht selten wurde an diesem Abend der Stift gezückt und Anregungen und Wünsche der anwesenden Bürgerinnen und Bürger von Seiten der Stadt notiert.

Die Interkulturellen Stadtgespräche sind neben dem World Café (der Kreisbote berichtete) eine Aktion des übergeordneten Projekts „MitMischen in Kempten“, das vom Integrationsbeirat der Stadt Kempten und dem Haus International gemeinsam getragen und vom Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern unterstützt wird. Weitere Informationen unter www.hausinternational.de. 

Lea Stäsche

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