Mitarbeiter warten auf Löhne

Das tut weh: Das Musical „Ludwig – Der König ist zurück“, das bis Sonntag in Kempten aufgeführt wurde, soll, wie schon die beiden Vorgänger-Produktionen in Füssen, vor finanziellen Problemen stehen. Foto: Läufle

Dass der märchenhafte Bayernkönig Ludwig II. ein Problem mit Geld hatte, ist hinlänglich bekannt. Das scheint sich aber auch auf Projekte auszuwirken, die die Geschichte des Königs erzählen wollen. Neben zwei Musicalpleiten in Füssen steht nun scheinbar auch die Neuauflage „Ludwig – Der König ist zurück“, die bis Sonntag eineinhalb Monate in der bigBOX in Kempten lief, vor finanziellen Problemen. Vor allem die Mitarbeiter, aber auch die Akteure sollen noch immer auf eine Großteil ihrer Gagen und Löhne warten.

Erstes Opfer der Musical-Neuinszenierung über Leben und Sterben des Märchenkönigs ist eine Farbenfirma aus Füssen. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte Geschäftsführer Stefan Kreutzer vergangene Woche, dass die Produktion bei seiner Firma noch immer Außenstände von rund 1300 Euro habe. Kreutzer hatte rund vier Wochen vor der Premiere am 7. Juli einen Speziallack für die Bühne geliefert. Ein Geschäft, das durch den Bühnentechniker Michael Berens zustande gekommen war. Allerdings wollten sich weder Produzent Gerd Fischer noch Christian Landerer, kaufmännischer Leiter der Produktion, an dieses Geschäft erinnern. Landerer im Telefongespräch: „Es sind alle Rechnungen bezahlt“. Das wird aber auch von Mitarbeitern der Technik bestritten. Zu Erinnerung: Im Mai 2000 brachte Stefan Barbarino im eigens gebauten Musical-Theater in Füssen die Geschichte des Königs auf die Bühne, spektakulär die Schlussszene, als der König in die Fluten des Wasserbassins verschwindet. Nach 1500 Vorstellungen ist Schluss, die Produktion pleite. Mehrere Geldgeber ermöglichen im Jahr 2005 einen Neustart, nach nicht mal zwei Jahren heißt es erneut: der König hat kein Geld mehr. Nun also der dritte Anlauf, das Musical Ludwig hoch 2 mit der Musik von Konstantin Wecker und um Produzent Gerd Fischer startete mit zum Teil neu arrangierter Musik und neuem Titel in der bigBOX in Kempten. „Ein tolles Stück“, schwärmt Landerer und auch Fischer zeigt sich zufrieden. Das Stück sei durchfinanziert, am Sonntag ist die letzte Vorstellung über die Bühne gegangen. Vielfach waren die Mitarbeiter aus den früheren Produktionen in Kempten wieder mit dabei, so ein Bühnentechniker, der erzählt, er habe bislang nur einen Teil des Geldes gesehen. Auf Nachfrage verweigert etwa der technische Leiter des Stückes und für das Bühnenbild verantwortlich, Gerd Friedrich, vergangene Woche jede Aussage. Man solle doch das Stück zu Ende kommen lassen, so Friedrich, auch sei er noch in Gesprächen. Auf die konkrete Frage, ob er für seine Arbeit bezahlt worden sei, verweigerte er aber die Antwort. Der Bühnentechniker, auf dessen Mitarbeit die Macher mittlerweile „verzichtet haben“, vermutet hinter den Vorgängen noch mehr – man wolle sich hinter den Kulissen einigen. Auch weil, wie Fischer bestätigt hat, das Musical 2012 und 2013 in Kempten gezeigt werden soll. Im kommenden Jahr aber will auch Stefan Barbarino den König auferstehen lassen – am Originalschauplatz in Füssen. Dabei aber gab es schon seit Wochen Hinweise in der bigBOX darauf, dass Großteils vor leeren Rängen gespielt wurde. Das Publikum sei zufrieden, erklärt Fischer, nennt aber im Gespräch keine Zahlen zur Auslastung. Die finden sich dafür beim Bayerischen Rundfunk. So hätten im Schnitt weniger als 500 Zuschauer die zwischen 20 und 80 Euro teuren Vorstellungen gesehen, bestuhlt war die bigBOX jedoch für mehr als 1500 zahlende Gäste. Ein Problem, mit dem sich die Macher des Musicals auch schon in Füssen konfrontiert sahen. Für Fischer ist es auch nur ein „erster Versuch“, wie er meint. Man habe zwar die Erwartungen, was die Zuschauer angeht, nicht erreicht, dennoch sei man zuversichtlich und habe für die Spielzeit 2012 und 2013 entsprechende Vereinbarungen mit der bigBOX getroffen.

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Neues Wettbewerbsgebiet für Stadtparkgestaltung

Kempten – „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“ lautet eine Redensart, die sich nun bei der Auslobung für den Wettbewerb zur …
Neues Wettbewerbsgebiet für Stadtparkgestaltung

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kommentare