Hebammen unter Druck

"Kurz vor zwölf für Hebammen"

+
Stephanie Ziegler, seit zwei Jahren als Familienhebamme im Raum Isny tätig und Referentin beim Kinderschutzbund in Isny.

Bei der diesjährigen Jahresversammlung vom Ortsverband des Kinderschutzbundes hatte es Elisabeth Rupf-Bolz übernommen, die Mitglieder und Gäste zu begrüßen und gab dann an Kathrin Mengesdorf-Götz ab, die den Vortrag des Jahresberichts vorbereitet hatte.

Wie beim Isnyer Ortsverband üblich teilte sich die Abendveranstaltung in zwei Blöcke auf. Die Information über Entwicklungen auf Gebieten die den Kinderschutzbund direkt oder indirekt betreffen ist für die ehrenamtlichen Mitarbeiter von großer Wichtigkeit. 

Gastreferentin des Abends war die Familienhebamme Stephanie Ziegler, die seit zwei Jahren in Isny tätig ist und aufgrund ihrer beruflichen Erfahrungen und abgeschlossener Zusatzausbildung den Berufsstand der Hebamme und der Familienhebamme anschaulich erläutern konnte. Nach ihrer Meinung ist es für diese Berufstätigkeit inzwischen schon kurz vor zwölf. Entweder geschieht etwas zum Erhalt und zur Entlastung der Hebammen, oder der Beruf gehört bald der Vergangenheit an. – Was aber soll dann in diese Bedarfslücke rücken? Allein schon die finanzielle Belastung dieses Berufsstandes ist durch die benötigte Haftpflichtversicherung bedenklich an der Grenze des Machbaren angekommen. Waren es im letzten Jahr auch schon 4400 Euro die für die Versicherung zu zahlen waren, so sind es ab Juli stolze 6000 Euro jährlich, die auch erst einmal erwirtschaftet werden müssen. Das betrifft aber nicht nur die freiberuflich Tätigen sondern auch die fest angestellten Hebammen. Es gibt in Deutschland nur einen Versicherungsträger, der diese Haftpflichtversicherung anbietet. Der allerdings hat die Weiterführung aufgekündigt und von der Politik ist bisher nichts wirklich unternommen worden um festzulegen, wie dann die Rechtslage wohl aussehen könnte. 

„Der Beruf ist also vom Aussterben bedroht, was zur Folge hat, dass Frauen zukünftig keinerlei Hebammenleistungen in Anspruch nehmen können, sollte bis 2016 keine Lösung kommen“, meint Stephanie Ziegler dazu. Dabei wäre alles gut, wenn die Wiedersprüche nicht so gravierend wären. Jede Frau hat einen gesetzlichen Anspruch auf Hebammenhilfe – Hebammen dürfen aber nur dann ihren Beruf ausüben wenn sie versichert sind – wenn es aber demnächst keine entsprechende Versicherung mehr gibt, wer erfüllt dann den gesetzlichen Anspruch? – Mit dem Inkrafttreten des neuen Bundeskinderschutzgesetzes am 1. Januar 2012 wird auch noch einmal deutlich: die Bundesregierung will den Einsatz von Hebammen und Familienhebammen, lässt aber alles noch immer im luftleeren Raum hängen. 

Was ist nun die Aufgabe einer Familienhebamme? Was eine „normale“ Hebamme tut, dürfte weitgehend bekannt sein. – Unterstützung, Beratung und Betreuung von Eltern mit eingeschränkter Fähigkeit der Alltagsbewältigung, Motivation von Mutter & Kind in schwierigen Lebensumständen durch Hilfe zur Selbsthilfe, Förderung und Beobachtung der Entwicklung, Netzwerk- und Kooperationsarbeit zur Schließung von Versorgungslücken, Konfliktberatung, und natürlich die normale Hebammentätigkeit (Vor- sorge, Beratung, Wochenbettbetreuung, Stillberatung usw… Langfristig ist die Familienhebamme recht häufig tätig, die bisherige Bezahlung richtet sich nicht nach den allgemeinen Sätzen sondern kann von Fall zu Fall recht unterschiedlich sein. Das richtet sich nach dem Kostenträger und vor allem auch nach der Intensität der notwendigen Hilfe und der Länge der Tätigkeit, die durchaus auch einmal ein Jahr lang laufen kann. 

In Anbetracht der Fülle an Informationen, die Stephanie Ziegler mitbrachte sah die tat- sächliche Versammlung der Ortsgruppe fast blass aus. Rechenschaftsbericht, Kassenbericht, Entlastung. – Alles schloss sich daran an und nach erfolgter Entlastung gab es noch genügend Zeit sich bei Stephanie Ziegler vertiefend zu informieren. Kontakte zur Familienhebamme über Tel. 07562/97 54 838. Manfred Schubert

Meistgelesene Artikel

Schnell eingliedern mit "LASSE"

Kempten – Christian Kühn ist ein ganz normaler Mann. Täglich pendelt der 33 Jahre alte Familienvater von Füssen nach Kempten zur Arbeit. In der …
Schnell eingliedern mit "LASSE"

Neues Wettbewerbsgebiet für Stadtparkgestaltung

Kempten – „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“ lautet eine Redensart, die sich nun bei der Auslobung für den Wettbewerb zur …
Neues Wettbewerbsgebiet für Stadtparkgestaltung

Wirtschaftlicher Erfolg durch Ökologie

Kempten – Dem selbstsicheren, ruhig auftretenden und entspannt schwäbelnden Oberbürgermeister von Stuttgart, Fritz Kuhn, gelang es beim …
Wirtschaftlicher Erfolg durch Ökologie

Kommentare