Die moralische Keule bleibt stecken

Die Bandbreite künstlerischen Schaffens im Allgäu wird derzeit im Hofgartensaal der Kemptener Residenz gezeigt. Foto: Tröger

Luftig und frisch präsentiert sich die 63. Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche 2012. Viele der gezeigten Werke regen zur gedanklichen Auseinandersetzung ein, ohne dabei die moralisierende Keule auszupacken, sondern schlicht durch einen kritischen Blick. In analoger Großformat-Fotografie hat sich Dieter Schmidt mit dem Thema Müll befasst und in „Landschaft I“ und „Landschaft II (bayerische Landschaft)“ in aufrüttelnde Szene gesetzt.

In den beiden aus seiner Reihe „Glaubensfragen“ gezeigten Malereien greift Oliver Kromm Zölibat und Missbrauch auf – beziehungsweise an. In „Das Geständnis“ macht er dafür Worte zwischen einem Priester und einer Frau spannungsreich überflüssig; ein Priester ist „Der Schattenmann“ für einen jungen Zögling, der mit gesenktem Haupt die Augen geschlossen hält. „Woher/Wohin“ fragt Silke Wiztsch in ihrer Filmarbeit, deren statisches Bildmotiv wenig mit bewegten Bildern zu tun zu haben scheint und zunächst zu irritieren vermag. Lediglich Licht und Schatten hauchen dem Blick auf ein Haus und eine hohe Betonmauer, zwischen denen sich ein Weg in einer Flucht nach hinten verliert, Bewegung ein. „Das Leben besteht aus warten. Es besteht aus unzähligen Schichten des Wartens...“ setzt sich eine angenehme Stimme parallel in tiefgründigen Überlegungen, knapp sieben Minuten lang, mit dem Sinn des Lebens auseinander. „68836 hornlos“ hat Matthias Sienz seine Fotografie einer Kuh genannt, deren enthorntes, blutverschmiertes Haupt einen allgemein kaum wahrgenommenen Missstand in den Fokus stellt. Mit „Hoffnungskeime“, frei schwingend in sattem grün nach allen Seiten sprießend, setzt Gisela Dobler ein positives Zukunftssignal in Form eines Objektes aus Metall und Kunststoff. Traurige Blicke Puristisch und ausdrucksstark schlägt Annette Zappe eine bronzene Brücke mit einer darüber schreitenden Frau „Zwischen hier und dort II“. Mancher Besucher mag sich angesichts der Pappel-Schnitzerei „Paula mit Gitarre“ von Cornelia Brader fragen, ob das Werk vielleicht unvollendet geblieben sei – sitzt diese doch mit traurigem Blick und leeren Händen auf ihrem kleinen Podest. 78 Werke – 25 Plastiken/Skulpturen, 20 Gemälde, 16 Fotografien, 14 Grafiken, zwei Installationen und eine Filmarbeit – zeigen einen ansprechenden Schaffens-Querschnitt Allgäuer Künstler. Darunter finden sich selbstredend auch die in diesem Jahr die preisgekrönten Werke von Silvia Jung-Wiesenmayer (Kunstpreis der Stadt Kempten), Matthias Buchenberg (Thomas-Dachser-Gedenkpreis) und Corinna Theuring (Förderpreis aus der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung). Die Ausstellung kann bei freiem Eintritt noch bis 9. September besucht werden, und zwar täglich von 10 bis 18 Uhr im Hofgartensaal der Residenz. Führungen gibt es jeweils donnerstags um 16 Uhr und samstags um 11 Uhr.

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