Motive aus dem Leben

Mit den Ergebnissen einer brandneuen Schaffensphase präsentiert sich die Wiggensbacher Künstlerin Sonja Hüning derzeit im AÜW-Infocenter Stadtsäge in Kempten.

Zwei ältere Bilder dokumentieren die Wandlung im Werk Hünings: Standen vor geraumer Zeit Metall-Abstraktionen im Vordergrund, in denen sie Themen wie Chemie, Elektrizität oder (Natur-)Philosophie aufgearbeitet hatte, so sind es jetzt aus dem Leben gegriffene Motive, deren gegenständlicher Impuls sich abstrakt weiterentwickelt. Leinwand, Holz oder Metall dienen als Untergrund ihrer Kompositionen, für die sie unterschiedliche Techniken und Materialien nutzt. „Blickpunkte“ hat die gebürtige Berlinerin, die seit 1970 im Allgäu lebt, über die Ausstellung geschrieben. Dennoch gibt sie in ihren Betrachtungen nicht allzu viel vor, sondern lässt jedem genug Raum, den figürlichen Fokus in eine individuelle Rahmenhandlung zu integrieren, der durchaus anders sein darf, als ihre eigene Intention. In „Tiefblick“, einer Kollage mit Papier und Pigment auf Metall, starrt den Betrachter vermeintlich ein Auge aus der Mitte des Bildes an – das sich bei näherem Hinsehen als eine in der Tiefe verschwindende Wendeltreppe entpuppt. „Augenkontakt“ pflegen zwei Bisons, die sich Aug in Aug mit gesenkten Hörnern gegenüberstehen. Als gegenständliche Fixpunkte des in dunklen Rottönen schattierten Bildes dienen Hörner, Nüstern und Augen, deren martialische Haltung durch in Tropfentechnik gehaltene Leiber verstärkt wird. Bei der Kollage „Observer“ geht es der Künstlerin um die schöne Welt des Scheins und deren Schattenseiten. Dem Betrachter gibt sie lediglich das Fragment eines Modelgesichtes vor interpretationsoffenem Hintergrund an die Hand. Ohne gegenständlichen Richtungsweiser entfaltet Hüning unter anderem in „Eisklar“ eine emotionale Wirkung, für die sie geschickt mit Licht und Schatten agiert. Ästhetik ist ihr nach eigenem Bekunden immer ein Anliegen. Denn nach ihrer Überzeugung darf Kunst durchaus schön sein und gefallen. Dass das nicht zwangsläufig gleichbedeutend sein muss mit Oberflächlichkeit, zeigt die kommunikative Absolventin der Akademie in Hamburg mit „Blickpunkte“ noch bis zum 13. Dezember in der Stadtsäge in der Illerstraße 12. Am 29. November und 13. Dezember ist Hüning anwesend.

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