René Jacobs: erst in Kempten, dann auf Tour durch die großen Musikzentren Europas

Hochkarätiger TIK-Saisonstart

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René Jacobs bringt Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail” konzertant nach Kempten.

Kempten – „Es ist die musikalische Sensation unserer neuen Spielzeit“, meinte Nikola Stadelmann, künstlerische Direktorin des Theaters in Kempten (TIK), bei der Vorstellung des Ereignisses, das sicher nicht nur Kemptener am 18. September ins Theater locken wird. 

Denn die kommende Spielzeit wird nicht, wie sonst, von einem Tanztheater eröffnet. 

Diesmal steht Oper auf dem Programm: Mozarts, wegen der orientalischen Elemente oft auch als „Türkenoper“ bezeichnete „Die Entführung aus dem Serail“. Aber der eigentliche Coup ist die Besetzung mit René Jacobs am Dirigentenpult und der Akademie für Alte Musik Berlin (Akamus) – beides weltweit Maßstäbe setzende Experten in Sachen historische Aufführungspraxis, die bereits eine 25 Jahre währende, sehr fruchtbare künstlerische Partnerschaft verbindet – so-wie ein „handverlesenes Sängerensemble“. 

Dank seiner immer „akribischen Auseinandersetzung“ mit der Musik, werde Jacobs das oft missverstandene Singspiel Mozarts, mit seinen anspruchsvollen Gesangspartien zwischen lustspielhafter Komik, großen lyrischen Abschnitten und fordernden Koloraturpassagen, „aus dem Geist seiner Entstehungszeit heraus deuten“, machte Stadelmann neugierig. 

Zu verdanken ist dieser „Glücksgriff“, laut TIK-Chefin, zum einen einer ihrer Verbindungen zum Klassik-Label „harmonia mundi“, bei dem die zur Weltspitze der Kammerorchester zählende Akamus bereits zahlreiche, mit allen erdenklichen Schallplattenpreisen ausgezeichnete Aufnahmen gemacht hat. 

Zum anderen war es der Kemptener Theaterförderin Annemarie Simon ein Anliegen, zu zeigen, dass das „Kemptener Theater etwas Besonderes ist“. Es gäbe zwar viele „Highlights“ im TIK, aber nach sieben Jahren seines Bestehens sei es an der Zeit, nochmals „einen richtigen Impuls zu setzen.“ Denn „ich bin stolz auf unser Theater“, dessen insgesamt herausragendes Programm leider „oft nicht so angenommen“ werde, erklärte sie ihr Engagement. 

Kempten an erster Stelle 

Zu guter Letzt kam dann wohl noch der Zufall, das Schicksal oder vielleicht auch die glückliche Fügung ins Spiel: im September spielt das Ensemble nämlich „Die Entführung aus dem Serail“ bei „harmonia mundi“ ein und geht danach gleich auf Tournee durch die großen Musikzentren Europas. Kempten wird als einziger Spielort im süddeutschen Raum, an erster Stelle stehen – gefolgt von Orten wie Brüssel oder dem Concertgebouw Amsterdam... 

Aber noch etwas freut die „Macher“ vor Ort ganz besonders: die lokale Anbindung des musikalischen Leckerbissens an die Stadt Kempten. Die Chorpartien werden nämlich von insgesamt 28 Sängerinnen und Sängern des „Collegium Vocale“ der hiesigen Sing- und Musikschule (sms) übernommen. Genau genommen sind es 23 Stimmen des Collegiums, unterstützt von fünf weiteren aus dem Jugend- sowie dem Madrigalchor, mit denen Rebecca Heudorfer die Partien bis September einstudieren wird. „Sie freuen sich schon sehr auf das gemeinsame Projekt“, weiß Robert Roßmanith, Leiter der sms, um das große Vertrauen, das damit in die Qualität des Chores gesetzt wird. 

Und noch einen letzten Trumpf zog TIK-Chefin Stadelmann aus dem Ärmel: für die Rolle des Bassam Selim konnte sie den Salzburger „Jedermann“ Cornelius Obonya – „aus der Hörbiger-Sippschaft, auch wenn er anders heißt“ – ankündigen. Als Solosänger stehen unter anderem der Schweizer Tenor Mauro Peter und die amerikanische Sopranistin Robin Johannsen auf der Bühne Einziger Wermutstropfen: Booklet und CD werden erst ab Herbst 2015 erhältlich sein. ct

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