"Die Entführung aus dem Serail" von Mozart als "Oper im Taschenbuchformat" im Haus der Senioren

Ein Dankeschön an die ältere Generation

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Konstanze (Yvonne Steiner) und Belmonte (Harrie von der Plas).

Kempten – „Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft“, war es schon einige Tage vor der diesjährigen „Musik am Nachmittag“ zu lesen. Seit über zehn Jahren füllen die Seniorinnen und Senioren bereits lange vor Beginn der Veranstaltung den Großen Kornhaussaal in Kempten, in gespannter Erwartung dieses Höhepunkts im Programm des „Haus der Senioren“. Die Oper im Taschenbuchformat wurde von professionellen Sängerinnen und Sängern und ebenso professionellen Instrumentalisten ohne großen technischen Aufwand auf die Bühne gebracht.

Die Melodien dieser 1782 uraufgeführten Oper sind vielen Menschen im Ohr, ihre Handlung ist jedoch einigermaßen verworren, weshalb das Publikum nicht nur der Musik, sondern auch dankbar dem Moderator und Viola-Solisten Johannes Erkes lauschte. Belmonte, Osmin, Pedrillo, Blonde, Konstanze sind die Hauptfiguren dieses Singspiels, das auch als „Türkenoper“ bekannt ist. Osmin (Markus Weißhaar, Bariton) und Belmonte (Harrie von der Plas, Tenor) boten gleich zum Auftakt ein furioses Duett und zusammen mit Pedrillo (Linard Vrielink, Tenor) am Schluss des ersten Aktes ein mitreißendes Terzett.

„Was sind die Janitscharen?“ fragte der Moderator ins Publikum und klärte es dann auf: Es waren die Elitesoldaten im Osmanischen Reich, für ihre Grausamkeit bekannte Islamisten – Begriffe, die uns heute leider nicht ganz unbekannt sind. Mozart kannte seine Sängerinnen und Sänger und hat sie perfekt in Szene gesetzt. In der „Entführung“ sind es die Koloraturarien der Konstanze (Yvonne Steiner, Sopran) und der Blonde (Cordula Schuster, Sopran). Beide Sängerinnen füllten ihre Rollen strahlend und scheinbar mühelos aus. Fröhliche und bange Stimmungen wechseln sich ab, die Arien, Duette und Quintette erzählen von Hoffnung, Liebesleid, Todesangst, Misstrauen, Rachegelüsten, Verzeihen, Dankbarkeit und überraschenden Wendungen... Mozart skizziert das Spannungsfeld zwischen Moslems und Christen, um mit einem Appell an Versöhnung zu enden. Johannes Erkes ist mit dem Werk innig vertraut und weiß von den Zusammenhängen der Opernhandlung mit Mozarts Leben zu berichten: Wie Belmonte hat auch er seine Heirat erzwungen, als er gegen den Willen seines Vaters Konstanze Weber ehelichte.

Der starke Schlussapplaus drückte aus, was ein alter Herr dem Leiter des „Haus der Senioren“, Karlheinz Frick, am Ende auf den Weg gab: „Vielen vielen Dank, es war wieder wunderschön!“

Der 1995 von dem Unternehmer Erich Fischer gegründeten Internationalen Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation ist dieser bereichernde Nachmittag mit klassischer Musik zu verdanken. Die Stadt Kempten, die Merkt’sche Veteranenstiftung und der Dr. Robert-Wiedenmann Stiftungsfonds sind als lokale Sponsoren zu erwähnen. Fischers Stiftung fördert neben vielen einzelnen Kulturprojekten auch Aktionen wie „Musizieren statt Konsumieren“, also Musik-Workshops für Grundschulkinder sowie Musikunterricht und Konzerte in Haftanstalten als Beitrag zur Resozialisierung der Verurteilten.

Elisabeth Brock

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